Kabinett von Scholz

Christine Lambrecht: Die SPD-Allzweckwaffe ist neue Verteidigungsministerin

Sie hat den Oberbefehl: Christine Lambrecht (SPD) ist Verteidigungsministerin. Mit der Personalie auf der Ministerliste sorgte Olaf Scholz für eine Überraschung.

Berlin – Die Ampelparteien haben den Koalitionsvertrag abgesegnet, die Regierung steht. Auch die Ministerien sind nun besetzt. Dabei sorgte Olaf Scholz nicht nur mit der Ernennung von Karl Lauterbach zum Gesundheitsminister für Überraschung. Auch die Besetzung des Verteidigungsministeriums hatten viele so nicht erwartet: Die Wahl ist auf Christine Lambrecht (SPD) gefallen.

Name:Christine Lambrecht
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Neues Amt:Verteidigungsministerin

Verteidigungsministerin der Ampel-Koalition: Scholz beruft Christine Lambrecht – Politische Karriere beginnt wie die Jugend in Viernheim

Der Lebenslauf der designierten Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, die jetzt offiziell zusammen mit 15 anderen Ampel-Ministern die Regierung Scholz bildet, beginnt am 19. Juni 1965 in Mannheim. Ihre Schule und das Abitur absolvierte sie in Viernheim, bevor sie anschließend ein Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Mannheim und Mainz aufnahm. Nach ihrem zweiten Staatsexamen arbeitete Lambrecht, ebenso wie ihre Kollegin Nancy Faeser, als Rechtsanwältin. Lambrecht tat dies ohne Kanzlei, als freie Rechtsanwältin. Dem Ort, an dem sie aufgewachsen ist, hat sie mittlerweile den Rücken gekehrt. Heute wohnt Lambrecht, die in Scheidung von ihrem Ex-Ehemann lebt, mit ihrem Sohn in Berlin.

Doch auch die politische Karriere der zukünftigen Verteidigungsministerin beginnt in Viernheim, 1982 trat Lambrecht dort in die SPD ein. Zwischen 1985 und 2001 war sie Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von Viernheim, deren Vorsitz sie zwischen 1997 und 2001 übernahm. In diesem Zeitraum schaffte es die SPD-Politikerin erstmals in den Bundestag: 1998 erhielt sie ein Mandat im Wahlkreis Bergstraße. Zwischen 2011 und 2013 dann der nächste Schritt: Lambrecht wurde stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Hierauf folgten vier Jahre als Erste-Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion.

Christine Lambrecht (SPD): Erst Familie und Justiz, jetzt Bundeswehr – in diesen Ministerien sammelte sie bereits Erfahrungen

Doch damit war der Aufstieg der Christine Lambrecht noch nicht beendet: Im März 2018 wurde sie Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium der Finanzen. Etwa ein Jahr später folgte der große Wurf: Zum 1. Juli 2019 trat Lambrecht die Nachfolge von Katarina Barley als Bundesjustizministerin an.

Seit 2021 ist die hessische SPD-Abgeordnete darüber hinaus Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Ressort hatte sie von Franziska Giffey übernommen – diese war im Zuge einer Plagiatsaffäre um ihre Dissertation zurückgetreten. Damit führte Christine Lambrecht bisher zwei Ministerien. Jetzt steht sie auch auf der Ministerliste der Ampelkoalition.

Ministerliste: Christine Lambrechts Karriere in der SPD – Innenministerium übernimmt aber Nancy Faeser

Neben Nancy Faeser hat es mit Christine Lambrecht eine weitere SPD-Politikerin aus Hessen ins Kabinett Scholz geschafft. Die noch-Justizministerin und zukünftige Verteidigungsministerin war lange Zeit auf geheimen Ministerlisten für den Posten im Innenministerium gehandelt worden – den hat nun Nancy Faeser. Beide sind Partei-Urgesteine: Auch Christine Lambrecht trat bereits in jungen Jahren der SPD bei. Für das Verteidigungsministerium hat sie bereits ihre Vorstellungen geäußert.

Sie erklärte, Auslandseinsätze der Bundeswehr wie in Afghanistan müssten geprüft und Pläne für die Beendigung solcher Einsätze erstellt werden. Insgesamt ist der Posten anspruchsvoll, denn zuletzt war die Truppe in viele Skandale verwickelt. Manch ein Politiker fürchtete gar schon um den guten Ruf der Soldaten im Ausland.

Christine Lambrecht (SPD), designierte Bundesministerin der Verteidigung in der Ampel-Regierung.

Christine Lambrecht MdB – Noch-Frauenministerin sorgte mit Ablehnung des Gendersternchens für gespaltene Meinungen

Zuletzt hatten Äußerungen Lambrechts zu geschlechtergerechter Sprache die Meinungen gespalten*. Die neue Verteidigungsministerin hatte sich dafür eingesetzt, dass in offiziellen Kommunikationen zwar geschlechtergerecht, aber ohne Sonderzeichen geschrieben werden soll. Ein Schreiben mit dem entsprechenden Anliegen war an die verschiedenen Bundesbehörden gegangen. Lambrecht richtete sich in ihrem Brief gegen „Sonderzeichen als Wortbestandteile in der offiziellen Kommunikation“.

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Deshalb wollte sich Lambrecht allerdings keineswegs als Befürworterin des generischen Maskulinum verstanden wissen, also der rein männlichen Form. Sie empfahl diese – wo möglich – zu vermeiden – also beispielsweise von Fahrern und Fahrerinnen zu sprechen, wenn beide Geschlechter gemeint sind. Kritiker hatten Lambrechts Vorstoß als Rückschritt in der geschlechtergerechten Sprache eingeordnet, während Fürsprecher ihr Anliegen als pragmatisch bewerteten.

Erst kürzlich hatte Lambrecht in ihrer Rolle als Bundesjustizministerin eine Petition der Schauspielerin Ursula Karven gegen sexuelle Belästigung entgegengenommen. Lambrecht verwies dabei auf Schritte, die bereits unternommen wurden – kleine Schritte, auf einem noch sehr langen Weg. Diesen Weg muss auch die neue Bundesregierung unbedingt entschieden weiter gehen, dann, mit Christine Lambrecht im Verteidigungsministerium. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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