Ampel-Koalition

Minister: Karl Lauterbach – darum muss Scholz ihn wohl opfern

Wer wird Minister? Nur die SPD hat das Geheimnis noch nicht gelüftet. Wird es Karl Lauterbach auf die Ministerliste schaffen? Einiges spricht dagegen.

Berlin – Bei den Grünen hat er viele Fürsprecher, sogar in der CSU: Karl Lauterbach*. Der SPD-Bundestagsabgeordnete ist für viele der geborene Gesundheitsminister. Doch mitten auf dem neuen Höhepunkt der Pandemie zögert der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit der Berufung des Corona-Experten als Minister ins neue Kabinett. „Dass die Ampel nicht in der Lage ist, einen zukünftigen Chef für das Bundesgesundheitsministerium zu benennen, ist in diesen Tagen beschämend“, wetterte der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) erst kürzlich in der „Bild“. Doch trotz aller Fachkenntnis – Lauterbachs Minister-Chance gilt als äußerst gering.

Deutscher Politiker:Karl Lauterbach (SPD)
Geboren:21. Februar 1963 (Alter 58 Jahre), Düren
Ehefrau:Angela Spelsberg (verheiratet von 1996 bis 2010)
Aktuelles Amt:Bundestagsabgeordneter

Erst in der vergangenen Woche hatte sich die SPD mit der FDP und den Grünen auf die Bildung einer Ampel-Koalition geeinigt. Während die beiden Juniorpartner bereits ihre Ministerliste festlegten, will Scholz seine Kabinettsmitglieder erst Anfang Dezember bekannt geben. Der designierte Nachfolger von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) blieb zuletzt eher nebulös: Er werde sich in den kommenden Tagen „sehr intensiv an die Arbeit machen, um eine hervorragende Besetzung der sozialdemokratischen Ressorts zustande zu bringen“, ließ er wissen. Das war es.

Ministerliste: Karl Lauterbach (SPD) will Gesundheitsminister werden – doch Olaf Scholz (SPD) zögert

Doch die Zeit drängt. Denn die vierte Corona-Welle rollt mit immer neuen Rekordwerten über das Land, auch in Niedersachsen und Bremen, die bereits die Warnstufe erhöhen mussten. Bereits vor der offiziellen Wahl und Vereidigung im Bundestag, die nach dem bisherigen Fahrplan in der Nikolaus-Woche stattfinden soll, muss das Ampel-Kabinett bereits bei diversen Corona-Gipfeln wegweisende Lockdown-Entscheidungen mit treffen. Bereits am Dienstag kam Scholz und Merkel mit den Ministerpräsidenten zu Beratungen über eine neue Bundesnotbremse zusammen.

Wenig Chancen auf einen Ministerposten im Ampel-Kabinett: Karl Lauterbach (SPD).

Zwar einigte sich die Runde am Ende auf einige Beschlüsse und Sofortmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Doch dass die SPD trotz der ernsten Lage die Benennung des zentralen Ressorts in der Krise herauszögert, stieß einigen Gipfelteilnehmern sauer auf. Vor allem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußerte seinen Unmut. Es sei ja schön und gut, polterte er laut der Bild-Zeitung in der Sitzung bei der Vorstellung des neuen Corona-Krisenstabes los. „Aber die Kernfrage muss doch wohl eher sein: Wo ist der neue Bundesgesundheitsminister? Wäre das nicht die Aufgabe des Ministers?“

Minister: Corona-Experte Lauterbach gilt parteiübergreifend als Idealbesetzung des Gesundheitsressorts

Für viele Vertreter in der Politik wäre dabei Karl Lauterbach derzeit genau die richtige Wahl als Gesundheitsminister. Selbst die Grünen machten sich zuletzt für ihn als Kabinettsmitglied stark. „Ich glaube, er gehört zweifelsohne parteiübergreifend zu den größten Experten, die wir in diesem Land haben“, sagte Grünen-Politiker Janosch Dahmen dem Spiegel. Er halte es für richtig, jemanden mit „viel Ahnung und Expertise“ zu nehmen.

Tatsächlich ist die Fachkenntnis von Lauterbach unbestritten. Seit Beginn der Corona-Krise erklärt der 58-jährige Mediziner und Bundestagsabgeordnete den Deutschen die Lage und Hintergründe. Er gilt als Verfechter eines harten Lockdown-Kurses, was den ewigen Mahner durchaus auch zur Reizfigur machte. Doch damit erfüllt Lauterbach bereits eine wichtige Funktion: Die Rolle des Buhmanns, in die ein Gesundheitsminister derzeit schnell gerät, ist ihm mehr als vertraut. Dennoch hegt er Ambitionen auf den Posten, daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Das Amt sei für ihn sehr „reizvoll“, hatte der Corona-Experte im Sommer dem Spiegel gesagt. Er sei sich sicher, dass ihn die Aufgabe nicht überfordern würde.

Ampel-Kabinett: Olaf Scholz hält nicht viel von Karl Lauterbach – Kabinett soll paritätisch besetzt werden

Doch während er über Parteigrenzen hinweg viel Ansehen genießt, hat er es in den eigenen Reihen ungleich schwerer. Vor allem der Bald-Kanzler hält ihn verschiedenen Medienberichten zufolge für eine Nervensäge. Eigentlich waren viele Beobachter im Vorfeld der Koalitionseinigung davon ausgegangen, dass das Gesundheitsministerium der FDP zugeschlagen werden würde – mit dem Nebeneffekt, dass Scholz erst gar nicht in Erklärungsnöte kommen würde. Auf vielen geheimen Ministerlisten tauchte der Name Lauterbach deswegen erst gar nicht auf.

Umso erstaunter war die Öffentlichkeit, dass nun doch den Sozialdemokraten das unbeliebte Ressort zugefallen ist. Plötzlich war Lauterbach wieder im Spiel? Oder doch nicht? Denn neben der geringen Wertschätzung von Scholz hat Lauterbach ein weiteres Problem: Er ist keine Frau.

Wer wird Gesundheitsminister? Ampel-Minister: Lauterbachs Karrieresprung scheitert an Frauenquote

Aber wer wird dann Gesundheitsminister* oder wahrscheinlicher Gesundheitsministerin? Im Wahlkampf hatte Scholz vollmundig die paritätische Besetzung seines Kabinetts versprochen. Doch die Juniorpartner seiner Ampel-Regierung ziehen dabei nicht so richtig mit. Während die Grünen trotz alter parteiinterner Grabenkämpfe drei Frauen und zwei Männer ins Kabinett schicken, erfüllt die FDP die Frauenquote überhaupt nicht. Von den vier Ministern sind drei männlich. Bei der SPD sind ebenfalls drei Männer gesetzt: Scholz als Kanzler und sein Vertrauter Wolfgang Schmidt als Kanzleramtsminister sowie Hubertus Heil als Arbeitsminister. Will Scholz aber sein Versprechen wahrmachen, dann muss er die übrigen Posten mit Frauen besetzen. Sprich: Für Lauterbach bleibt kein Platz im Kabinett.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Lauterbach bei der Besetzung von Regierungsposten dem Proporz geopfert werden würde. Schon in der Großen Koalition hatte er deswegen das Nachsehen. Anbiedern will er sich deswegen aber offenbar nicht. Am Mittwochmorgen setzte er erst einmal eine Nachricht in den sozialen Netzwerken ab – natürlich zu Corona. Natürlich würden jetzt viele große Hoffnungen in die Impf-Offensive setzen, twitterte er. Aber das alleine reiche nicht. Was es jetzt brauche? Natürlich Kontaktverbote und Lockdown.

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Bei Scholz dürfte sich Lauterbach damit nicht beliebter gemacht haben. Wenige Stunden zuvor hatte der designierte Kanzler in der Bund-Länder-Runde mühsam einen Kompromiss ausgehandelt, der jetzt erst einmal vor allem die Beschleunigung der Impfkampagne vorsieht. Trotzdem scheute sich Lauterbach nicht vor der Rolle des Quälgeistes. Dafür mögen ihn ja viele – wie gesagt, sogar in der CSU. * kreiszeitung.de, fr.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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