Klare Kampfansage

Neuer Gesundheitsminister? Karl Lauterbach greift nach Spahns Posten

Er wird geliebt oder gehasst: Karl Lauterbach (SPD). Er gilt als Corona-Erklärer. Jetzt will er Gesundheitsminister werden. Doch wie realistisch ist das?

Berlin – Es ist eine unmissverständliche Ansage: SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach* will nach der Bundestagswahl neuer Gesundheitsminister werden. Wenige Wochen vor dem Urnengang unterstrich der Corona-Experte seine Ambitionen auf den Posten des umstrittenen Jens Spahn (CDU). „Das Amt des Gesundheitsministers finde ich nach wie vor sehr reizvoll“, sagte der Sozialdemokrat in einem Interview mit dem Spiegel. Er sei recht zuversichtlich, dass ihn „diese Aufgabe nicht überfordern würde“, fügte er hinzu. Doch gegen den 58-jährigen Mediziner gibt es erhebliche Widerstände – bei Bürgern, aber auch in der eigenen Partei.

Deutscher Politiker:Karl Lauterbach (SPD)
Geboren:21. Februar 1963 (Alter 58 Jahre), Düren
Ehefrau:Angela Spelsberg (verheiratet von 1996 bis 2010)
Aktuelles Amt:Bundestagsabgeordneter

Seit 2005 sitzt der Arzt und Gesundheitsökonom als Bundestagsabgeordneter im deutschen Parlament. Für den Wiedereinzug bei der anstehenden Wahl im September muss Lauterbach, der sich vor knapp zwei Jahren zusammen mit Nina Scheer vergeblich um den Parteivorsitz beworben hatte, seinen Wahlkreis in Köln und Leverkusen als Direktkandidat gewinnen. Der SPD-Landesverband hatte ihn bei der Listenaufstellung übergangenen und nur auf den wenig aussichtsreichen 23. Platz gewählt.

Karl Lauterbach (SPD): Der Corona-Erklärer will Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beerben

Das Verhältnis zwischen Lauterbach und seiner Partei gilt durchaus als kompliziert. Bereits öfter wurde er bei Koalitionsverhandlungen wegen seiner fachpolitischen Kompetenz als Gesundheitsminister gehandelt. Doch meistens musste er Parteifreunden den Vortritt lassen oder das Ministerium ging stets an die CDU. Er hoffe, sagte Lauterbach nun, dass das Ministerium noch in diesem Jahr wieder in SPD-Hand fallen würde.

Hier, ich mache es: Karl Lauterbach (SPD) hat Interesse an dem Posten des Gesundheitsministers angemeldet.

Grundsätzlich beurteilt Lauterbach seine Ministerchancen als gut. Das schlechte Abschneiden bei der Listenaufstellung führt er auf einige Funktionäre zurück, „die sich immer zuerst berücksichtigen“, kritisierte Lauterbach. „Ich bilde mir ein, dass ich bei den Mitgliedern der SPD sehr beliebt bin“, sagte er dem Spiegel.

Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde Lauterbach seit Beginn der Pandemie. Als Mediziner erklärte er den Deutschen von Anfang an die Corona-Welt – und scheute sich dabei auch nicht, die harten Wahrheiten auszusprechen. Früher als viele andere forderte er zur Eindämmung der Pandemie unpopuläre Gegenmaßnahmen. Die einen feiern Lauterbach, der zu einem Dauergast bei ZDF-Talker Markus Lanz* geworden ist, für seine Prognosen. Die anderen hassen ihn für seine Fürsprache für einen Knallhart-Lockdown.

Lauterbach: „Viele Dinge darf ich ohne Personenschützer jetzt gar nicht mehr machen“

Insbesondere von Corona-Leugnern und Querdenkern wurde Lauterbach in den vergangenen Monaten hart angegriffen und teilweise auch bedroht. Beleidigungen sind an der Tagesordnung, seine Privatadresse wurde veröffentlicht und sein Haus mit Farbe beschmiert. Für Lauterbach sind das harte Eingriffe ins Privatleben, wie er nun verriet. „Ich muss alles, was ich unternehmen will, viel besser planen. Viele Dinge darf ich ohne Personenschützer jetzt gar nicht mehr machen“, sagte er. „Spontan geht fast nichts mehr.“

Trotzdem will er es jetzt noch einmal wissen. Als Gesundheitsminister jedenfalls würde ihn das Corona-Thema weiterhin begleiten. Doch inwieweit er Gelegenheit bekommt, an führender Stelle mitzuwirken, bleibt abzuwarten. Zwar holt die SPD in den Umfragen langsam auf. Doch die Sozialdemokraten liegen immer noch knapp hinter den Grünen und weit hinter der CDU auf Platz drei auf der Beliebtheitsskala. Für die Übernahme von Jens Spahns Posten ist das noch zu wenig. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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