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Klimaticket: Bayern stänkert gegen dauerhaftes Billigangebot

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Von: Jens Kiffmeier

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Bahnfahren zum Billigpreis: Die Ampel will das 9-Euro-Ticket durch ein Klimaticket ersetzen – zum Verdruss der CSU. Sie warnt vor einem Kollaps im ÖPNV.

Berlin – Heftiger Gegenwind für die Bundesregierung: Die geplante Einführung eines Klimatickets hat eine scharfe Debatte zwischen Bund und Ländern in Deutschland losgetreten. So lehnt Bayern den Vorstoß der Bundesregierung kategorisch ab und will ein dauerhaftes Billigangebot für Bus und Bahn nicht mittragen.

„Der Bund hat aus seinen Fehlern beim 9-Euro-Ticket nichts gelernt“, wetterte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschlands (RND). Statt Milliarden in niedrige Ticketpreise zu pumpen, sollte die Ampel-Koalition die Gelder lieber in den Ausbau der Infrastruktur stecken, forderte er. Im Norden sieht man das allerdings anders.

Klimaticket: Koalition will deutschlandweite Monatskarte für Bus und Bahn im Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV)

Mit dem Klimaticket will die Bundesregierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) mehr Menschen dauerhaft vom Auto in den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) locken. Die Idee: Für einen Festpreis sollen die Deutschen bundesweit mit allen Bussen und Bahnen im Regionalverkehr fahren dürfen. Das Klimaticket ist bereits im Entwurf des neuen Klimaschutzgesetzes verankert, in dem die Ampel-Koalition derzeit verschiedene Maßnahmen bündelt, mit denen die selbst gesteckten Klimaziele erreicht werden sollen.

Ein Ticket für alle Regionalzüge deutschlandweit: Die Koalition ringt um die Einführung eines Klimatickets.
Ein Ticket für alle Regionalzüge deutschlandweit: Die Koalition ringt um die Einführung eines Klimatickets. © Christoph Soeder/dpa

Das Klimaticket gleicht somit dem 9-Euro-Ticket aus dem Entlastungspaket 2022, das die Bundesregierung als Ausgleich für die hohen Kosten bei Benzin, Diesel, Gas und Öl eingeführt hat. Seit dem 1. Juni können die Deutschen die Monatskarte für den ÖPNV kaufen und damit kreuz und quer durch Deutschland fahren – außer im Fernverkehr. Jedoch ist diese Billigaktion zeitlich befristet und läuft Ende August aus.

Klimaticket in Deutschland: Ruf nach Verlängerung des 9-Euro-Tickets wird lauter

Wegen der hohen Nachfrage war zuletzt aber der Ruf nach einer Verlängerung des 9-Euro-Tickets in der Politik laut geworden. So dringt vor allem die Linke auf eine Nachfolgelösung. Im Interview mit kreizeitung.de schlug Verkehrsexperte Bernd Riexinger die Einführung eines 365-Euro-Tickets vor. Die Verbraucherzentralen dringen auf ein 29-Euro-Ticket, das bundesweit für Fahrten in Bussen und Bahnen des ÖPNV gelten soll.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte diese Forderungen zunächst abgelehnt. Doch jetzt vollzog er die Kehrtwende. Denn um die Erreichung der Klimaziele nicht zu gefährden, muss jedes Ressort für das Klimaschutzprogramm CO₂-Einsparmaßnahmen benennen. Deshalb ließ Wissing nun das Klimaticket in den Gesetzentwurf reinschreiben.

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Im Gegensatz zu Bayern stößt dieses Vorgehen im Norden auf Zustimmung. Nachdem sich Niedersachsens CDU-Landeschef bereits für ein Deutschlandticket starkgemacht hatte, signalisierte auch Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) ihre Zustimmung zu dem Plan. „Ein Anschlussticket an das 9‑Euro-Ticket kann ich nur begrüßen“, sagte die Bremer Mobilitätssenatorin, die derzeit auch Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz ist, dem RND.

Allerdings betonte auch sie, dass allein niedrige Ticketpreise die angestrebte Verkehrswende nicht bewirken könnten. Zusätzlich sei es wichtig, dass der Bund mittelfristig auch mehr Mittel für den Ausbau des Schienennetzes und für die Beschaffung von neuen Zügen zur Verfügung stellen müsste.

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