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„Im Frühjahr geht ihm die Munition aus“: Kasparow rechnet mit Sturz von Putin

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Von: Jens Kiffmeier

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Rückt ein Ende vom Ukraine-Krieg in Sicht? Regimekritiker Garri Kasparow rechnet fest mit einem Sturz von Putin. Die Widersacher werden jedenfalls täglich aktiver.

Moskau – Umsturzversuche statt Gegenoffensive: Wegen der herben Verluste im Ukraine-Krieg gerät Russlands Präsident Wladimir Putin immer stärker unter Druck. So prophezeite Regimekritiker Garri Kasparow dem Kremlherrscher und seinem Land jetzt den Untergang. Militärisch und wirtschaftlich sei Russland bald am Ende, sagte der frühere Schachweltmeister in einem Interview mit dem Spiegel und fügte hinzu: „Spätestens im April geht ihm die Munition aus.“ Die Gefahr für einen Sturz wird dadurch größer. Widersacher wie Alexej Nawalny beginnen sich bereits wieder stärker zu formieren.

Sturz von Putin: Fehlschläge im Ukraine-Krieg ermutigt die Gegner – Garri Kasparow sieht Ende nahen

Tatsächlich rumort es in der russischen Gesellschaft so stark wie nie seit Beginn des Ukraine-Krieges. Nachdem die Offensive Russlands im Donbass erhebliche Rückschläge erlitten hatten, rief Präsident Wladimir Putin die Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten aus – und provozierte damit wachsenden Unmut gegen seinen Angriffskrieg. Junge Männer verlassen in Heerscharen das Land, Frauen gehen zum Protest auf die Straße und alte Gefolgsleute wie etwa Putins Bluthund Ramsan Kadyrow wagen öffentlich Kritik an der Kriegsführung.

Steht vor den Trümmern seiner Präsidentschaft in Russland: Wladimir Putin.
Steht vor den Trümmern seiner Präsidentschaft in Russland: Wladimir Putin. © Gavriil Grigorov/Andrii Marienko/dpa

Bei den Regimekritikern nährt das die Hoffnung auf einen baldigen Sturz von Putin. „Die schlafende Mehrheit ist aufgewacht, Putin selbst hat sie aufgeweckt“, sagte jetzt der frühere Direktor von Nawalnys Stiftung zum Kampf gegen Korruption, Iwan Schdanow, in einem Video. Der Film wurde mehrfach in den sozialen Netzwerken veröffentlicht und verbreitet.

Putsch gegen Putin: Netzwerk um Alexej Nawalny will sich im Untergrund neu formieren

Nawalny gilt als größter Feind von Putin. Derzeit verbüßt er eine zehnjährige Haftstrafe. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe gelten aber als politisch motiviert. Nach seiner Verurteilung wurde sein Netzwerk, das aus einer Antikorruptionsstiftung mit verschiedenen Regionalbüros bestand, zerschlagen. Die meisten Weggefährten sind im Ausland auf der Flucht. Doch nun wollen sie die Organisation wieder aufleben lassen. Die Zeit dafür sei reif, erklärte Schdanow. Man werde neue Strukturen schaffen und aus dem Untergrund heraus operieren.

Für Putin selber sind die Entwicklungen durchaus bedrohlich. Denn obwohl er den Protest gegen den Ukraine-Krieg durch seine Sicherheitskräfte unterdrücken und unter Strafe stellen lässt, lassen sich immer weniger Menschen in Russland mundtot machen. Kürzlich wurde Putin sogar öffentlich im TV bloß gestellt. Ein Novum im russischen Staatsfernsehen.

Sturz von Putin: Präsident treibt Russland laut Kasparow in den Abgrund und in Chinas Arme

„Putin ist allein“, analysierte auch Regimekritiker Kasparow, der bereits 2008 die Wiederwahl des Präsidenten verhindern wollte und heute im Ausland leben muss. Russland erlebe einen Niedergang, der mit der Situation von Deutschland im Jahr 1945 vergleichbar sei, sagte er dem Spiegel. Die Wirtschaft könne in wenigen Monaten nicht mehr die Grundbedürfnisse der Russen decken. „Russland wird eine furchtbare Zeit durchmachen“, prognostizierte Kasparow. Wenn es nicht gelinge, Putin zu stürzen und mit einem Nachfolger einen Neuanfang zu wagen, dann werde man als Satellitenstaat von China enden. Dort warte man nur auf den Zusammenbruch, ist er sich sicher.

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Doch noch ist unklar, wie schlagkräftig die Opposition ist. Bislang gingen Fachleute immer davon aus, dass ein Putsch gegen Putin nur aus dem inneren Führungskreis im Kreml heraus eine realistische Aussicht auf Erfolg hätte. Im Inlandsgeheimdienst FSB soll die Wut auf Putin wegen des Ukraine-Desasters durchaus groß sein. Potenzielle Nachfolger von Putin wurden in der Politik des Westens bereits gehandelt. Doch am Ende bleibt alles nur Spekulation – ebenso wie die Frage, ob der Protest von der Straße ebenso zu einer realen Gefahr für Putin werden kann.

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