1. Startseite
  2. Politik

Schweinswale gefährdet: Umweltschützer wollen LNG-Terminal stoppen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jens Kiffmeier

Kommentare

Rückschlag für Robert Habeck: Die Umwelthilfe will einen Baustopp des LNG-Terminals in Wilhelmshaven erzwingen. Bleibt Deutschland weiter von Russland abhängig?

Wilhelmshaven – Gegenwehr gegen die Ampel-Pläne: Das Terminal zum Import von Flüssigerdgas (LNG) in Wilhelmshaven stößt bei den Umweltverbänden auf Widerspruch. Einen Tag vor dem Besuch von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) an dem niedersächsischen Standort forderte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) einen Baustopp. Es drohe eine unumkehrbare Zerstörung des Unterwasser-Biotops und eine Gefährdung der Schweinswale, teilte der Verein am Mittwoch (4. Mai) mit und kündigte an, Einspruch gegen das Genehmigungsverfahren einzulegen. Für Habeck droht jetzt ein herber Rückschlag im Kampf gegen die Abhängigkeit von Russlands Erdgas.

LNG-Terminal Wilhelmshaven: Deutsche Umwelthilfe fordert Baustopp

Am Donnerstag wird Robert Habeck in Niedersachsen erwartet. In Hooksiel soll er eine Absichtserklärung für den Bau des ersten schwimmenden LNG-Terminals in Deutschland unterzeichnen. Noch in den kommenden Tagen sollen die ersten Arbeiten nach Angaben des niedersächsischen Energieministeriums beginnen. Bereits Anfang 2023 soll der LNG-Import beginnen. Das LNG-Terminal in Wilhelmshaven ist das erste von insgesamt drei angedachten Projekten in Deutschland. Unter anderem sind auch die Standorte in Stade und Brunsbüttel im Gespräch.

Hat wegen des LNG-Terminals in Wilhelmshaven Ärger mit der Umwelthilfe: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).
Hat wegen des LNG-Terminals in Wilhelmshaven Ärger mit der Umwelthilfe: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). (kreiszeitung.de-Montage) © Bernd von Jutrczenka/Sina Schuldt/dpa

LNG-Terminal: Robert Habeck (Grüne) will Betreiber Uniper in Wilhelmshaven unterstützen

Für die Ampel-Koalition um Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat es eine zentrale Bedeutung, um sich wegen des Ukraine-Krieges kurzfristig und so schnell wie möglich unabhängig zu machen von Erdgas-Importen aus Russland. Den bisherigen Planungen zufolge sollen ab Anfang des Jahres 2023 bis zu neun Milliarden Kubikmeter Gas in Wilhelmshaven bezogen werden. Das wären dann 20 Prozent der jährlichen russischen Gasimporte. Betrieben werden soll das LNG-Terminal in Wilhelmshaven von dem Düsseldorfer Energiekonzern Uniper.

Doch bei den Umweltverbänden ruft das Kritik hervor. So kritisierte die Umwelthilfe jetzt fehlende Beteiligung. „Gerade in Krisenzeiten müssen die Prinzipien des Rechtsstaates gewahrt bleiben“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Doch statt Bürgerbeteiligung und Transparenz herzustellen, würde die Bundesregierung der „Zerstörung Tür und Tor öffnen“. Durch die Bauarbeiten der schwimmenden Anlage würden Stahlrohre in den Meeresgrund getrieben, wodurch die Schallemissionen die Schweinswale negativ beeinflussen würden. Zugleich werde ein Unterwasserbiotop zerstört, hieß es in der Mitteilung weiter.

Tatsächlich drückt das Bundeswirtschaftsministerium beim Bau des schwimmenden LNG-Terminals aufs Tempo. Normalerweise dauert die Errichtung der Anlagen bis zu fünf Jahre. Doch Habeck will das Verfahren beschleunigen. So sollen im Rahmen der Legalplanung die Genehmigungen schneller erteilt und Mitspracherechte von Verbänden ausgebremst werden. Möglich ist das durch eine Befristung der schwimmenden Terminals, die ohnehin nach und nach durch feste Anlagen ersetzt werden sollen.

LNG-Terminals: Deutschland will sich unabhängiger von Russlands Gas machen

In der Bundesregierung sieht man sich im Recht. So hatte der von Russlands Präsident Wladimir Putin angezettelte Ukraine-Krieg den Deutschen die Gefahr einer zu großen Abhängigkeit brutal vor Augen geführt. Bis zu 50 Prozent des Erdgases werden aus Russland bezogen. Doch was ist, wenn Putin den Gashahn zudreht? Seit Beginn der Konfrontation ist die Sorge in der deutschen und europäischen Politik groß.

Dennoch bezweifeln einige Experten weiterhin den Nutzen der schwimmenden LNG-Terminals für die deutsche Energieversorgung. Nach Berechnungen des Unternehmens Artelys im Auftrag der European Climate Foundation wäre lediglich der Bau einer Anlage in Finnland nötig, um von dort die baltischen Staaten besser abzusichern. Der Rest des europäischen Bedarfs, inklusive des deutschen, könne dann durch Ausbau vorhandener Infrastrukturen, Einsparungen und innereuropäischen Umverteilungen ausgeglichen werden, hieß es zuletzt in der Studie.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!

Das betonte auch noch einmal Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der DUH: „Der Bedarf an geplanten Terminals in Deutschland ist nach wie vor nicht nachgewiesen“, sagte er. Auch vor diesem Hintergrund sei der Bau in Wilhelmshaven abzulehnen.   

Auch interessant

Kommentare