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Beitrag zur Krankenkasse: 96 Euro mehr – das rollt auf Versicherte zu

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Von: Jens Kiffmeier

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Neuer Teuer-Schock für die Deutschen: Gesundheitsminister Karl Lauterbach hebt den Zusatzbeitrag zur Krankenkasse an. Doch was ist das und wer zahlt?

Berlin – Erst die Lebensmittel, dann der Sprit und jetzt die Krankenkasse: Die Deutschen müssen den nächsten Teuer-Schock verkraften. So soll der Zusatzbeitrag zur Krankenkasse im kommenden Jahr 2023 um 0,3 Prozent angehoben werden. Das kündigte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag an. Normalverdiener müssen dann wohl mit 72 bis 96 Euro an Mehrausgaben rechnen. Betroffen sind über 57 Millionen Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Dass sie nun alle tiefer in die Tasche greifen müssen, ist für Lauterbach die Schuld seines Vorgängers im Ministeramt.

Erhöhung vom Zusatzbeitrag: Krankenkassen sollen laut Minister Lauterbach bald 0,3 Prozent mehr kassieren

Der Handlungsdruck für die Politik und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist groß. Die Erhöhung des Zusatzbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung hatte sich bereits lange angedeutet. Denn bei der Finanzierung der Krankenversicherungen klafft in diesem Jahr eine gewaltige Lücke.

So fehlen für die Kostendeckung insgesamt 17 Milliarden Euro. Vor allem die hohen Kosten zur Bewältigung der Corona-Krise sowie die Tatsache, dass wegen der demografischen Entwicklung in Deutschland immer weniger Menschen die Krankenkassenbeiträge bezahlen, reißen ein Loch in die Kassen – weswegen Lauterbach das Drehen an der Beitragsschraube lange im Voraus angekündigt hatte.

Plant die Erhöhung der Zusatzbeiträge zur Krankenkasse: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).
Plant die Erhöhung der Zusatzbeiträge zur Krankenkasse: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). © Kay Nietfeld/dpa

Was ist der Zusatzbeitrag zur Krankenkasse? Auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber kommt Erhöhung zu

Viele Jahre lang hatte die Bundesregierung das Loch mit Steuermitteln gestopft. Doch diesen Automatismus will Lauterbach jetzt durchbrechen. Deswegen werden jetzt auch die Versicherten zur Kasse gebeten. Zurzeit beträgt der durchschnittliche Zusatzbeitrag 1,3 Prozent. Nach der Erhöhung werden dann 1,6 Prozent fällig, die dann zusätzlich zum allgemeinen Beitrag von 14,6 Prozent gezahlt werden müssen. Unter dem Strich müssen dann 16,2 Prozent vom Bruttolohn für die Krankenversicherung abgedrückt werden – Rekord. Die Erhöhung teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung – was ist das und wer zahlt das?

Der allgemeine Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung ist festgeschrieben und beträgt zurzeit 14,6 Prozent. Doch dieser Beitrag ist in den meisten Fällen nicht kostendeckend, weswegen die Krankenkassen einen Zusatzbeitrag berechnen und erheben dürfen. Dieser liegt derzeit bei durchschnittlich 1,3 Prozent und wird wie der allgemeine Beitragssatz auch je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Der Zusatzbeitrag ist – wie der allgemeine Beitrag – einkommensabhängig.

Nach Berechnung des Ministeriums werden durch die Maßnahme bis zu 5 Milliarden Euro in das Gesundheitssystem gespült. Da dies alleine zur Deckung des Defizits nicht ausreicht, soll die Beitragserhöhung weiter flankiert werden. So ist auch ein erhöhter Steuerzuschuss in Höhe von zwei Milliarden Euro und ein Darlehen des Bundes in Höhe von einer Milliarde Euro geplant. Darüber hinaus müssten aber auch die Reserven im Gesundheitsfonds und bei den Kassen angezapft werden, betonte Lauterbach.

Krankenkasse: Erhöhung des Zusatzbeitrages schiebt Lauterbach seinem Vorgänger in die Schuhe

Innerhalb der Koalition war lange über diesen Plan gestritten worden. Er habe lange mit Finanzminister Christian Lindner verhandeln müssen, betonte Lauterbach. Alles stehe unter der Vorgabe der Liberalen, dass die Schuldenbremse nicht verletzt und die Steuern nicht erhöht werden müssten. Am Ende bliebe dann nur eine Beitragsanpassung, so Lauterbach, der zugleich mit seinem Amtsvorgänger Jens Spahn (CDU) hart ins Gericht ging.

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„Ich habe dieses Defizit von meinem Vorgänger geerbt“, betonte Lauterbach. Spahn habe immer „teure Leistungsreformen“ gemacht und auf Strukturreformen verzichtet. Dadurch erhalte man jetzt eine teure Quittung. Am Ende habe sich die Ampel für diesen Weg entschieden, damit nicht an der Versorgung gekürzt werden müsste.

Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung: Wie hoch und wer zahlt?

Offiziell muss die Erhöhung aber noch festgelegt werden. Dafür zuständig ist ein offizieller Schätzerkreis. Das Gremium wird aller Voraussicht nach im Herbst das nächste Mal zusammenkommen. Erst dann ist klar, ab wann und in welcher Höhe die Kostensteigerung an die Arbeitnehmer und Arbeitgeber weitergegeben wird. Denn genauso wie den allgemeinen Beitragssatz teilen sich diese beiden Seiten auch die Zahlung des Zusatzbeitrages.

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