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„Von innen verschimmelt“: Wann Rheinmetall die Leopard-Panzer liefern kann

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Von: Felix Durach

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Der Chef des Rüstungskonzerns Rheinmetall lässt mit einer Aufsage aufhorchen. Deutschland könnte schon bald Leopard-2-Panzer an die Ukraine liefern.

Berlin - In der vergangene Woche ist die Debatte um die Lieferung von Leopard-2-Panzern im Ukraine-Krieg in eine neue Runde gegangen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte der Bereitstellung der Kampfpanzer durch Deutschland grundsätzlich zugestimmt – vorausgesetzt auch die USA liefere ihrerseits Abrams-Panzer. Doch stünden der Bundesregierung überhaupt Leopard-2-Panzer zur Verfügung, die sie auch zeitnah an Kiew ausliefern könnte?

Leopard-2: Rheinmetall-Chef lässt aufhorchen – 29 Leopard-Panzer bis Ende März einsatzbereit

„Ja“, sagt einer, der es wissen muss. Armin Papperger, CEO des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, ließ in einem Interview mit dem Stern aufhorchen. Papperger erklärte dort, Rheinmetall könne bis März 2023 insgesamt 29 einsatzfähige Leopard-2-Panzer bereitstellen. „Wir haben 40 Marder fertig und bis Ende März rund 29 Kampfpanzer Leopard 2A4 einsatzbereit“, so der Rheinmetall-Chef laut merkur.de.

Ein Leopard-2A4-Panzer der tschechischen Armee in Praslavice.
Ein Leopard-2A4-Panzer der tschechischen Armee in Praslavice. © Peøina Ludìk/dpa

Die Aussage fällt auch deswegen auf, weil Papperger selbst noch vor zwei Wochen gegenüber der Bild am Sonntag andere Töne angeschlagen hatte. „Selbst wenn morgen die Entscheidung fällt, dass wir unsere Leopard-Panzer nach Kiew schicken dürfen, dauert die Lieferung bis Anfang nächsten Jahres“, so Papperger damals. Ein Missverständnis, wie der CEO nun einräumt. „Ich habe von den 22 Leopard-Panzern gesprochen, die bei Rheinmetall stehen und Rheinmetall gehören. Da bleibe ich dabei, die werden nicht vor Ende dieses Jahres fertig. Vorher geht das nicht“, erklärte Papperger.

Für Ringtausch vorgesehen: Bundesregierung könnte Ende März 29 Leopard-2-Panzer liefern

„Diese Panzer standen zum Teil zehn Jahre mit offener Luke da, die sind innen verschimmelt“, erklärte der Konzern-Chef. Um die Panzer wieder einsatzfähig zu machen, müsse man diese komplett auseinander bauen und reinigen. Dieser Prozess nehme Monate in Anspruch. Kritik übt der Rheinmetall-CEO dabei auch an der Erwartungshaltung der Politik. „Ich weiß nicht, wie Leute draufkommen, dass ich in einer Woche so ein Ding fertig machen kann. Wenn über 20 Jahre nichts bestellt wurde und nun erwartet wird, dass gleich morgen die Lieferung kommt, dann geht das halt nicht. Leider verstehen das manche in der Politik nicht.“

Bei den insgesamt 29 einsatzfähigen Leopard-2-Panzern, von denen Papperger nun gesprochen hat, verhält sich das jedoch anders. „Die waren für den Ringtausch mit Tschechien und Slowenien vorgesehen. Diese Panzer gehören der Bundesregierung. Damit kann sie tun, was sie will“, sagte der Rheinmetall-Chef. Somit legte Papperger – ob bewusst oder unbewusst – den Spielball erneut in die Hände der Bundesregierung.

Kampfpanzer-Ringtausch

Der Ringtausch sollte für eine schnelle und zielgerichtete Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland sorgen. Viele ost- und südosteuropäische NATO-Länder (Polen, Tschechien, Slowenien und Co.) besitzen noch Waffen und Gerät sowjetischer Bauart aus der Zeit des Warschauer Paktes. Im Rahmen des Ringtausches lieferten diese Staaten ältere, aber funktionsfähige Kampfpanzer sowjetischer Bauart an die Ukraine. Im Gegenzug sollten sie dafür moderne Kampfpanzer von den Nato-Verbündeten erhalten. Dadurch konnte der ukrainischen Armee Kriegsgerät bereitgestellt werden, mit dem die Soldaten bereits vertraut waren. Zusätzlich konnten die Nato-Mitglieder die Ukraine so unterstützen, ohne direkt moderne Kampfpanzer bereitzustellen.

29 einsatzfähige Leopard-2-Panzer stünden also bereits in knapp zwei Monaten bereit, um an das ukrainische Militär ausgeliefert zu werden. Eine Lieferung, welche die Regierung in Kiew mittlerweile seit Monaten sehnsüchtigst erwartet.

Kampfpanzer für die Ukraine: Druck auf Scholz steigt – Polen ergreift Initiative

Doch während Berlin und auch Washington weiter bei der Entscheidung zögern, ergreifen weitere Nato-Partner selbst die Initiative. Polen hat am Dienstag auch offiziell bei der Bundesregierung die Genehmigung für Panzerlieferungen an die Ukraine beantragt. Da die Waffensysteme aus deutscher Produktion stammen, muss bei einer Weitergabe an Dritte in Berlin eine Zustimmung eingeholt werden. Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki kündigte jedoch am Montag an, dass er auch ohne die Zustimmung Deutschlands „in einer kleinen Koalition“ handeln wolle. Der Druck auf den Bundeskanzler wächst also weiter. (fd)

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