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Wladimir Putins Trollfabrik: Das sind Russlands Hacker

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Von: Felix Busjaeger

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Längst werden Kriege nicht mehr auf dem Schlachtfeld gewonnen. Im Krieg in der Ukraine greift Wladimir Putin auch auf Bots, Hacker und Trolle zurück. Ein Überblick.

Moskau – Berühmt und berüchtigt sind die Hacker von Wladimir Putins Trollfabrik. Während Krieg in der Ukraine tobt und täglich neue Schreckensnachrichten wie russische die Besetzung Sperrzone von Tschernobyl durch russische Soldaten und die EU Sanktionen gegen Russland verhängt hat, konzentrieren sich die Kämpfe gegenwärtig auf die ukrainische Hauptstadt Kiew.

Der Angriff auf den westlichen Nachbarn – offiziell von russischer Seite als „Militäroperation“ für die „Entnazifizierung“ der Ukraine bezeichnet – verfolgt unter anderem das Ziel, eine Osterweiterung der Nato zu verhindern. Doch Wladimir Putins Kampf gegen den Westen findet nicht nur in Kiew, Tschernobyl oder anderen ukrainischen Städten statt. Seit Jahren wird Russlands Präsident von Troll-Armeen und Hackern wie die Trollfabrik unterstützt, die im Internet westliche Medien blockieren und Behörden angreifen.

Krieg in der Ukraine: Bots und Trolle wie die Trollfabrik greifen deutsche Medien an

Dass es während des Kriegs in der Ukraine auch zu Angriffen auf Medien in Deutschland kommen kann, spüren derzeit mehrere Medienhäuser im ganzen Land. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, registrierte die Funke Mediengruppe mehrere Internetangriffe auf ihre Webseiten. Am Freitag hieß es: „Die Webseiten der Tageszeitungen, Magazine und Reichweitenportale der Funke Mediengruppe werden seit dem Morgen in mehreren Wellen von sogenannten Bots angegriffen.“ Auch auf den Seiten der Funke Mediengruppe in Sozialen Netzwerken spüren die Verantwortlichen eine Zunahme von Botangriffen. Dass für die Angriffe auf deutsche Zeitungen russische Hacker oder Bots wie die Trollfabrik verantwortlich seien könnten, ist zwar naheliegend, kann aber nicht bestätigt werden.

Eine Hand ist als Silhouette vor einem Hackerprogramm auf einem Laptop zu sehen.
Im Krieg in der Ukraine sollen auch russische Hackergruppen mitmischen. Ihnen wird eine Nähe zu Wladimir Putin nachgesagt. (Symbolbild) © Silas Stein/Imago

Auch bei der Frankfurter Rundschau (FR), die zum Netzwerk von IPPEN.MEDIA gehört, ist es seit dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine und der russischen Invasion durch Wladimir Putin zu Problemen im Social-Media-Bereich gekommen. Chefredakteur Thomas Kaspar schrieb in einem Beitrag: „Seit der Verlagerung der Truppen an die Grenze der Ukraine wächst das Aufkommen an Kommentaren auf unserer Webseite und in unseren Auftritten in den sozialen Medien merklich. Unser Community-Team meldet, dass Pro-Putin-Trolle und Bots die Kommentarspalten unserer Auftritte in den sozialen Medien überschwemmen.“

Trollfabrik: Wladimir Putin setzt pro-russische Bots und Trolle ein – auch im Ukraine-Konflikt

Während auf ukrainischen Boden mit konventionellen Soldaten gekämpft wird, ist der hybride Krieg – also der gezielte Angriff durch Hacker auf die kritische Infrastruktur des Feindes – längst Realität. Bereits seit mehreren Jahren fallen pro-russische Bots über Internetseiten her, schwemmen Kommentarspalten und behindern beispielsweise die Berichterstattung über aktuelle Ereignisse. Als es 2014 zur Annexion der Krim durch Russland kam, war es ähnliches Phänomen feststellbar. Die EU hat derweil Russland und Wladimir Putin mit Sanktionen belegt.

Doch bereits in vorherigen Konflikten und Kriegen griff Wladimir Putin der auch Kontakte zu Russlands Oligarchen unterhält, auf Troll-Armeen und Hacker zurück. Als es im Sommer 2008 zum Krieg gegen Georgien kam, griffen pro-russische Hacker zunächst die Infrastruktur und das Kommunikationssystem an, bevor Soldaten nachrückten. Unter anderem gerieten Webseiten der georgischen Regierung, Banken, Nachrichtenmedien und wichtige Unternehmen ins Visier der Hacker. Wie die Zeit berichtet, wurde der Angriff damals von Spam-Kampagnen begleitet, die die E-Mail-Accounts vieler Bürger lahmlegten.

Cyberangriffe im Krieg in der Ukraine: Digitale Attacken setzen Behörden-Webseiten außer Kraft

Ein ähnliches Muster ist nun auch im Krieg in der Ukraine erkennbar. Offenbar wurde wochenlang die kritische Infrastruktur der Ukraine attackiert und mit Schadsoftware sowie Spam-Angriffen unter Druck gesetzt. Unmittelbar vor der Invasion durch Russland wurden die Webseiten des Verteidigungs-, Außen- und Innenministeriums mit DDoS-Angriffen attackiert und unbrauchbar gemacht. Dass es sich in den Fällen um russische Hacker handelt, kann selten bis nie nachgewiesen werden, allerdings sind viele westliche Geheimdienste und unabhängige IT-Experten davon überzeugt, dass der Ursprung der Hackerangriffe in Russland liegt. Derweil befinden sich in der Ukraine zahlreiche Menschen auf der Flucht vor dem Krieg.

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Inmitten des Cyberkriegs von Wladimir Putin, der über ein großes Vermögen verfügen soll, hat sich nun das Hackerkollektiv Anonymous der russischen Regierung entgegengestellt und bereits erste Erfolge gegen russische Infrastruktur verbuchen können. Allerdings steht dem Kollektiv eine Vielzahl an mutmaßlich russischen Hackergruppen wie die Troll-Fabrik gegenüber, die wohl auf Wladimir Putins Anweisungen hört. Spuren einzelner Hackergruppen lassen sich bis zu russischen Geheimdiensten zurückverfolgen. Wie Recherchen von BR und WDR zeigen, soll die Gruppe Snake wohl dem Geheimdienst FSB unterstehen.

Hackergruppen in Russland abseits der Troll-Fabrik: Geheimdienste vermuten Nähe zu Wladimir Putin und Kreml-Regierung

Eine weiteres berüchtigtes Hackerkollektiv abseits der Troll-Fabrik nennt sich Einheit 26165 oder auch Sofacy Group. Nach Einschätzung westlicher Geheimdienste gehört die Gruppe dem russischen Militärgeheimdienst GRU an. Weitere Hackerkollektive und -gruppen, die in Zusammenhang mit Wladimir Putin gebracht werden, sind unter anderem DarkHalo, Gamaredon, Fancy Bear oder Sandworm. Mehrere Gruppen fielen in den vergangenen Jahren durch große Hacks westlicher Behörden und Regierungen auf, sollen Verbindungen zu Russlands Geheimdiensten unterhalten oder operieren „offiziell“ eigenständig.

Dass Cyberangriffe gefährlich werden können, zeigen zahlreiche Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. Der Hackergruppe Snake, die dem FSB unterstehen soll, soll unter anderem für Angriffe auf das Auswärtige Amt verantwortlich sein. Im Cyberkrieg kommen allerdings weitaus mehr Punkte zu tragen, als die reine Sabotage von fremder IT-Infrastruktur. Neben der Möglichkeit der Cyberspionage und das Abfischen von Informationen spielt auch immer mehr das sogenannte „PsyOps“ eine Rolle. Also das gezielte Streuen von Desinformationen und psychologischen Kriegsführung. Bereits im Vorfeld zur Ukraine-Krise nutzte Wladimir Putin auch die Medien, um seine Propaganda zu streuen.

Cyberangriffe im Krieg in der Ukraine: Wladimir Putin setzt auf Cyberangriffe

Die Ukraine steht derzeit in dem Konflikt mit Russland im Zentrum der möglichen russischen Hackerangriffe. Neben den Versuchen, Schadsoftware in die IT-Infrastruktur der Ukraine zu schleusen, wurden bereits mehrere Webseiten von Hackern temporär ausgeschaltet. Da anzunehmen ist, dass im weiteren Verlauf des Kriegs in der Ukraine weitere Cyberangriffe auf Behörden und Unternehmen erfolgen könnten, ist die IT-Sicherheit des Landes in Alarmbereitschaft.

Auf diesem vom Pressedienst der ukrainischen Polizei veröffentlichten Foto löschen Feuerwehrleute die Schäden an einem Gebäude nach einem Raketenangriff auf Kiew.
Auf diesem vom Pressedienst der ukrainischen Polizei veröffentlichten Foto löschen Feuerwehrleute die Schäden an einem Gebäude nach einem Raketenangriff auf Kiew. Neben den Raketenangriffen kämpft die Regierung auch mit Cyberattacken. © Uncredited/Ukrainian Police Department Press Service/AP/dpa

Bereits am 18. Februar bat der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba um die Unterstützung der EU bei der Abwehr von Trollen und Hackern. Wie Politico berichtet, aktivierte die Europäische Union das Cyber Rapid Response Team, quasi schnelle Eingreiftruppe für Cybersicherheit. Darüber hinaus steht die Ukraine im engen Austausch mit den USA und Großbritannien.

Wladimir Putins Trolle und Hacker: Ministerin über Deutschlands Schutz vor Cyberangriffen aus Russland

Nach den möglichen Angriffen russischer Trolle und Hacker auf deutsche Medien ist die Frage berechtigt, wie Deutschland beim Thema Cybersicherheit aufgestellt ist. Angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen in der Ukraine erklärte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am vergangenen Donnerstag, dass sich die Regierung auch auf mögliche Cyberangriffe vorbereite. Die Lage werde aufmerksam beobachtet, Sicherheitsbehörden hätten bereits „Schutzmaßnahmen hochgefahren“. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage im Russland-Ukraine-Konflikt hat der Verfassungsschutzverbund im Rahmen seiner Zuständigkeit relevante Stellen im Hinblick auf die IT-Infrastruktur sensibilisiert“, so Faeser.

Die Situation wird behördenübergreifend im Nationalen Cyber-Abwehrzentrum koordiniert. Dort hieß es am Donnerstag: „Die deutschen Sicherheitsbehörden sind auf die aktuelle Lage vorbereitet und beobachten die Entwicklung genau.“ Dies schließe mögliche Desinformation und Cyberaktivitäten ein. Dennoch warnt eine Professorin aus Frankfurt und IT-Expertin auf dem Gebiet von Hackerangriffen explizit vor Cyberattacken aus Russland. „Sie haben Putin gehört: Wer sich einmischt, wird es bereuen.“

Im Januar hatte das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik der Ukraine Unterstützung angeboten. Nun bleibt abzuwarten, wie stark die Cyberabwehr Deutschlands gegen mögliche Cyberangriffe aus Russland wirklich ist – die Vergangenheit hat gezeigt, dass Behörden trotz Vorsichtsmaßnahmen unterwandert werden konnten. *kreiszeitung.de und fnp.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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