Pandemie

Lauterbachs Corona-Prognosen: Welche eingetroffen sind – und welche nicht

Karl Lauterbach gibt sich als Corona-Erklärer. Der SPD-Politiker ist omnipräsent mit seinen Warnungen und Mahnungen. Wie realistisch sind seine Prognosen eigentlich?

Berlin – Als das Coronavirus im Februar 2020 in Deutschland ankam, trat auch SPD-Politiker Karl Lauterbach zurück in die große Öffentlichkeit. Der Epidemiologe und Gesundheitsökonom ist seitdem nicht mehr von der Bildfläche wegzudenken. Ganz egal, ob bei Maybrit Illner, Markus Lanz oder Frank Plasberg – der 58-Jährige lässt keine Gelegenheit aus, sich ausgiebig zu dem Tagesgeschehen zu äußern. 

Name:Karl Lauterbach
Geboren: 21. Februar 1963
Partei:SPD
Bundesland:Nordrhein-Westfalen
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005

Obwohl er in seinem Bundesland Nordrhein-Westfalen nicht etwa das Amt des Gesundheitsministers innehat, sondern im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz sitzt, strebt Lauterbach den Posten des Bundesgesundheitsministers an, wie er erst kürzlich in einem Interview mit dem Spiegel bestätigte. Was die Aufmerksamkeit angeht, hat er schon einmal gute Karten: Auf Twitter hat er mehr Follower als der amtierende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). 

Es gibt also gleich auf mehreren Kanälen gefühlt mehrmals die Woche neue Prognosen und Warnungen made by Lauterbach. Außerdem berät er die Bundesregierung und verschiedene Ministerpräsidenten im Kampf gegen die Pandemie. Böse Stimmen nennen ihn deshalb auch gerne mal „Karlchen Überall“. Für viele Menschen ist der SPD-Politiker in den unsicheren Zeiten der Coronavirus-Pandemie aber eben auch zum zuverlässigen und unerbittlichen Erklärer geworden. 

Karl Lauterbachs Warnungen: Wie realistisch sind sie wirklich?

Aber wie realistisch sind die Prognosen von Karl Lauterbach eigentlich? Eine Frage, die sich auch der Experte selbst immer wieder stellt: „In der Tat achte ich sehr darauf, bei welchen Prognosen ich falsch lag und bei welchen meine Erwartung ungefähr eingetreten ist.“ Und lässt man die letzten Monate einmal Revue passieren, fällt schnell auf, dass Lauterbach erstaunlich oft richtig lag. 

Karl Lauterbach gilt als Corona-Erklärer.

So warnte er bereits vor dem ersten Todesfall in Deutschland davor, das Virus zu unterschätzen. Nur wenige Tage nach dem ersten bestätigten Fall in Deutschland sagte er dem Deutschlandfunk, das neue Virus sei gefährlicher als die Grippe. Mittlerweile gilt das als Tatsache. Der SPD-Politiker war zudem einer der ersten, der die zweite Welle vorhersagte. 

Bereits im März 2020 sprach er von dem „Worst-Case-Szenario“, das wir alle im Herbst 2020 erlebt haben. Der Höhepunkt der zweiten Welle war dann im Dezember mit mehr als 20.000 Neuinfektionen innerhalb einer Woche. Aber der Experte wusste nicht nur, dass die zweite Welle kommt, sondern auch wie sie sich entwickelt: Im September 2020 sprach Lauterbach von steigenden Todeszahlen in sechs bis acht Wochen – von 53 Todesfällen stieg die Zahl dann innerhalb von acht Wochen 1.237 Todesfälle pro Woche.

Karl Lauterbach als Corona-Aufklärer und Mahner

Auch, was die Corona-Maßnahmen angeht, hatte Lauterbach oft einen guten Riecher. Bei Markus Lanz sagte er zum Beispiel im April 2020 bereits, dass die seinerzeit beschlossenen Maßnahmen „eineinhalb bis zwei Jahre anhalten“ würden. Die Hygieneregeln, Abstandsgebote und Maskenpflicht begleiten uns seitdem und haben unseren Alltag tatsächlich verändert – bis auf Weiteres. Glaubt man Lauterbach, so kommt die Normalität ohnehin frühestens im kommenden Jahr zurück.

Die nächsten zwei Monate werden die härtesten der Pandemie werden 

Karl Lauterbach im Januar 2021

Ein großer Schritt zurück in die Normalität sind die Impfungen gegen das Coronavirus. Das sieht auch Karl Lauterbach so. Der SPD-Politiker wusste schon früh, dass sie der Königsweg aus der Krise sein würde. Allerdings dachte er ursprünglich, dass die Entwicklung eines Impfstoffes mindestens zwei Jahre dauern würde. Die erste Zulassung von Biontech/Pfizer gab es jedoch bereits im vierten Quartal 2020. 

Der Irrtum, dass der Start der Impfkampagne im ersten Quartal 2021 das Ende der Pandemie einleiten würde, unterlief dem Gesundheitsexperten allerdings nicht. Er sagte im Januar 2021: „Die nächsten zwei Monate werden die härtesten der Pandemie werden.“ Was folgte, waren die höchsten Infektionszahlen und der härteste Lockdown der Pandemie. 

Die Fehlprognosen des Karl Lauterbach

Aber natürlich sind nicht alle Vorhersagen Lauterbachs eingetroffen. Mit einigen lag der Epidemiologe sogar ziemlich daneben. So wollte der SPD-Politiker zunächst nicht glauben, dass das Coronavirus saisonalen Unterschieden unterliegt. Sein Kollege und häufiger Gegenspieler in der Coronavirus-Debatte, Hendrick Streeck, war es, der die sinkenden Infektionszahlen im Sommer vorausgesagt hatte.

Ein ähnlicher Irrtum unterlief Lauterbach angesichts der Debatte um Geisterspiele in der Bundesliga. Er war sich sicher: Das ist ein Infektionstreiber. Als die Bundesliga dann aber doch mit leeren Zuschauerrängen startete, gestand sich der Politiker ein: Der Spielbetrieb ohne Zuschauer sei sicherer, als gedacht.

Im Gegensatz zu den kleinen Irrtümern hat sich Lauterbach aber auch ein, zwei Ausreißer geleistet, für die er heftige Kritik einstecken musste. Der Gesundheitsexperte riet in Zeiten des Maskenmangels etwa dazu, aus Staubsaugerbeuteln selbst welche herzustellen (was sich als giftig darstelle), behauptete ohne Belege, dass sieben Prozent aller Kinder an Long-Covid erkranken und ohne ausreichende Datenlage, dass das Alter der Patienten auf der Intensivstation sinke. 

Lauterbach rechnet mit einer vierten Corona-Welle im Herbst

Perfekt sind Lauterbachs Prognosen also auch nicht – aber sie sind mit Sicherheit ein Fingerzeig auf das, was uns in der Pandemie noch so erwarten kann. Was die Zukunft angeht, so mahnt der SPD-Politiker gerade wieder eifrig vor zu raschen Lockerungen: „Wir werden im Herbst wieder vorsichtiger sein müssen als im Sommer.“ Sorge bereite dem Epidemiologen vor allem die Delta-Variante. Für ihn steht fest: Die vierte Welle wird kommen.

Ob das aber wirklich eintrifft – und was das mit uns macht, das wird sich erst noch zeigen. Für eine Sache hat Lauterbach jedoch keine Glaskugel parat: Seine Avancen für den Job des Bundesgesundheitsministers. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld

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