Weitere Annäherung

Kim Jong Uns Schwester reist zu Olympia nach Südkorea

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Kim Yo Jong, Schwester von Kim Jong Un, ist nach Südkorea gereist.

Zum ersten Mal ist ein Mitglied der nordkoreanischen Kim-Dynastie nach Südkorea gereist. Auch das protokollarische Staatsoberhaupt von Nordkorea ist Teil der Delegation.

Die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang sind nicht nur ein riesiges Sportereignis - wegen der Teilnahme Nordkoreas kommt ihnen auch diplomatische Bedeutung zu. Ein Überblick über die mehr als 500 Gäste, die aus dem Norden in den verfeindeten Süden reisen, und über die Aussichten auf eine Annäherung beider Staaten.

Machthaber Kim Jong Un schickt seine jüngere Schwester Kim Yo Jong nach Pyeongchang. Sie ist das erste Mitglied der Kim-Dynastie, das Südkorea besucht. Beobachtern zufolge will Kim seine Schwester, die bereits ein führendes Mitglied der Arbeiterpartei ist, zu einer der wichtigsten Führungspersönlichkeiten des Landes aufbauen.

Angeführt wird die nordkoreanische Delegation vom protokollarischen Staatsoberhaupt Kim Yong Nam. Er ist formal gesehen der ranghöchste nordkoreanische Regierungsvertreter, der jemals in den Süden gereist ist. Sein politischer Einfluss gilt aber als begrenzt. Kim Jong Uns Schwester und Kim Yong Nam sollen am Samstag Südkoreas Präsidenten Moon Jae In treffen.

Große Medaillenhoffnung? Fehlanzeige

22 nordkoreanische Sportler nehmen an den Olympischen Winterspielen teil. Zwölf von ihnen gehören dem Damen-Eishockeyteam an, das Nord- und Südkorea gemeinsam aufgestellt haben. Außerdem nehmen drei Skilangläufer, drei Alpinskifahrer, zwei Eisschnellläufer und das Eiskunstlauf-Paar Ryom Tae Ok und Kim Ju Sik an den Winterspielen teil. Medaillenchancen werden nur Ryom und Kim eingeräumt.

Die Athleten Nord- und Südkoreas laufen bei der Eröffnungszeremonie gemeinsam hinter der sogenannten Flagge der Vereinigung ein. Die Fahne zeigt eine hellblaue Silhouette der Halbinsel auf weißem Grund.

Sie werden auch als die "Armee der Schönheiten" bezeichnet: 229 nordkoreanische Cheerleader sind in den Süden gereist. Die handverlesenen Frauen - neben gutem Aussehen werden auch eine stramm kommunistische Gesinnung und Loyalität gegenüber der Regierung verlangt - sollen die nordkoreanischen Sportler anfeuern. Und weil es derer nicht so viele gibt, auch südkoreanische Wettkampfteilnehmer.

Die Cheerleader sorgten schon für Aufregung, als sie in knielangen, scharlachroten Mänteln mit Pelzkragen und Pelzmützen im Süden ankamen. "Ich will es nicht sagen, aber Nordkoreas Cheerleader sind ziemlich hübsch", schrieb ein Twitter-Nutzer. "Ihr könnt Steine auf mich werfen, aber die Wahrheit ist die Wahrheit."

Proteste und Warnungen vor nordkoreanischer "Propaganda"

Der Besuch aus dem Norden stößt im Süden nicht nur auf Gegenliebe. Eine nordkoreanische Künstlertruppe wurde bei ihrer Ankunft im Süden von hunderten wütenden Demonstranten empfangen. "Wir befinden uns im Kriegszustand und wir laden die Prostituierten unseres Feindes ein", sagte ein Demonstrant. Viele Südkoreaner werfen dem verfeindeten Nachbarland vor, die Olympischen Winterspiele mit einer Charmeoffensive kapern zu wollen.

Auch US-Vizepräsident Mike Pence warnte kürzlich, Nordkorea dürfe das Sportereignis nicht für "Propaganda kidnappen". Das kommunistische Land könne nicht hinter der olympischen Flagge verbergen, dass es "seine eigene Bevölkerung versklavt und eine ganze Region bedroht".

Ende der diplomatischen Eiszeit im tiefen Winter?

Die Olympischen Winterspiele haben zu einer vorsichtigen Annäherung zwischen Nordkorea und Südkorea geführt, zwei Staaten, die sich technisch gesehen immer noch im Kriegszustand befinden. Seoul spricht sogar von "Olympischen Spielen des Friedens". Es herrscht aber große Skepsis, dass die Erwärmung der Beziehungen über die Abschlussfeier hinaus Bestand haben wird.

Der international isolierte Norden hält unverdrossen an seinem Atomwaffen- und Raketenprogramm fest. Nur einen Tag vor der Eröffnungszeremonie hielt Nordkorea in Pjöngjang eine große Militärparade ab. Südkorea und die USA werden zudem bald wieder gemeinsame Militärübungen abhalten - der Norden reagiert darauf regelmäßig mit Wutausbrüchen und Drohungen.

afp

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