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Kein Ende im Ukraine-Krieg in Sicht: Wieso Putin nun die Eskalation sucht

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Von: Felix Busjaeger

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Russland beschießt die Ukraine mit Raketen. Ein Ende des Ukraine-Kriegs ist nicht in Sicht. Für Wladimir Putin hat die jüngste Eskalation einen Grund.

Kiew/Moskau – Raketenangriffe, eine gescheiterte Offensive und neue Drohungen mit Atomwaffen: Der Ukraine-Krieg hat wieder an Dynamik gewonnen, ein Ende des Kriegs in der Ukraine rückt dabei immer weiter in die Ferne. Nachdem die Ukraine am Montag, dem 10. Oktober, im Zentrum schwerster Raketenangriffe steht, herrscht im gesamten Land der Ausnahmezustand. Die ukrainische Hauptstadt Kiew war eigentlich schon länger nicht mehr Mittelpunkt des Kriegsgeschehens, doch dies hat sich mit einem Schlag wieder geändert. Berichte besagen, dass auch das Büro des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj getroffen wurde. Was die neuste Offensive von Russland für den Krieg bedeutet.

Russland eskaliert Krieg mit der Ukraine: Wann endet der Ukraine-Krieg?

Wann endet der Ukraine-Krieg? Spätestens kurz nach Ausbruch der Kämpfe im vergangenen Februar fragen sich Menschen weltweit, wie lange Wladimir Putin an der Offensive festhalten will. Zwischenzeitlich sah es danach aus, als würde die Ukraine die Oberhand haben, die russische Streitkräfte zurückdrängen und die besetzten Gebiete zurückerobern. Unterschiedliche Vertreter sprachen schon vom Kriegsende in der Ukraine. Doch offenbar gibt Wladimir Putin nicht klein bei: Erst im September sorgte Putin mit der Teilmobilmachung in Russland für Aufregungen. Zahlreiche Menschen zogen in der Folge protestierend durch die größeren Städte des Landes.

Massive russische Raketenangriffe treffen Kiew: Schwarzer Rauch über der ukrainischen Hauptstadt.
Massive russische Raketenangriffe treffen Kiew: Schwarzer Rauch über der ukrainischen Hauptstadt. © Yevhen Kotenko/Imago

Putins Signal dahinter war klar: Die Ukraine kann noch so viele Gewinne verzeichnen, Russland wird die eigenen Verluste einfach ausgleichen. Während sich der Kremlchef interner Kritik stellen musste, setzte die Ukraine unbehelligt die Gegenoffensive fort und trieb die russische Armee vor sich her. Am zweiten Oktoberwochenende folgte dann aber ein Angriff, der die Lage im Ukraine-Krieg zur nächsten Eskalationsstufe brachte: der Angriff auf die Krim-Brücke. Viele Erfolge der Ukraine wurden zuletzt General Walerij Saluschnyj zugerechnet.

Raketenangriff nach Beschuss von Krim-Brücke: Putin rechtfertigt Reaktion – kein Ende im Ukraine-Krieg

Nach massiven Angriffen war das kilometerlange Bauwerk, das für Wladimir Putin eine wichtige Verbindung zum ukrainischen Festland darstellt und ein Schlüsselinstrument in der Versorgung der Truppe ist, schwer beschädigt. Russland bezeichnete den Angriff als terroristischen Akt und kündigte umgehend Vergeltung an. Diese folgte prompt: Nach den Raketenangriffen am Montag, dem 10. Oktober, auf zahlreiche Städte in der Ukraine hat Kremlchef Putin, der erst kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte, die Operation als „Reaktion auf die Terroranschläge“ gerechtfertigt und zugleich gedroht, dass noch „härtere Antworten“ folgen werden, wenn die Ukraine ihre Angriffe fortsetzt.

Wie verheerend die russischen Raketenangriffe in der Ukraine waren, kann derzeit noch nicht eingeschätzt werden. Allerdings berichten ukrainische Medien von mehreren Toten und Verletzten. Der Berater des Innenministeriums, Anton Geraschtschenko, sprach am Montag von mindestens fünf Toten in Kiew. Zudem sei auch ein Kinderspielplatz von Raketen getroffen worden. Wie eine militärische Reaktion der Ukraine auf die Angriffe aussehen könnte, ist noch offen, doch sicher ist, dass die jüngsten Entwicklungen einem baldigen Ende des Ukraine-Kriegs im Weg stehen.

Neue Phase im Ukraine-Krieg erreicht: Auch Kadyrow droht Selenskyj

Insgesamt zeigen die jüngsten Eskalationen im Ukraine-Krieg, dass womöglich eine neue Phase erreicht wurde: Der Ton wird rauer und die gezielten Angriffe verheerender, auch wenn Putin bisher von einer neuerlichen Atom-Drohung absieht. Die Ukraine brachte Putins Armee quasi dem Ende nahe. Nach dem Raketenbeschuss auf die Ukraine hat auch der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow, der mit seinen Bluthunden in den Kämpfen mitmischt, die Attacken als Vergeltung für die Explosion an der Krim-Brücke am Samstag verteidigt. „Was hast du Penner-Selenskyj denn gedacht: Du darfst und andere nicht“, schrieb er am Montag auf seinem Telegram-Kanal.

Doch damit nicht genug: „Wir haben dich, Selenskyj, gewarnt, dass Russland noch nicht einmal richtig angefangen hat, also hör auf zu jammern wie eine Niete und renn lieber, so lange es noch nicht bei dir eingeschlagen hat“, drohte Kadyrow an den ukrainischen Präsidenten gerichtet. Gegenüber der Tagesschau bestätigte auch Osteuropa-Experte Gerhard Mangott, dass die Drohungen im Ukraine-Krieg eine neue Qualität erreicht haben. Auch der Einsatz von Atomwaffen gehört bereits seit längerem zur Rhetorik von Wladimir Putin.

Ukraine News: Experte hat Beschuss von Kiew erwartet – Symbolträchtiger Angriff auf die Ukraine

„Was wir jetzt sehen, ist die nächste Stufe der russischen Eskalation“, sagte General a.D. Roland Kather gegenüber der Welt. Seiner Einschätzung nach war der russische Angriff auf Kiew nur eine Frage der Zeit. Der Beschuss der Krim-Brücke hätte eine symbolträchtige Bedeutung gehabt, auf die Moskau reagieren musste. Der großflächige Raketenangriff auf die Ukraine und die Hauptstadt Kiew trifft die ukrainische Regierung nun wohl gleichermaßen. Nachdem die ukrainische Armee in vielen Landesteilen massive Raumgewinne verzeichnen könnte, sei die Moral der Truppe deutlich gestiegen.

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Womöglich könnte dies dazu geführt haben, dass auch die Bevölkerung der Ukraine allmählich davon ausgegangen ist, dass der Krieg in der Ukraine ein baldiges Ende finden könnte. Ein Trugschluss, wie sich nun zeigt. Wladimir Putin hat zwar in den vergangenen Wochen deutlich an Einfluss in der Ukraine verloren, doch ihn treibt weiterhin an, dass er viel zu verlieren hat: seine Macht in Russland. Mit der jetzigen Machtdemonstration wird er wohl seine innenpolitischen Kritiker besänftigt haben.

Ende des Ukraine-Kriegs: Wohl kein Atomkrieg durch Russland

Inwieweit der Ukraine-Krieg noch eskalieren wird, bevor ein Kriegsende möglich ist, kann derweil nicht abgesehen werden. Der Historiker Timothy Snyder von der Universität Yale glaubt allerdings nicht, dass Russland einen Atomschlag erwägen würde. Seiner Einschätzung nach sei es wichtig, dass die Ukraine auf dem Schlachtfeld weiter Gewinne verzeichne. Das würde den Druck auf die russische Politik und schlussendlich auf Wladimir Putin. Dieser wiederum würde mutmaßlich auf mentale, nukleare Erpressung bauen, um seine Interessen weiter durchzubringen. Ob dieser Weg zum Ende des Ukraine-Kriegs führen kann, bleibt allerdings abzuwarten.

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