Kommentar

Umfrage-Klatschen: Laschet ist der falsche Sündenbock

Im Umfrage-Tief muss Armin Laschet (CDU) als Prügelknabe der Union herhalten. Markus Söder wird gefordert. Doch der Heilsbringer ist das Problem.

Berlin – Vom Kanzleramtsanwärter zum Prügelknaben: Wie schnell so ein Rollentausch geht, muss Armin Laschet (CDU) in diesen Tagen am eigenen Leib erleben. Seit seine Umfragewerte in den Keller rauschen, ist es mit seinem Ansehen dahin. 70 Prozent der Unionsanhänger sehen in dem NRW-Ministerpräsidenten laut einer Civey-Umfrage nicht mehr den richtigen Kanzlerkandidaten und wollen ihn noch vor der Bundestagswahl 2021 durch Markus Söder (CSU) ersetzen. Das ist absurd. Denn Laschet ist nicht das Hauptproblem. Das größte Problem sind die Quertreiber in der eigenen Partei.

Deutscher Politiker:Armin Laschet (CDU)
Aktuelles Amt:NRW-Ministerpräsident
Größe:1,72 m
Privat:verheiratet, drei Kinder

Bundestagswahl 2021: SPD liegt in Umfragen vor CDU – Ist daran nur Armin Laschet schuld?

Sicher, einen fulminanten Wahlkampf hat Laschet nicht hingelegt. Beim Start in die heiße Phase sah er mit Umfragewerten um die 30 Prozent zwangsläufig wie der sichere Sieger aus, weshalb die Strategie lautete: Bloß nicht anecken und keine Wähler mit Forderungen nach harten Einschnitten verschrecken. Im Schlafwagen zur Macht, stichelten Spötter. Sie mochten sogar recht haben. Doch die bewusste Strategie des Durchmogelns kann man ihm eigentlich nicht vorwerfen.

Kämpfen sie im Wahlkampf zur Bundestagswahl miteinander oder gegeneinander? Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU).

Für die CDU war diese Taktik jahrelang erfolgreich. 2017 trieb Langzeit-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sie zur Vollendung. In ihrem letzten Wahlkampf wirkte sie amtsmüde und ausgelaugt. Inhalte? Große Leitlinien für die Zukunft? Die hatte die Regierungschefin nicht mehr parat. Als sie im TV-Duell der Kandidaten zum Abschluss gefragt wurde, wofür sie eigentlich stehe, brauchte sie nur einen Satz: „Sie kennen mich“, sagte die Kanzlerin und schickte ein Lächeln in die Kameras. Der Satz war der Gipfel der Belanglosigkeit – und er reichte. Am Wahlabend lag sie weit vorn.

Armin Laschet (CDU) gegen Markus Söder (CSU): Querschüsse schaden der ganzen Partei

Merkel hat den deutschen Wähler immer verstanden: Er will ruhig regiert werden. Ohne Zumutungen am besten. Streit toleriert er nicht, schon gar nicht, wenn er aus dem eigenen Lager kommt. Diese Erfahrung hat die SPD viele Jahre gemacht. Sie scheuerte Vorsitzende und Kanzlerkandidaten am Fließband durch. Jeder Spitzenkandidat musste mit sieben anderen Nebenanwärtern leben, die es stets besser wussten. Dafür gab es bitterböse Quittungen vom Wähler – sehr zur Freude Merkels, die sich am Ende nicht mehr anstrengen musste.

Doch ihre Partei hat in den 16 Merkel-Jahren anscheinend daraus wenig gelernt. Denn die Schmierenkomödie, die die SPD dem Wahlvolk gerne darbot, wird jetzt von der Theatergruppe um Regisseur Söder neu inszeniert. Die permanenten Sticheleien gegen den schwachen Kandidaten heizen die Personaldebatte jeden Tag neu an.

Wechsel des Kanzlerkandidaten? Die Debatte treibt Olaf Scholz (SPD) die Wähler zu

Ständige Aufrufe etwaiger Parteifreunde, den Streit einzustellen und sich auf Inhalte zu konzentrieren, helfen dabei auch nicht weiter. Denn welche Inhalte das sein sollen, sagt keiner der Zwischenrufer. Insofern sind die Ordnungsrufe wohlfeil. Allein auf den Kandidaten zu zeigen und sagen „Mach mal, Armin“ – das ist zu billig.

Reißen Laschet und Söder die CDU in den Untergang? Im Newsletter bleiben sie auf dem Laufenden.

Die gesamte CDU reagiert kopflos und treibt damit der SPD die Wähler zu. Die Genossen punkten in den Umfragen ja gerade nicht wegen ihrer bahnbrechenden inhaltlichen Konzepte, die jeden Tag vorgelegt werden würden. Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) steht deswegen gut da, weil er das macht, was eigentlich Laschet vorhatte: Schweigen und genießen. Und die Deutschen nicht ärgern. Gut möglich, dass das jetzt funktioniert. Halt eben nur nicht mehr für Laschet. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

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