Eine Stadt sucht ein Motiv

Nach Amoklauf von Würzburg: So fühlen sich die Bürgerinnen und Bürger

Die Reaktionen in der Stadt Würzburg am Tag nach der Messerattacke sind gemischt: traurig, politisch und auch ein wenig Stolz ist dabei.

Würzburg – Einen Tag nach dem Amoklauf herrscht vor allem Trauer in der bayerischen Stadt Würzburg. Eine brutale Messerattacke kostete drei Menschen das Leben. Während die Ermittler nach dem Motiv fahnden, weinen die Bürgerinnen und Bürger, zünden Kerzen an und legen Blumen nieder am Schauplatz des Verbrechens, dem Barbarossaplatz..

Beim Bäcker, auf der Straße, an der Bushaltestelle – überall unterhält man sich über die Gräueltaten des Vortages. Eine Frau meint gegenüber der dpa: „Es ist einfach nur erschreckend, dass in Würzburg, in unserer kleinen, wunderschönen Stadt, so etwas passiert.“

Stadt in Bayern: Würzburg
Höhe: 177 m
Fläche: 87,63 km²
Bevölkerung: 127.880 (2019) laut Eurostat

Dabei stand die Stadt vor fünf Jahren aufgrund einer brutalen Axt-Attacke schon einmal im Zentrum eines schlimmen Angriffs. Damals attackierte ein 17-jähriger Flüchtling im Zug mit Axt und Messer vier Menschen und verletzte sie schwer. Zudem verletzte er auf der Flucht eine Fußgängerin. Alle Opfer überlebten. Die Terrorgruppe IS bekannte sich damals zu dem Angriff. Es war der erste islamistisch motivierte Anschlag in Deutschland. Auch beim aktuellen Vorfall wird in Richtung Terroranschlag ermittelt.

Würzburg: Messerattacke beginnt im Kaufhaus

Bisherigen Berichten zufolge begann der Angriff in einem Kaufhaus, wo der 24-jährige Verdächtige drei Menschen niederstach. Anschließend rannte er in eine Bank, attackierte dort Menschen. Auch zufällige Passanten auf der Straße wurden angeblich angegriffen. Videos, die in den Sozialen Netzwerken viral gehen, zeigen, wie sich mutige Menschen einem Mann mit Messer in den Weg stellen, ihn mit einem Besen attackieren oder sich mit Stühlen gegen den gefährlich wirkenden Angreifer bewaffnen.

Zwei Studentinnen geben an, sie seien beeindruckt von der gezeigten Zivilcourage, davon dass Menschen „wirklich auch eingeschritten sind.“ Schließlich hätten sie auch einfach wegrennen können. Stattdessen hätten sie ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um anderen zu helfen.

Kerzen und Blumen liegen vor dem Kaufhaus in Würzburg. Hier hatte ein Mann am Vortag wahllos Menschen mit einem Messer attackiert, drei starben.

Das Spektakel endet mit einem gezielten Schuss eines Polizisten. Der 24-Jährige wird festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Die Anklage: Dreifacher Mord sowie versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung in sechs Fällen. Zudem vorsätzliche Körperverletzung in einem weiteren Fall.

Ein Motiv hinter der Attacke des Somaliers konnte noch nicht gefunden werden. Laut den Ermittlern kann es eine psychische Störung, eine extremistische Einstellung oder eine Mischung aus beidem sein. Eine Frau in Würzburg hofft, die Herkunft des mutmaßlichen Täters werde nicht zum Wahlkampfthema bestimmter Parteien.

Pressekonferenz zum Messerangriff von Würzburg soll Klarheit bringen – Stimmen aus der Politik

Neben der Sorgen um politische Meinungsmache und dem Stolz auf die beherzte Zivilcourage in Würzburg sowie der Trauer um die verlorenen Leben herrscht auch Spannung. Der Barbarossaplatz ist nach dem Attentat wieder frei, das Kaufhaus noch abgeriegelt und mit Polizeiband abgesperrt. Die Ermittlungen dauern noch an. Man wartet auf die Nachrichten aus der Pressekonferenz* nach dem Anschlag.

Zu den Toten weiß man bereits: Es waren drei Frauen. Eine war Mitte 20, eine fast 50 und ein über 80 Jahre alt. Die Schwerverletzten im Kaufhaus waren Jahrgang 1964, 1981, 1994 und 2010. Die Schwerverletzten vor der Sparkasse waren im Teenager-Alter und im Rentenalter. Es waren Frauen und ein elfjähriger Junge.

Die Bundesregierung teilt via Tweet des Sprechers Steffen Seibert mit: „Die Ermittlungen werden ergeben, was den Amokläufer von Würzburg antrieb. Sicher ist: Seine entsetzliche Tat richtet sich gegen jede Menschlichkeit und jede Religion“. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schreibt: „Wir trauern mit den Opfern und deren Familien. Wir bangen und hoffen mit den Verletzten*.“ Auch Christian Lindner (FDP) und Annalena Baerbock (Grüne) gedenken den Opfern.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier resümiert: „Der Täter hat mit äußerster Brutalität gehandelt. Für diese menschenverachtende Tat wird er durch den Rechtsstaat zur Verantwortung gezogen.“ * kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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