Ex-HSV-Spieler

„Affenlaute“, „Mohrenkopf“, „Wegen Hautfarbe abgewiesen“: Dennis Aogo bei Markus Lanz (ZDF) über Rassismus in Deutschland

In der Hamburger Runde von ZDF-Moderator Markus Lanz wird über Rassismus in Deutschland diskutiert. Der davon betroffene Fußballer Dennis Aogo schildert seine Erlebnisse. Aber auch das Coronavirus-Sars-Cov-2 ist Thema.

  • Markus Lanz*: Fußballer Dennis Aogo spricht über Rassismus-Erfahrungen.
  • Politikerin fordert mehr Engagement gegen Rassismus.
  • Wie die Hautfarbe den Alltag prägt.

Hamburg/Altona – In der Markus Lanz-Ausgabe von Donnerstagabend, 4. Juni 2020 sind die Politiker Karl Lauterbach (SPD) und Serap Güler (CDU), ZDF-Journalist Elmar Theveßen, Politologin Hadija Haruna-Oelker und Ex-HSV*-Spieler Dennis Aogo im Studio in Hamburg-Altona zu Gast. Letzterer weiß über seine negativen Erlebnisse im Kontext von Rassismus zu berichten. Gesundheitswissenschaftler Lauterbach wiederum sorgt dafür, dass auch das Coronavirus-Sars-Cov-2* nicht zu kurz kommt.

Fußballspieler:Dennis Aogo
Geboren:14. Januar 1987
Größe:1,84 m
Ehepartnerin:Ina Aogo (verh. 2016)
Aktuelle Teams:VfB Stuttgart (#3 Abwehrspieler), Deutsche Fußballnationalmannschaft (Abwehrspieler)
Eltern:Samuel Aogo, Marion Aogo

Markus Lanz: ZDF-Talk zwischen Anfeindungen wegen Coronavirus-Sars-Cov-2 und latentem Rassismus

Hatte es unlängst noch einen Shitstorm auf Twitter gegen die Redaktionen von Sandra Maischberger und Markus Lanz gegeben, ist nun zumindest aus dem ZDF-Fernsehstudio positives zu berichten. Kritik, die wegen fehlender schwarzer Menschen in Talkrunden über Rassismus* entfacht war, wurde konstruktiv angenommen und umgesetzt. Der Hamburger* Moderator begrüßt in der neuesten Ausgabe seiner Sendung, nämlich zwei Afro-Deutsche und eine Frau mit Migrationshintergrund. Und die wissen über extreme Erfahrungen zu berichten.

Zunächst wird aber mal wieder zum ZDF-Korrespondenten Elmar Theveßen geschaltet, der aus dem US-amerikanischen Hauptstadt Washington D. C. berichtet. Dieser steht am Rande einer Demonstration gegen Polizeigewalt und Rassismus – Bilder, die bereits zuhauf um die Welt gingen und aus dem brutalen Mord am Afroamerikaner George Floyd resultieren. Zwar mögen die Szenen aus den USA, an denen Präsident Donald Trump nicht ganz unschuldig ist, die Themen der Sendung prägen. Die gut aufgelegten Gäste projiziieren die Diskussion aber auf ihre Heimat - die deutsche Gesellschaft.

Es steht die Frage im Raum, ob sich Rassismus zum rein amerikanischen Problem erklären lässt. Zumindest, wenn es nach dem 51-jährigen Lanz geht. Der gebürtige Italiener erweckt nämlich den Eindruck, dass ihm dies ganz recht wäre. Nachdem die Schalte mit Theveßen beendet ist, wendet sich der ZDF-Star direkt an Karl Lauterbach, SPD-Politiker und Mediziner. Dieser soll die Lage in den USA genauer einordnen, schließlich sei er mehrmals im Jahr in Nordamerika zugegen.

Ungewohnt für ihn bezieht sich der 57-Jährige auf keine Studie, sondern verfällt in Anekdoten. Seine „Kollegen in Harvard“ würden „unisono“ sagen, dass Trump die kommende US-Wahl wohl nicht mehr gewinnen könne. Demgegenüber steht die Ansicht von „Freunden in New York“, die glauben, dass Trump nichts mehr zu verlieren habe. Dies würde ihn unberechenbar machen, ein Bürgerkrieg sei nicht ausgeschlossen. Da dies jedoch alles nur Spekulationen sind, wird Lauterbach im späteren Verlauf der Sendung noch zum Coronavirus-Sars-Cov-2 befragt - wissenschaftsbasierte Aussagen garantiert.

Markus Lanz: ZDF-Moderator spricht über Rassismus in Deutschland – mit Betroffenen wie Ex-HSV-Spieler Dennis Aogo

Doch darauf soll gar nicht der Fokus liegen. Denn das Gros der neuesten Markus Lanz-Ausgabe dreht sich um Rassismus, über den drei der fünf Gäste quasi aus erster Hand berichten können. Ob Politologin Hadija Haruna-Oelker, Fußballer Dennis Aogo oder Politikerin Serap Güler – allesamt wollen und sollen sie Lanz, Lauterbach und dem TV-Publikum nahebringen, was es heißt, rassistische Erfahrungen zu machen.

Eine Steilvorlage für den ZDF-Moderator, der bevorzugt nach den Emotionen seines Gesprächspartners fragt und dessen Gefühlswelt er zumeist ergründen will. So auch beim ehemaligen HSV*-Spieler Dennis Aogo, der noch mit dem aktuellen Präsidenten der Rothosen, Marcell Jansen*, zusammengespielt hat. Aogo, bis Ende Januar 2020 bei Hannover 96 unter Vertrag gestanden und zuvor in der Abwehr des VfB Stuttgart* tätig, soll beispielsweise erklären, wie es sich anfühlt, wenn aus den Zuschauerrängen im Stadion Affengeräusche auf den Platz schallen.

Der 33-Jährige lässt verlauten, dass Fußballer ohnehin die schlimmsten Schimpfworte von gegnerischen Fans zu hören bekommen. Doch habe auch er sich hilflos gefühlt. „Welche Möglichkeiten habe ich denn in dem Moment, zu reagieren?“, fragt Aogo in die Hamburger Runde, ohne eine konkrete Antwort zu erhalten und diese wahrscheinlich auch nicht erwartet.

Kumpel Kevin-Prince Boateng sei irgendwann vom Platz gegangen. „So weit war ich nicht“, heißt es kurz und knapp vom aktuell vereinslosen Abwehrspieler. Daraufhin schaltet sich auch Politikerin Güler in das Gespräch ein. „Man fühlt sich dann hilflos, wenn man mit dem Thema alleingelassen wird“, lautet ihr verbaler Einwurf. „Wenn nur Menschen, die selbst diese Rassismuserfahrung gemacht haben, gegen Rassismus aufstehen, dann haben wir als Gesellschaft ein Problem“, fordert die gebürtige Nordrhein-Westfalin mehr Aktivität von Menschen, die nicht betroffen sind.

Markus Lanz (ZDF): Ehemaliger HSV-Spieler Dennis Aogo als „Mohrenkopf“ beschimpft worden

Steilpass zu Aogo. Sie konfrontiert ihn damit, dass seine ganze Mannschaft hinter ihm stehen müsste, wenn er sich rassistischen Anfeindungen ausgesetzt sieht. Doch der ehemalige Nationalspieler Deutschlands winkt ab. Setze man das voraus, müsste bei nahezu jedem zweiten Spiel vom Platz gegangen werden. Aogo schildert, wie er bereits in seiner Kindheit als „Mohrenkopf“ verunglimpft wurde. „Du siehst ja aus wie ein Affe“ oder „Geht doch dahin zurück, wo ihr herkommt“ seien nur einige der Aussagen gewesen, mit denen er und seine Familie beschimpft wurden.

„Ich hatte damit gar nicht so ein Riesenproblem, wir haben da irgendwo im Osten gespielt, ich fand das war keine Riesensteigerung mehr zu den Schimpfworten, die man manchmal sonst hören muss“, lässt Aogo zur Verwunderung aller verlauten. Im Folgenden nennt er ein konkretes Beispiel, das in die Kategorie „Alltagsrassismus“ fällt. Der 33-Jährige erinnert sich an eine Situation, als er vor zwei Monaten in kurzer Hose in ein Autohaus mit Luxusautos gegangen sei.

„Der Verkäufer hat mich fast des Ladens verweisen – ich bin ganz sicher wegen meiner Hautfarbe. Normalerweise kommen da andere Kunden rein“, resümiert Aogo. Ähnliches hätte er in Restaurants erlebt, wo es sehr schwer sei, einen Platz zu bekommen, der nicht im hintersten Winkel liegt. „Und Polizeikontrollen hatte ich ganz oft. Zum Glück ist es in Deutschland nicht so, dass man Angst haben muss, wenn man kontrolliert wird“, sagt der erleichtert wirkende Fußballspieler.

Er habe sogar eine spezielle „Taktik“. „Ich bin generell immer überfreundlich, mit Polizisten und in Luxus-Boutiquen. Wenn man etwas verändern will, muss man mit gutem Beispiel vorangehen. Rassismus hat immer auch mit Vorurteilen zu tun", gibt Aogo zu Bedenken. Eine positive Auffassung, die umso überraschender daherkommt, da seine folgende Erzählung das Gesagte fast schon konterkariert.

Ex-HSV-Profi Dennis Aogo ist immer wieder Opfer von Rassismus und kann nur die Miene verziehen, wenn er mit „Affenlauten“ konfrontiert wird. (Screenshot)

Aogo spricht über ein negatives Erlebnis seines damals 50-jährigen Vaters, der zunächst von einem Polizisten unfreundlich ermahnt wurde. Daraufhin habe ihm der Polizist den Arm auf den Rücken gedreht und auf die Motorhaube gepresst. Der Sohn habe dann seine Prominenz eingesetzt, um öffentlichen Druck aufzubauen - und der Polizist wurde suspendiert. Der banale Auslöser für diesen Konflikt: ein nicht verfügbarer Parkplatz.

Markus Lanz: Nicht nur Rassismus wird hitzig diskutiert - Coronavirus-Sars-Cov-2-Wortgefecht mit SPDler Lauterbach

Zum Ende der Sendung folgt thematisch ein „harter Schnitt“, wie Lanz es nennt. Die Runde, allen voran Lauterbach, wird mit den Bildern von feierwütigen Ravern in Berlin-Kreuzberg konfrontiert. „Wenn das so weitergeht, kommt die zweite Welle“, stellt der SPD-Politiker fest. Zur Einordnung: Lauterbach hatte sich in der jüngeren Vergangenheit immer wieder als Befürworter von Lockerungen gezeigt - die jedoch langsamer als bisher geschehen erfolgen sollen.

Auch spricht Lanz den Mediziner auf das Schließen der Schulen an und geht ihn dabei ähnlich energisch an, wie er es bereits zuvor mit FDP-Mann Wolfgang Kubicki getan hatte*. Doch Lauterbach weiß sich zu wehren. Ihm zufolge würde es reichen, wenn unter den Schülern nur ein sogenannter „Superspreader“ wäre. Denn dann wäre alle schnell infiziert. „Dass Superverbreiter einen so großen Teil der Pandemie erklären, hat keiner von uns geahnt“, gibt er reumütig zu. Eine ähnliche Reaktion, gar mit Tränen verbunden, hatte bereits Virologin Melanie Brinkmann bei Markus Lanz gezeigt*.

Wie es mit der Markus-Lanz-ZDF-Show weitergeht, insbesondere wann Markus Lanz in die Sommerpause* geht berichtet tz.de.

Quelle: 24hamburg.de-MarkusLanz

* 24hamburg.de, bw24.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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