Privatjet statt Bahn

Klimaschutz? Von der Leyen empört mit 47-Kilometer-Flug

Von Wien nach Bratislava: Für den Kurztrip nahm Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Privatjet– und provoziert damit einen Aufschrei. Doch zurecht?

Berlin – Ärger wegen eines Ultra-Kurzstrecken-Trips: Wegen eines 19-Minuten-Fluges in einem Privatjet hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) für reichlich Empörung gesorgt. So kritisierte der Bund der Steuerzahler die Politikerin aus Niedersachsen in einer ersten Reaktion scharf. Abgesehen von den hohen Kosten für den Steuerzahler sei die Reise in Zeiten des Klimawandels eine absolute „ökologische Sünde“, wetterte der Generalsekretär in der Bild-Zeitung. Auch im Netz und sogar in der eigenen Partei stand von der Leyen mächtig am Pranger.

Deutsche Politikerin:Ursula von der Leyen (CDU)
Aktuelles Amt:EU-Kommissionspräsidentin
Gehalt: 25.500 Euro brutto im Monat
Privat:verheiratet, sieben Kinder

Was war passiert? Wie die Bild-Zeitung berichtete, reiste von der Leyen am 21. Juni 2021 von Wien in die slowakische Hauptstadt Bratislava. Die beiden Städte liegen dem Medienbericht zufolge nur 47 Kilometer voneinander entfernt, weniger als die Entfernung zwischen Hamburg und Lübeck. Dauer des Fluges, der 1130 Kilogramm CO₂-Ausstoß verursacht haben soll: 19 Minuten. Die alternative Reisemöglichkeit mit der Bahn hätte nur eine Dreiviertelstunde länger gedauert.

Klimaschutz: Ursula von der Leyen (CDU) fliegt 47 Kilometer im Privatjet von Wien nach Bratislava

Im Netz löste der Trip hitzige Debatten aus – vor allem auch angesichts der aktuellen Klimaschutzdebatten. „Diese heuchlerische Politik ist bald nicht mehr zu ertragen“, beschwerte sich ein Nutzer auf Twitter. Von der Leyen habe sich damit als „Möchtegern-Weltretterin“ entpuppt, schimpfte ein anderer. Der Ärger speist sich vor allem aus der Tatsache, dass viele Deutsche wegen der Erderwärmung ihre Lebensgewohnheiten im Alltag ändern sollen.

Sorgt mit einem Flug im Privatjet für viel Wirbel: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU).

Doch trotz der vielen Kritiker zeigten einige User auch Verständnis für die CDU-Politikerin. „Es geht um die Sicherheit“, gab jemand zu bedenken. Eine Auto-Eskorte sei vermutlich ebenso aufwendig. „Wäre sie mit dem Zug/Auto gefahren, wäre der Aufschrei ebenso groß“, vermutete eine weitere Nutzerin. Personenschutz mit Beamten und Polizeibegleitung sei für den Steuerzahler auch nicht billiger. Außerdem hätte der Flieger von der Leyen ohnehin am Abend wieder aus Bratislava abholen müssen.

Tatsächlich war von der Leyen an diesem Tag in mehrere europäische Hauptstädte unterwegs. So flog sie von der Slowakei gleich weiter nach Riga. Die gesamte Reise in insgesamt sieben Städte in zwei Tagen diente dem Werben um die Freigabe von Corona-Hilfsmitteln. Vor diesem Hintergrund verteidigte ein Sprecher von der Leyens auch die Organisation. Man habe lange abgewägt und sich dann für das Flugzeug entschieden – auch aus Gründen des Gesundheitsschutzes. Bei einer Zugfahrt habe es wegen der Corona-Ansteckungsgefahr viele Bedenken in der Delegation gegeben.

Klimawandel: Kurzstrecke mit Flugzeug – Kommissionspräsidentin empört die Steuerzahler

Dennoch stürzt der Trip von der Leyen in eine Glaubwürdigkeitsfalle. Zuletzt versuchte sich die gebürtige Niedersächsin und ehemalige Verteidigungsministerin die EU-Kommission als Vorreiter bei der Bekämpfung des Klimawandels zu machen. „Wir alle, weltweit, müssen viel mehr Tempo machen“, hatte sie erst vor wenigen Tagen bei der Eröffnung der UN-Weltklimakonferenz in Glasgow gesagt. Zuvor hatte sie gemahnt, dass der Klimaschutz keinen Aufschub mehr dulde. Es gehe um das Überleben der Menschheit, so von der Leyen.

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Genau vor diesem Hintergrund sind nun auch Parteifreunde in den eigenen Reihen, die zuletzt immer wieder ehrgeizige Klimaziele anmahnten, eher unglücklich über die Reiseplanung der Kommissionspräsidentin. So kritisierte die CDU-Abgeordnete Jana Schimke in der Bild: „Wenn man Wandel will, dann muss man ihn auch vorleben. Ansonsten wird man unglaubwürdig.“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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