Kommentar

Krieg in Afghanistan: Der Westen hat die Taliban gestärkt!

Ungebremster Vormarsch: Die Taliban erobern mühelos Afghanistan zurück. 20 Jahre Aufbauarbeit geht innerhalb weniger Tage verloren. Das ist eine Schande.

Berlin – Die Städte fallen im Stundentakt. Herat. Gasni. Kundus und nun auch noch Kandahar. Bald vielleicht auch schon Kabul? Die radikal-islamistische Taliban stürmen mit ihren Truppen über Afghanistan hinweg. Gegenwehr? Keine. Die staatliche Armee nimmt Reißaus – und dokumentiert damit vor allem eines: das vollständige Scheitern des Westens am Hindukusch.

Land am Hindukusch:Afghanistan
Bevölkerung:38,04 Millionen (2019)
Präsident:Aschraf Ghani
Hauptstadt:Kabul

Die Lage in dem Land ist dramatisch: 20 Jahre lang haben die Nato-Truppen für ein anderes Afghanistan gekämpft, viele Soldaten haben dabei ihr Leben gelassen. Und wofür? Für nichts. Nach dem Abzug der USA und ihrer Verbündeten holen sich die Milizen das zurück, was sie vor dem Jahr 2001 beherrscht haben. Und mehr noch: Mit jeder Eroberung fällt ihnen auch militärische Ausrüstung in die Hände, mit dem der Westen die afghanische Armee zu einem Sicherheitsgaranten aufbauen wollte. Offenbar vergeblich.

Afghanistan: Der Westen hat den Krieg verlängert, statt ihn zu beenden

Afghanistan war, ist und bleibt ein Pulverfass. Und der Friedhof der Großmächte.

Alexander der Große hat es nicht geschafft.

Das britische Imperium nicht.

Und auch nicht die Sowjetunion.

Bereit zum Krieg: Die Taliban-Kämpfer sind in Afghanistan auf dem Vormarsch.

Wie erwartet versinkt das Land in Gewalt. Hilfskräfte der internationalen Gemeinschaft sind nun den Racheakten schutzlos ausgeliefert. Insofern muss man einsehen, dass die Mission gescheitert ist. Statt den Krieg zu beenden, so wie es immer propagiert worden ist, hat der Westen den Konflikt nur verlängert.

Hätte es eine Alternative gegeben? Darüber wird nun zu Recht heftig gestritten. Eine gewisse Kriegsmüdigkeit ist nach zwei Jahrzehnten vielleicht sogar nachvollziehbar. Jedoch war der vollständige Rückzug der Nato-Truppen ein Fehler. Die Taliban haben das vorausgesehen und geduldig auf diesen Moment gewartet. Das dürfte für die westliche Schutzmacht keine Überraschung gewesen sein.

Wichtig ist nun, dass der Westen Afghanistan nicht aus dem Blick verliert. Noch ist das Land nicht verloren. Niemand kann sagen, ob die erstarkten Taliban auch wirklich dahin zurückwollen, wo sie vor dem Kriegseinsatz des Westens waren. Oder ob sie nun vor allem um mehr Einfluss in der Regierung und der gesamten Region kämpfen.

Die dramatische Lage in Afghanistan zeigt: Die Mission am Hindukusch ist gescheitert

Nur noch schnell die letzten Botschaftsmitarbeiter mit militärischer Hilfe herauszufliegen*, ist deutlich zu wenig. Über die Entwicklungshilfe hat der Westen noch ein wichtiges Faustpfand in der Hand. Die Gelder müssen umgehend gestoppt werden, sollten sich die Befürchtungen von der Errichtung eines Kalifats erfüllen. Und auch den Wiederaufbau des Opiumhandels, über den die Taliban jahrzehntelang ihre Macht finanzierten und zementierten, kann der Westen bekämpfen.

Auf jeden Fall dürfen die Regierungen in Washington, Berlin, Paris oder London die Augen nicht verschließen. Das ist der Westen den Afghaninnen und Afghanen schuldig, die den Versprechungen von einem anderen Land geglaubt haben. Und den Soldaten, die dafür gekämpft haben, sowieso. * kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Mohammad Asif Khan/dpa/picture alliance

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