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Krieg: „Putin wird die Ukraine nicht besetzen“ – doch was dann?

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Von: Jens Kiffmeier

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Tag zwei im Ukraine-Krieg: Russland rückt auf Kiew zu. Dennoch schließt Militärexperte Masala eine langfristige Besetzung aus. Doch was sind dann Putins Ziele?

Berlin – Mit Luftangriffen und Bodentruppen: Russlands Vorstoß auf breiter Front im Ukraine-Krieg sorgt weiter für großes Entsetzen. Doch trotz des schnellen Vorrückens halten Militärexperten eine totale Übernahme des Landes durch die russische Armee weiterhin eher für unwahrscheinlich. „Russland visiert nicht die langfristige Besetzung an“, stellte Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München, auf Anfrage von kreiszeitung.de klar. Für eine vollständige Annektierung des Landes reiche die Truppenstärke mit 200.000 Soldaten „vorne und hinten nicht aus“, fügte er hinzu. Doch was sind dann die Ziele von Präsident Wladimir Putin?

Name:Wladimir Wladimirowitsch Putin
Funktion:Russlands Präsident
Alter:69 Jahre
Größe:1, 70 Meter

Krieg in der Ukraine: Trotz Russlands Vormarsch rechnet Militärexperte nicht mit einer Besetzung

Nach der Anerkennung der selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk hatte Wladimir Putin in der Nacht zu Donnerstag den Befehl zum Angriff gegeben. Seit Tagen rücken die Truppen Russlands nun rasch in der Ukraine vor. Aus allen Landesteilen werden Luftschläge oder Bodenoffensiven gemeldet. Am Freitagmorgen begannen auch schon im Großraum der Hauptstadt Kiew die Kämpfe.

Russische Soldaten sitzen im Ukraine-Krieg auf einem Panzerfahrzeug.
Rücken im Ukraine-Krieg auf Kiew zu: russische Bodentruppen. © Anton Vergun/dpa

Laut Militärexperte Masala strebt Russland mit der Offensive die Einrichtung eines Vasallenstaates an. Dafür müsse aus Sicht des Kreml in einem ersten Schritt das ukrainische Militär neutralisiert und die pro-westliche Regierung der Ukraine von Präsident Wolodymyr Selenskyj durch eine Russland-treue Verwaltung ausgetauscht werden. Außerdem werde Putin versuchen, die ostukrainischen Donbass-Gebiete vom ukrainischen Staatsgebiet abzutrennen, um eine „Landbrücke zur bereits besetzen Krim-Halbinsel“ herzustellen, vermutet Masala im Gespräch mit kreiszeitung.de. „Putin wird die Ukraine kurzfristig erobern, das ja“, so Masala. „Aber eine langfristige Besetzung gibt das Lagebild derzeit nicht her.“

Ukraine-Krieg: Putin strebt im Ukraine-Konflikt die Einrichtung eines Vasallenstaates an

Offizielle Verlautbarungen aus Moskau zum Ukraine-Krieg zeichnen ein ähnliches Bild. „Niemand wird die Ukraine besetzen“, sagte Russlands Außenminister Sergei Lawrow. Der Zweck der Operation sei die „Entmilitarisierung und Entnazifizierung“. Damit griff Putins Chefdiplomat eine Propagandaformel auf, die der Kreml seit 2014 verbreitet. So behauptet Putin immer wieder, dass die Maidan-Proteste und die Hinwendung der Ukraine zum Westen von Neonazis gesteuert worden seien und dass Moskau dem Treiben nun Einhalt gebieten würde.

Ob die Strategie aufgehen wird, bleibt abzuwarten. Schon vor dem Einmarsch sahen Experten das Hauptziel Putins, der kaum Verbündete an seiner Seite weiß, darin, vor allem durch die Übernahme der östlichen Gebiete einen Dauer-Konflikt herzustellen. Denn die Nato, deren Mitgliedschaft die Ukraine qua Verfassung anstrebt, nimmt keine Länder mit einem ungelösten territorialen Konflikt auf. Bereits Georgien wurde so von Putin aus den Armen des Westens getrieben. Dort hatte Russland die abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien aus dem Staatsgebiet herausgeschnitten.

Ukraine-Konflikt: Putin muss keinen Widerstandskampf fürchten – aber die Nato rückt stärker an Russland heran

Im Fall der Ukraine könnte dieser Plan nun wieder aufgehen. Die Frage wird jedoch sein, ob Russland ohne eine Besetzung dauerhaft die Ukraine unter Kontrolle halten kann. Die Regierung rief alle Männer ab 18 Jahren zu den Waffen, um die Nation zu verteidigen. Immer wieder gibt es Spekulationen, ob nach dem Austausch der Regierung ein erbitterter Widerstandskampf ausbricht und die Ukraine auf Jahre zu einem Bürgerkriegsland macht. „Diese Hoffnung gibt es im Westen“, sagt Militärexperte Masala. Jedoch sei es kaum möglich, diesen wirklich effektiv zu führen. „Wenn Russland der ukrainischen Armee erfolgreich das Rückgrat bricht, ist ein bewaffneter Widerstand kaum möglich“, so der Professor.

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Dennoch wird die Militäroffensive, die viele Menschen in die Flucht treibt, einen Preis für Moskau haben. So wird die Nato aller Voraussicht nach, die eigenen Truppen an der Ostflanke stärken – und zwar dauerhaft. Bislang gab es eine Übereinkunft in der Nato-Russland-Akte von 1997, dass die westliche Allianz keine starke Präsenz in den russischen Nachbarländern aufbaut. Daran hielt sich die Nato bislang. Doch es sei sehr wahrscheinlich, dass für die Militärallianz diese Vereinbarung nun „obsolet“ sei, vermutet Masala. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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