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Niedersachsen-Wahl 2022: Vorläufiges Endergebnis ist da – FDP ist raus

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Von: Jens Kiffmeier

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Das vorläufige Endergebnis steht fest: Bei der Niedersachsen-Wahl 2022 wird die SPD mit Stephan Weil stärkste Kraft und die FDP fliegt raus. Was heißt das für die Ampel?

Hannover/Berlin – Der Alte ist auch der Neue: Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) steuert auf seine dritte Amtszeit zu. Bei der Niedersachsen-Wahl 2022 wurden die Sozialdemokraten zur stärksten Kraft – während die FDP aus dem Landtag flog. Das hat das vorläufige amtliche Endergebnis der Landtagswahl in Niedersachsen bestätigt, das am späten Sonntagabend, 9. Oktober 2022, in Hannover veröffentlicht worden ist.

Vorläufiges amtliches Endergebnis der Niedersachsen-Wahl 2022: Absolute Mehrheit für Koalition aus Rot-Grün möglich

Rein rechnerisch kann der Regierungschef nun mit seiner rot-grünen Wunsch-Koalition nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis der Niedersachsen-Wahl 2022 regieren. Doch Weil hielt sich noch eine Hintertür offen. Derweil löste das Ergebnis der Landtagswahl in Berlin ein kleines Beben aus. Denn nach dem Rauswurf der FDP wollen die Liberalen den Ton in der Ampel-Koalition abermals verschärfen.

Niedersachsen-Wahl 2022: Vorläufiges amtliches Endergebnis steht fest – SPD siegt, FDP fliegt aus Landtag

Das Endergebnis der Niedersachsen-Wahl 2022 war mit Spannung erwartet worden. Überschattet von der Energiekrise in Deutschland, war die Landtagswahl auch zu einer Abstimmung über bundespolitische Themen hochgezogen worden. „Das waren hier wirklich nicht nur Landtagswahlen“, sagte Weil in einer ersten Reaktion nach der Bekanntgabe der Ergebnisse. Die Auseinandersetzungen in den zurückliegenden Wochen seien teilweise sehr „hart“ gewesen. Umso erfreulicher sei es, dass die SPD die Wahl gewonnen hätte.

Niedersachsen-Wahl 2022Vorläufiges amtliches Endergebnis
SPD:33,4 Prozent
CDU:28,1 Prozent
Grüne:14,5 Prozent
AfD:10,9 Prozent
FDP:4,7 Prozent

Vorläufiges amtliches Endergebnis: SPD wird stärkste Kraft bei der Landtagswahl in Niedersachsen

Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis fuhr die SPD rund 33,4 Prozent der Stimmen ein. Die CDU verbucht lediglich 28,1 Prozent. Dies ist ihr schlechtestes Landesergebnis bei einer Landtagswahl in Niedersachsen seit mehr als 60 Jahren. Die Grünen legen dagegen deutlich zu und landen mit 14,5 auf Platz drei. Auch die AfD gewinnt stark hinzu und erreicht 10,9. Bitter endete der Abend für die Linke und die FDP. Während die Linke in keiner Hochrechnung über die drei Prozent hinauskam, zitterten die Liberalen den Abend lange um den Einzug in den Landtag. Doch am Ende reichte nicht. Die FDP verharrte bei 4,7 Prozent.

Somit lagen Jubel und Trauer dicht beieinander. Im Willy-Brandt-Haus frohlockten die Genossen. Nachdem sie bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr bereits zwei Niederlagen kassiert hatten, durften die Sozialdemokraten dieses Mal feiern – was sie vor allem dem Geschick von Weil als Wahlkämpfer zu verdanken hatten, der die SPD vor einer Enttäuschung quasi im Alleingang rettete.

Wahl in Niedersachsen: Olaf Scholz gratuliert Ministerpräsident Stephan Weil zum Wahlergebnis

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gratulierte seinem Parteifreund via Twitter: Das Wahlergebnis spreche eine klare Sprache, schrieb er am Abend in dem sozialen Netzwerk. „Die Bürgerinnen und Bürger trauen Dir zu, Niedersachsen auch in Zukunft mit Plan voranzubringen. Ich auch – Niedersachsen bleibt in guten Händen.“ Das Lob kommt dabei nicht von ungefähr. Denn anders als in Niedersachsen verzeichnet die SPD auf Bundesebene einen harten Absturz in den Umfragen. In den vergangenen Wochen hatten viele Deutsche den Sozialdemokraten das Hin und Her bei der Einführung der Gasumlage übel genommen.

Doch Weil schaffte es, dass der Bundestrend nicht auf seinen Wahlkampf abfärbte. Auch die Grünen-Spitzenkandidaten Julia Willie Hamburg und Christian Meyer konnten ihre Stimmenanteile gegen den totalen Absturz halten. Nun wollen beide Parteien über die Bildung einer rot-grünen Koalition verhandeln. Bereits im Vorfeld hatten beide Partner ihre Vorliebe für dieses Bündnis erkennen lassen.

Ergebnis bei Wahl in Niedersachsen ist da – doch wer regiert mit wem in Niedersachsen?

Steht laut vorläufigem amtlichen Endergebnis als Sieger da: Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).
Steht laut vorläufigem amtlichen Endergebnis als Sieger da: Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). © Julian Stratenschulte/dpa/Montage

Wer regiert in Niedersachsen jetzt mit wem? Noch am Wahlabend bekräftigte Weil das Vorhaben für Rot-Grün: „Wenn es die Grundlage dafür gibt, dann gilt meine Aussage vor der Wahl auch nach der Wahl“, sagte er in der ARD. Jedoch nutzte er auch zugleich die Gelegenheit, um sich noch eine Hintertür offenzuhalten. Abhängig vom vorläufigen amtlichen Endergebnis scheine Rot-Grün eine stabile Mehrheit zu haben, vor allem wegen des hohen SPD-Stimmenanteils, betonte der Regierungschef und schob zugleich hinterher, dass er grundsätzlich auch für Gespräche mit der CDU offen sei.

Niedersachsen-Wahl 2022: CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann verkündet Rücktritt

In der CDU muss man sich aber erst einmal neu sortieren. Spitzenkandidat Bernd Althusmann, der in den vergangenen Jahren als Wirtschaftsminister in der Großen Koalition in Niedersachsen mitregiert hatte, hatte im Wahlkampf bei der Niedersachsen-Wahl 2022 harte Attacken auf Weil gefahren und ihn als „ambitionslos“ kritisiert. Zugleich hatte er eine Neuauflage der Groko unter SPD-Führung ausgeschlossen. Noch am Abend zog Althusmann die Konsequenzen und trat von seinem Posten als Landeschef der CDU zurück. In der CDU wird nun erst einmal die Aufarbeitung vom schlechten Endergebnis stattfinden. Denn mit einem starken Lagerwahlkampf haben die Unionspolitiker womöglich auch der AfD Rückenwind gegeben – zulasten der eigenen Stimmenanteile.

Wahlergebnis zur Niedersachsen-Wahl: FDP droht mit Zoff in der Ampel-Koalition

Doch das vorläufige amtliche Endergebnis bei der Landtagswahl sorgt nicht nur in Niedersachsen in den Parteien für ein Beben. Auch in der Ampel-Koalition könnte der Wahlausgang noch für reichtlich Zoff sorgen. Während die SPD und die Grünen gestärkt aus der Abstimmung hervorgehen und daraus eine Bestätigung für ihren Kurs in der Politik sehen, fürchtet die FDP um den Verlust ihrer Erkennbarkeit. Für die FDP sei der Weg in die Bundesregierung mit zwei linken Parteien der weiteste gewesen, betonte Generalsekretär Bijan Djir-Sarai in der „Berliner Runde“ der ARD. Doch nach dem schlechten Abschneiden müsse man die Rolle in der Koalition vielleicht einmal hinterfragen, fügte er hinzu.

Die Aussagen lösten bei SPD und Grüne durchaus Sorgen aus. Denn ein Umdenken bei den eigenen Positionen plant die FDP nicht. Im Gegenteil. So wollen sich die Liberalen künftig noch stärker profilieren. „Die Rolle und die Stimme der FDP in dieser Koalition muss künftig noch deutlicher erkennbar sein als bisher“, forderte Bijan Djir-Sarai. Zuletzt hatten Profilierungsversuche jedoch meistens zu Zoff und Umfrageabsturz geführt.

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Grünen-Chef Omid Nouripour rief deswegen alle Ampel-Partner zur Geschlossenheit auf. „Wir haben ein Vertrauensverhältnis innerhalb der Koalition“, sagte er am Sonntagabend beim Nachrichtensender Phoenix. Ich gebe zu, manchmal ist es auf der Bühne lauter als hinter der Bühne. Das sollte so nicht sein und andersherum. Da sollten sich alle an die eigene Nase fassen.“

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