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Was versteht man unter „kalte Progression“?

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Christian Lindner will mit Steuerentlastungen die „kalte Progression“ abfedern. Was genau das überhaupt bedeutet, ist vielen derweil unklar. Eine Erklärung.

Berlin – Christian Lindners neues Entlastungspaket sorgt für Wirbel: Kritiker, auch von den Regierungspartnern, halten es für sozial unausgewogen, der Finanzminister verteidigt es als sozial ausgeglichen. Der FDP-Chef möchte mit seinen Maßnahmen die „kalte Progression“ aufhalten. Nur: Was ist das überhaupt? Immer wieder ist in der aktuellen Debatte die Rede von einem ökonomischen Effekt, von dem viele gar nicht wissen, was er bedeutet. Die Kreiszeitung mit einer Erklärung.

Kalte Progression Bedeutung: Was vertseht man unter „kalte Progression“? – Lindner will sie aufhalten

Finanzminister will mit seinen Steuerentlastungen gegen die „kalte Progression“ in Deutschland vorgehen, das zumindest ist ausgewiesenes Ziel von Christian Lindners (FDP) Entlastungspaket. Doch was ist kalte Progression? Vielen Menschen ist der ökonomische Mechanismus kein Begriff. Dabei geht es um einen Effekt, der mit Lohnerhöhungen, Inflation und Steuern zusammenhängt – und zuungunsten der Arbeitnehmenden geht. Die Bedeutung kalter Progression lässt sich kurz zusammenfassen.

Christian Lindner
Bundesfinanzminister Christian Lindner will „die kalte Progression bekämpfen“. Was ist das überhaupt? © Tobias Schwarz/AFP Pool/dpa

Konkret handelt es sich dabei um folgenden Effekt bei der „Kalten Progression“: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten eine Lohnerhöhung, die die Inflation ausgleichen soll. Durch den höheren Lohn wiederum rutscht die jeweilige Person in einen höheren Steuertarif. Das bedeutet im Klartext: Es fallen mehr Steuern an. In der Konsequenz hat der betroffene Arbeitnehmer oder die betroffene Arbeitnehmerin nicht mehr Geld zur Verfügung, als zuvor.

„Kalte Progression“ könnte als schleichende Steuererhöhung angesehen werden

Im Gegenteil: Mit Blick auf die Kaufkraft ist ein Rückgang zu verzeichnen. Dieser Effekt nennt sich „kalte Progression“. Kurzum: Kalte Progression ist gewissermaßen eine schleichende Steuererhöhung, wenn Gehaltserhöhungen durch die Inflation aufgefressen werden, aber dennoch eine höhere Besteuerung verursachen.

Kampf gegen kalte Progression 2023: Die Steuerlast soll um 10 Milliarden Euro sinken

Christian Lindners neues Entlastungspaket soll die Steuerlast für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland deutlich senken. Im Kampf gegen die kalte Progression 2023 will der FDP-Chef die Steuerlast insgesamt um etwa zehn Milliarden Euro verringern. Lindner hatte verkündet, seiner Einschätzung nach würde die durchschnittliche Entlastung bei 192 Euro liegen.

Kalte Progression in Deutschland: Lindner will mit Steuerentlastungen bremsen

Der kalten Progression in Deutschland hat Finanzminister Christian Lindner den Kampf angesagt. Sein sogenanntes Inflationsausgleichsgesetz nimmt vor allem Steuerentlastungen in den Fokus, einige Medien sprechen bereits jetzt von einem Steuerentlastungsgesetz. Lindner hatte zuletzt erklärt, von seinen Maßnahmen würden 48 Millionen Menschen in Deutschland profitieren. Doch es gibt Kritik an den Plänen zu Steuerentlastungen.

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Kritisiert wird vor allem, dass nach Einschätzung vieler Beobachter Wohlhabende am meisten von den Entlastungen profitieren würden. Aus verschiedenen Ecken der Politik und Wirtschaft regt sich Widerspruch. Auch Veronika Grimm, Wirtschaftsweise und Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, äußerte sich gegenüber der Rheinischen Post kritisch.

Sie erklärte der Zeitung, es sei grundsätzlich richtig, die kalte Progression auszugleichen und die Mitte der Gesellschaft zu entlasten. „Andererseits brauchen wir zurzeit eine Entlastung vorwiegend der unteren und mittleren Einkommen, die die Härten durch die Preissteigerungen nicht allein tragen können“, so Grimm. Sie befindet „Eine Reform, bei der nominal die Besserverdienenden mehr gewinnen, kommt einfach zum falschen Zeitpunkt“. Christian Lindner selbst ist indes offenbar taub für die Kritik: Er bekundet, seine geplante Steuerentlastung sei „sozial ausgeglichen“.

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