Deutscher Impfstoffhersteller

Lauterbach über CureVac: „Wird für Europa keine Rolle spielen“

SPD-Politiker Karl Lauterbach zweifelt an der Einsatzfähigkeit von Curevac bei der Impfkampagne. Der Gesundheitsexperte sieht den Impfstoff zu weit im Hinterteffen.

Tübingen – Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht keine Zukunft für den Corona-Impfstoff des Tübinger Herstellers CureVac. Nach einer enttäuschenden Zwischenanalyse zweifelt der SPD-Politiker daran, dass das Vakzin von CureVac überhaupt noch eine Relevanz für die Impfkampagne in Deutschland und Europa haben wird. Andere Impfstoffe wie Biontech oder Moderna haben sich einfach als bessere Lösung herausgestellt.

Unternehmen:CureVac
Gründung: 2000
CEO:Franz-Werner Haas
Hauptsitz:Tübingen
Gründer:Ingmar Hoerr, Steve Pascolo, Florian von der Mülbe, Günther Jung

„Die schlechte Nachricht: Der Impfstoff wird für Europa keine Rolle spielen“, gab Lauterbach seine Einschätzung in einem Instagram-Live-Interview mit Business Insider ab. „Wenn es Impfstoffe gibt, die so viel stärker sind, wie Moderna und Biontech, wie mit Abstrichen auch Johnson&Johnson und AstraZeneca, dann gibt es schlicht keinen Platz für einen Impfstoff, der nicht so gut ist.“

CureVac-Ausfall: Bundesregierung muss Milliarden-Verlust hinnehmen

Laut einer Zwischenanalyse hat der Corona-Impfstoff von CureVac eine vorläufige Wirksamkeit von nur 47 Prozent. Ein herber Rückschlag auch für die Bundesregierung, die sich vor gut einem Jahr mit 300 Millionen Euro an CureVac beteiligte, um den Corona-Impfstoff CVnCoV auf den Markt zu bringen. Das Resultat ist nicht nur ein Kurseinbruch am Aktienmarkt und bedeutet einen Milliarden-Verlust für den Bund, sondern könnte für eine Verzögerung der Impfkampagne in Deutschland sorgen.

Durch den Ausfall von CureVac schätzt Lauterbach, dass die Impfkampagne um insgesamt zwei bis drei Wochen zurückgeworfen wird, sodass die erhoffte Herdenimmunität bei Erwachsenen erst Mitte September eintreten könnte. „Man muss auch bedenken, dass uns der Ausfall von CureVac im Sommer trifft, die Zahlen sind gerade sehr niedrig“, gewann Lauterbach dem CureVac-Ausfall wenigstens einen Hauch von Optimismus ab. „Somit glaube ich, dass diese zwei bis drei Wochen, die wir verlieren, uns nicht wirklich treffen.“

Dennoch bezweifelt der SPD-Politker, dass der Impfstoff von CureVac für spätere Auffrischimpfungen eine echte Alternative darstellt und ist sich sicher: „Das wird mit Moderna und Biontech geschehen.“

Lauterbach über Herdenimmunität und Ungeimpfte: „Nicht das intelligenteste, was man tun kann“

Mitte September könnte es dann trotzdem so weit sein, dass genug Erwachsene eine Impfung haben, um die erhoffte Herdenimmunität gegen das Coronavirus zu erreichen. Ein wichtiges Ziel, um einer befürchteten vierten Welle mit Lockdown-Verschärfungen zuvorzukommen. Zwar seien in Zukunft Probleme mit Mutationen des Coronavirus, wie die aktuell grassierende und hochansteckende Delta-Variante, nicht gänzlich auszuschließen. Dennoch blickt der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach optimistisch in die Zukunft.

Lauterbach: CureVac ist nicht einsetzbar

„Wenn es uns wirklich gelingt, 70 bis 80 Prozent der Erwachsenen zu impfen, dann wird das Problem der Varianten zwar kommen, aber das trifft dann die Ungeimpften“, sagte Lauterbach. „Und wer bis dahin nicht geimpft ist, gut, das ist nicht das Intelligenteste, was man tun kann.“

Ausfall von CureVac: Bundesgesundheitsminister Spahn gibt Entwarnung

Derweil äußerte sich das Bundesgesundheitsministerium zum Ausfall von CureVac und gab vorsichtige Entwarnung: Ein Engpass entsteht nicht. Laut einem internen Papier des Ministeriums, welches dem Business Insider vorliegt, könnten bis Ende Juli alle volljährigen Personen in Deutschland, die das wollen, mindestens einmal geimpft werden.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sollen bis zum 25. Juli rund 9 Millionen weitere Menschen ihre Zweitimpfungen mit Biontech erhalten. Bei Moderna kommen im selben Zeitraum nochmals rund 1,5 Millionen Zweitimpfungen hinzu.

Curevac-Absturz: Impfdosen von Biontech und Moderna sollen geplante Erst- und Zweitimpfungen gewährleisten

Darüber hinaus stehen bis zum 25. Juli knapp 25 Millionen Dosen Biontech-Impfstoff aus. Hinzu kommt, dass Moderna nochmals beinahe 4,6 Millionen Dosen liefert. In der Endabrechnung bedeutet das, dass die Impfkampagne nicht ins Stocken geraten soll und alle eingeplanten Zweitimpfungen auch durchgeführt werden.

Außerdem sollen bis zum 25. Juli rund 15,9 Millionen weitere Biontech- und rund 3 Millionen weitere Moderna-Impfdosen bereitstehen. Unterm Strich könnten dann rund 59 Millionen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zumindest mit der Erstimpfung durch sein. Auch wenn Biontech weniger Impfdosen liefern kann, als ursprünglich für den deutschen Markt zugesagt waren, kommen aufgrund von Johnson & Johnson, die ebenfalls angekündigte Lieferungen reduzieren muss und Astrazeneca weitere Impfdosen hinzu, die bisher in der Summe noch gar nicht aufgeführt waren.

Allerdings wird immer erst am Ende abgerechnet. Bleibt also zu hoffen, dass die Rechnung auch wirklich aufgeht und sich der Ausfall von CureVac am Ende doch noch rächt. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa & Henning Kaiser/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Kampagnen-Chef von Olaf Scholz: „Laschet ist ein Gummi-Mann“

Kampagnen-Chef von Olaf Scholz: „Laschet ist ein Gummi-Mann“

Kampagnen-Chef von Olaf Scholz: „Laschet ist ein Gummi-Mann“
16 Jahre Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die Kapitänin geht von Bord

16 Jahre Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die Kapitänin geht von Bord

16 Jahre Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die Kapitänin geht von Bord
Hartz IV: 100 Euro als Freizeitbonus – das muss man wissen

Hartz IV: 100 Euro als Freizeitbonus – das muss man wissen

Hartz IV: 100 Euro als Freizeitbonus – das muss man wissen
Querdenker nutzen Flut taktlos für eigene Zwecke

Querdenker nutzen Flut taktlos für eigene Zwecke

Querdenker nutzen Flut taktlos für eigene Zwecke

Kommentare