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Russische Kriegsschiffe vor Japan gesichtet: „Das ist kein Zufall“

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Von: Nail Akkoyun

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Vor der eigenen Küste entdeckt das japanische Verteidigungsministerium Kriegsschiffe aus Russland und China. Was steckt dahinter?

Hokkaido/Chiba – Wie das japanische Verteidigungsministerium am Dienstag (21. Juni) mitteilte, wurden mehrere Kriegsschiffe aus Russland und China vor der japanischen Küste gesichtet. Weiter seien die russischen Kriegsschiffe von einem U-Boot-Zerstörer angeführt worden. Die Schiffe fuhren demnach die sogenannte Tsushima-Straße entlang, die Japan und Südkorea trennt. Dies sei „kein Zufall“, sagte Japan-Historiker Takuma Melber im Gespräch mit kreiszeitung.de.

„Tokio hat entschlossen den Schulterschluss mit dem Westen und vor allem seinem wichtigsten geostrategisch-politischen Partner, den USA, vollzogen, die ja zugleich die militärische Schutzmacht Japans darstellen. Zehntausende amerikanische Soldaten sind auf japanischem Territorium stationiert, Japan stellt eine der wichtigsten, wenn nicht gar die wichtigste Militärbasis der USA im Pazifik dar“, sagte Melber.

Das russische Manöver gelte daher insbesondere einem Adressaten: den USA. „Es ist ein klares Statement Putins und muss als Reaktion auf das Treffen der Quad-Alliance gewertet werden“, erläuterte der Historiker der Universität Heidelberg weiter. Die Allianz, bestehend aus Japan, den USA, Australien und Indien „wollten und wollen klare Kante gegenüber China und Russland zeigen und den Indopazifik als Einflusssphäre“ nicht allein Peking und Moskau überlassen.

Gemeinsame Militärübungen von Russland und China im Japanischen Meer im Oktober 2021.
Gemeinsame Militärübungen von Russland und China im Japanischen Meer im Oktober 2021. © Vitaliy Ankov/Imago

Trotz Vorfällen in der Vergangenheit: Japan will „konfrontativen Kurs gegenüber Russland“ beibehalten

Die aus fünf Schiffen bestehende russische Flottille befinde sich seit einer Woche in der Nähe japanischer Inseln, von Hokkaido im Norden bis Okinawa im Süden, teilte das Ministerium in einer Presseerklärung mit. Hokkaido liegt nahe der Kurilen, eine territorial umstrittene Inselgruppe, die sowohl Russland als auch Japan für sich beanspruchen. Unterdessen wurden auch zwei chinesische Kriegsschiffe sowie ein Versorgungsschiff vor den Izu-Inseln nahe der Präfektur Chiba gesichtet. Wie der US-Nachrichtensender CNN vermutet, handelt es sich bei einem der Schiffe um die „Lhasa“ – einen chinesischen Lenkwaffenzerstörer vom Typ 55 und damit eines der stärksten Schiffe Chinas.

Melber zufolge sei es in der Vergangenheit schon mehrfach „zu derartigen Nadelstichen gegenüber Japan“ gekommen. Während Wladimir Putin gehofft haben dürfte, die japanische Regierung einschüchtern zu können, so Melbers Auffassung, bleibe Premierminister Kishida „einem konfrontativen Kurs gegenüber Russland“ treu. Japan bleibe im Ukraine-Krieg weiterhin der „wichtigste asiatische Unterstützer der westlichen Boykott- und Sanktionspolitik“.

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Xi Jinping ruft zu Frieden auf – Japan-Experte warnt vor weiteren Manövern von Russland und China

Japan behauptet bislang nicht, dass die russischen und chinesischen Seestreitkräfte ihre Aktionen gemeinsam koordiniert hätten, wie etwa im Oktober vergangenen Jahres. Damals nahmen insgesamt zehn Kriegsschiffe aus Russland und China an Übungen teil, bei denen sie einen Großteil des japanischen Archipels umrundeten. Ende Mai erklärte US-Präsident auf dem Quad-Gipfel in Tokio, dass man militärisch eingreifen würde, falls China versuchen sollte, das demokratische Taiwan mit Gewalt zu erobern. Washington nahm diese Äußerung später zurück, allerdings dürfte die starke US-Militärpräsenz in Japan Peking nun mehr denn je ein Dorn im Auge sein.

Erst am Mittwoch (22. Juni) hatte der chinesische Präsident Xi Jinping vor dem Hintergrund des Kriegs zur Wiederherstellung des Friedens aufgerufen. Zwar nannte Xi den Westen und die Nato nicht namentlich, kritisierte sie der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge jedoch indirekt: Staaten würden in Not geraten, „wenn sie blindes Vertrauen in ihre Stärke setzen, Militärbündnisse erweitern und ihre eigene Sicherheit auf Kosten anderer suche“.

Dabei kündigte Xi Jinping zuletzt an, die militärische Zusammenarbeit mit Russland wieder verstärken zu wollen. Sollte es künftig wieder zu gemeinsamen Manövern russischer und chinesischer Streitkräfte kommen, wäre das Takuma Melber zufolge „ein Grund zur Sorge“. Ohne Zweifel gelte es jetzt, „die militärischen Aktivitäten dieser beiden Länder im Pazifik weiter kritisch zu beobachten“.

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