Geringfügiges Einkommen

Minijobs: Wie viele Nebenjobs darf man haben?

Zahlt man bei zwei Minijobs Steuern und wie viele Nebenjobs darf man haben? Die Ampel plant eine höhere Einkommensgrenze, doch nun entscheidet die 450-Euro-Grenze.

Berlin – Wer in Deutschland einem Minijob nachgeht, soll bald nach dem Willen der möglichen Ampel-Koalition mehr verdienen können. Wie es im Sondierungspapier von SPD, Grüne und FDP heißt, werde sich in Zukunft die Minijob-Grenze an einer Wochenarbeitszeit von zehn Stunden orientieren. Dementsprechend werde auch die Lohngrenze von 450 Euro auf 520 Euro angehoben. Doch auch schon jetzt können Minijobber* unter bestimmten Bedingungen mehr als 450 Euro verdienen und auch mehreren Tätigkeiten nachgehen.

Beschäftigungsart:Minijob
Eingeführt:2003
Verdienstgrenze:450 Euro im Monat
Ansprechpartner:Minijob-Zentrale

Die Vorteile, die viele Beschäftigte in Minijobs sehen, liegen auf der Hand: Unter bestimmten Voraussetzungen müssen sie keine Abgaben für Kranken- und Pflegeversicherungen zahlen. Auch von der Arbeitslosenversicherung und der Rentenversicherung können sie sich auf Antrag befreien lassen. Während Gewerkschaften in diesem Zusammenhang insbesondere vor der Gefahr der Altersarmut warnen, können sich die Arbeitenden über einen Lohn freuen, bei dem brutto gleich netto ist.

Wie viele Minijobs darf man haben?

Wie die Minijobzentrale informiert, kann ein Minijobber mehrere 450-Euro-Jobs ausüben und dabei abgabenfrei bleiben, wenn er insgesamt nicht mehr als 450 Euro monatlich verdient. Sollte er diese Verdienstgrenze überschreiten, werden alle Jobs versicherungspflichtig – unabhängig vom einzelnen Entgelt. Voraussetzung hierfür ist, dass der Minijobber keiner versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nachgeht.

Die Arbeit im Café kann ein Minijob sein. Vor Antritt sollten Minijobber die Details der Beschäftigung klären.

Kommt ein versicherungspflichtiger Hauptverdienst mit ins Spiel, sieht die Lage hingegen anders aus: Dann darf der Minijobber nur einen 450-Euro-Minijob ausüben. Bei mehreren Jobs werden diese mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet und sind damit in der Regel versicherungspflichtig. Eine Ausnahme ist hierbei die Arbeitslosenversicherung. Für Arbeitslose plant die Ampel derweil die Einführung eines Bürgergeldes.

Steuern bei zwei Minijobs: Abgaben werden beim 450-Euro-Nebenjob fällig

Als Minijobber muss man also auch wie andere Arbeitnehmer bei zwei oder mehr Minijobs Steuern zahlen, wenn man die Einkommensgrenze von 450 Euro überschreitet – ebenso kommen weitere Abgaben auf einen zu. Ab 2022 müssen Arbeitgeber den Behörden auch die Steuer-ID ihrer Minijobber übermitteln. Für den Fall, dass jemand mehreren 450-Euro-Jobs bei demselben Arbeitgeber nachgeht, gilt Folgendes: Auch wenn der Minijobber in verschiedenen Betrieben arbeitet und völlig unterschiedlichen Tätigkeiten nachgeht, gelten seine einzelnen Jobs sozialversicherungsrechtlich als ein gesamtes Beschäftigungsverhältnis.

Doch auch die 450-Euro-Grenze gilt bei Minijobs nicht immer. Übersteigt der Verdienst des Minijobbers in einzelnen Monaten 450 Euro und der Jahresverdienst liegt über 5400 Euro, muss nicht zwangsläufig das Minijobverhältnis beendet sein: Das ist dann der Fall, wenn der höhere Verdienst „gelegentlich und nicht vorhersehbar“ zustande gekommen ist, informiert die Minijobzentrale auf ihrer Webseite. Dies kann beispielsweise dadurch passieren, dass erkrankte Mitarbeiter die Mehrarbeit verursacht haben.

Entlastung für Minijobs: Ampel will Einkommensgrenze für Nebenjobs anheben

Um Minijobber künftig zu entlasten, plant die mögliche Ampel-Koalition derzeit, die Verdienstgrenze auf 520 Euro für Nebenjobs anzuheben. Dieses Vorhaben stört insbesondere die Gewerkschaft Verdi. Verdi-Chef Frank Werneke warnte davor, dass ein „deutliches Ansteigen der Altersarmut“ vorprogrammiert sei. „Eine Ausweitung der Minijobs würde das Versprechen konterkarieren, für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern zu sorgen“, mahnte Werneke. „Die Gruppe, die in der Rente auf Grundsicherung angewiesen ist, würde noch größer.“ Stattdessen fordere er mehr sozialversicherungspflichtige Arbeit, die gut bezahlt und tarifgebunden ist.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund warnte vor den Gefahren, die durch die Anhebung der Minijobgrenze drohen würden. Etwa 470.000 Menschen mit regulären Jobs würden ungewollt zu Minijobbern werden, damit unter anderem den Anspruch auf Kurzarbeitergeld verlieren und wären auch sonst kaum sozial abgesichert. *kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa/dpa-tmn

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