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Bis zum bitteren Kriegsende: „Putin verliert auf dem Schlachtfeld“

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Von: Jens Kiffmeier

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Absage an Waffenstillstand: Ex-Botschafter Melnyk schließt Verhandlungen mit Putin aus. Der Ukraine-Krieg soll militärisch enden – mithilfe deutscher Panzer.

Kiew – Seit mehr als acht Monaten fordert der Ukraine-Konflikt seine Opfer, doch ein Kriegsende am Verhandlungstisch kommt nicht infrage: Forderungen nach einem Waffenstillstand im Konflikt mit Russland hat die ukrainische Regierung jetzt erneut scharf zurückgewiesen. Putin sei ein „zynischer Kriegsverbrecher“ und man werde mit ihm keine Gespräche führen, sagte der frühere Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) und fügte hinzu: „Seine Armee verliert auf dem Schlachtfeld.“

Ukraine-Krieg: Andrij Melnyk erteilt Forderungen nach Kriegsende und Waffenstillstand eine Absage

Damit reagierte der streitbare Diplomat auf jüngste Forderungen aus Deutschland nach einem vorzeitigen Kriegsende. Zwar hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits mehrfach Verhandlungen über einen Waffenstillstand mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin abgelehnt und die komplette Rückeroberung der besetzten Gebiete als Kriegsziel ausgegeben. Doch am Montag hatte die Vorsitzende vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in ihrer Predigt zum Reformationstag für entsprechende Gespräche geworben, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden.

Lehnt einen Waffenstillstand mit Russland ab: Ex-Botschafter Andrij Melnyk.
Lehnt einen Waffenstillstand mit Russland ab: Ex-Botschafter Andrij Melnyk. © Fabian Sommer/Ukrinform/dpa/Montage

Andrij Melnyk zeigte wenig Verständnis für die Einmischung aus Deutschland. „Das war eine unterirdische Rede, die mich sprachlos gemacht hat“, sagte der Ex-Botschafter dem RND. Ein Einlenken aus Kiew würde das „mörderische Okkupationsregime Putins zementieren und Millionen Ukrainer seinen Schergen ausliefern“. Doch das werde man auf keinen Fall akzeptieren.

Für die Ukraine scheint der Krieg durchaus auch militärisch lösbar. Nachdem Russland bereits zu Beginn des Konflikts seine Kriegsziele ändern und sich nur noch auf die Invasion in der Ostukraine konzentrieren konnte, gewann die ukrainische Armee in den vergangenen Monaten bei den Kämpfen im Donbass durchaus wieder eine Oberhand. Trotz einer zusätzlichen Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten erleiden die Truppen des Kremls herbe Verluste und kämpfen gegen das Ende.

Wann endet der Ukraine-Krieg? Laut Militärexperten rückt ein Waffenstillstand zum Jahresende 2022 in Sicht

Inwieweit ein Kriegsende aktuell aber in Sicht rückt, ist bei Fachleuten in der Politik immer wieder Gegenstand vieler Spekulationen. Angesichts der Entwicklungen sei durchaus ein Sieg der Ukraine bis zum Jahresende 2022 im Bereich des Möglichen, sagte der Militärexperte der Bundeswehr-Uni in München, Carlo Masala, kürzlich der Süddeutschen Zeitung. „Es sieht übel aus für die Russen.“ Viel hänge davon ab, ob sich Russland nach den vielen Rückschlägen neu formieren könne oder nicht.

Streit um Waffenlieferung: Leopard-2 und andere Panzer aus Deutschland sollen Wende im Ukraine-Krieg bringen

Als Gamechanger gelten mittlerweile auch viele Waffen und Panzer aus Deutschland. Vor allem das Raketenabwehrsystem Iris-T oder der deutsche Gepard-Panzer helfen der ukrainischen Armee enorm. Im Interesse der Selenskyj-Regierung sind deswegen weitere Lieferungen aus den Beständen der Bundeswehr. Vor allem der Leopard-2-Kampfpanzer wird lautstark gefordert. Doch die Ampel-Koalition von Kanzler Olaf Scholz (SPD) verweigert sich dem Ansinnen derzeit noch.

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Melnyk, der in den vergangenen Monaten als Botschafter in Deutschland die zögerliche Haltung gerügt und damit offen angeeckt war, will sich deshalb weiter in die deutsche Debatte einmischen. „Deutsche Hilfe für die Ukraine ist entscheidend dafür, dass wir den Krieg gewinnen und die russischen Besatzer vertreiben“, stellte er jetzt noch einmal klar. Man sei dankbar für jede Hilfe, auch die finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau mittels eines neuen Marshallplans. Aber am Ende brauche man vor allem eines, um den Krieg enden zu lassen: schwere Waffen.

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