Arbeitsmarktstudie

Jobwunder durch Elektroauto? Ostdeutschland profitiert

Elektro- statt Verbrennungsmotor: Rettet der Umbruch viele Arbeitsplätze in der Autoindustrie? Ja, sagt eine neue Studie der Boston Consulting Group (BCG).

Hannover – Tesla baut ein Werk in Brandenburg, VW produziert seine Modelle in Zwickau: Die Elektromobilität ist auf dem Vormarsch – und zwar in Ostdeutschland. So prophezeien Experten den Regionen jetzt einen ordentlichen Beschäftigungszuwachs von neun Prozent in den kommenden Jahren, wie aus einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group (BCG) hervorgeht, über die die „Welt“ zuerst berichtete. „Wir glauben, dass Ostdeutschland besonders profitieren wird“, sagte Autor Kristian Kuhlmann der Tageszeitung.

Deutscher Wirtschaftszweig:Automobilindustrie
Beschäftigte insgesamt:823.000 (inklusive Zuliefererbetriebe)
Export ins Ausland:2,65 Millionen Autos (2020)

Grundsätzlich steht die deutsche Schlüsselindustrie vor einem gewaltigen Strukturumbruch, auch im Autoland Niedersachsen. Bis 2030 wollen die meisten Autobauer wie Volkswagen, Daimler oder BMW aus dem Geschäft mit dem Verbrennungsmotor ausgestiegen sein und dann nur noch Elektromodelle verkaufen – im Gegensatz zu Toyota*. Dass der Umstieg auf die Elektromobilität nicht ohne Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt vonstattengeht, ist seit Jahren klar. Insbesondere in der klassischen Autofertigung, aber auch bei vielen Zulieferern werden hunderttausende Jobs wegfallen.

Jobkiller Elektroauto? Studie bescheinigt der Autoindustrie einen Beschäftigungszuwachs

Doch dass die Zukunftsperspektive nicht nur düster ist für die Beschäftigten, das soll nun die von der Elektro-freundlichen Lobbygruppe Agora in Auftrag gegebene BCG-Studie belegen. So kommt die Untersuchung zu dem Ergebnis: Klappt der Umstieg bis 2030, dann entstehen in der Folge genauso viele neue Jobs in der Autoindustrie wie sie an anderer Stelle gestrichen werden müssen. In der Summe bleibe die Zahl der Beschäftigten gleich, verspricht Kuhlmann.

Jobwunder Elektromobilität: Laut einer Studie sichert der Umstieg in der Autoindustrie Arbeitsplätze in Ostdeutschland.

Das Minus in der traditionellen Autoproduktion beziffern die Studienautoren auf 220.000 Jobs. Dem gegenüber könnten in dem gleichen Zeitraum bis 2030 aber bis zu 205.000 neue Arbeitsplätze entstehen, etwa in den neuen oder ausgebauten Batteriezellenfabriken. Das bezieht sich aber nur auf Hersteller, Zulieferer und Werkstätten. Nimmt man auch Unternehmen mit hinzu, die sich auf die Erzeugung von Strom oder den Aufbau der Ladeinfrastruktur konzentrieren, könnte sogar ein leichtes Beschäftigungsplus entstehen.

Allerdings wird der Strukturwandel laut BCG die Regionen unterschiedlich treffen. Bundesländer, deren Industrie bisher stark im Motorenbau engagiert ist, werden demnach deutlich mit der Transformation zu kämpfen haben als andere. Dies könnte also für Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen gelten. „Innerhalb der Bundesländer wird es deutliche Verschiebungen geben“, warnt Kuhlmann. Für Arbeitnehmer bedeutet das in Zukunft ein hohes Maß an Flexibilität.

Aus für Verbrenner: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock verspricht Hilfe bei Umbau zur Elektromobilität

Arbeitgeber wie Gewerkschaften planen für die Transformation riesige Umschulungsprogramme. Bei Volkswagen und Continental etwa wurden bereits eigene Akademien gegründet, um die eigenen Mitarbeiter neu zu qualifizieren und fit für die Zukunft zu machen. Die BCG-Berater machen aber den Beschäftigten Mut. Insgesamt stünden die Zeichen ganz gut, dass die deutsche Autoindustrie gestärkt aus dem Prozess hervorgehen könnte, hieß es in dem Bericht. Immerhin hätten die Autobauer die Transformation mittlerweile selber eingeleitet.

Hilfe soll der wichtige Industriezweig auch seitens der Politik bekommen. So sicherten die drei Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) erst in der vergangenen Woche beim Tag der Deutschen Industrie ihre Unterstützung zu. Besonders kritisch wurde dabei die Grüne von der Wirtschaft beäugt*. Immerhin will sie den Fabriken eine klimaneutrale Produktionsweise abverlangen. Im Gegenzug versprach sie den Autobauern aber für die Umstellung staatliche Zuschüsse. Schließlich sei die Industrie eine Säule des Wohlstandes, so Baerbock. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und auto24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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