Totalausfall bei TV5 Monde

IS-Hacker führen "Cyber-Dschihad" gegen TV-Sender

+
Die Nachricht vom "Cyber-Kalifat" erschien bei dem Hacker-Angriff auf dem Sender TV5.

Paris - Mitten in der Nacht schlägt das „Cyber-Kalifat“ zu: Ein beispielloser Hackerangriff legt den französischen Sender TV5 Monde lahm. Die Aktion war wohl von langer Hand vorbereitet.

Im Namen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben Hacker die IT-Systeme des französischen Senders TV5 Monde gekapert und die Ausstrahlung der Fernsehprogramme stundenlang blockiert. Bei der massiven Cyberattacke platzierten sie Propaganda der Terrorgruppe auf den Webseiten und Social-Media-Konten des Senders. Frankreichs Premierminister Manuel Valls verurteilte die Aktion am Donnerstag über Twitter als „inakzeptable Verletzung der Informations- und Meinungsfreiheit“.

Eine Gruppe namens „Cyber-Kalifat“ bekannte sich im Internet zu dem Angriff, der am späten Mittwochabend begann. Ob tatsächlich der IS dahinter steckt oder Sympathisanten im Alleingang zur Tat schritten, war am Donnerstag noch unklar. Frankreichs Militär geht als Teil einer internationalen Koalition gegen die sunnitischen IS-Extremisten im Irak vor.

Nach Erkenntnis des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve gibt es zahlreiche Hinweise auf einen terroristischen Akt. Es sei nicht auszuschließen, dass ähnliche Angriffe wieder passieren könnten oder bereits geplant seien, sagte Cazeneuve in Paris. Nach Einschätzung des auf Sicherheitssoftware spezialisierten Unternehmens Blue Coat handelt es sich „um einen gut durchdachten Hack, dem detaillierte Einblicke in das Netzwerk und eine langwierige und intensive Vorbereitung zugrunde lagen“.

Die Attacke sei „beispiellos in der Fernsehgeschichte“, sagte Yves Bigot, Generaldirektor von TV5 Monde. Noch am Donnerstagnachmittag kämpfte der Sender mit den Folgen, zunächst lief nur Material aus der Konserve - Liveschalten und Nachrichtensendungen waren unmöglich.

Offensichtlich war die Aktion gut vorbereitet: „Alles ist sehr synchronisiert abgelaufen“, sagte die Digital-Chefin des Senders, Hélène Zemmour. Kurz nach Beginn des Angriffs gegen 22.00 Uhr am Mittwochabend sei das interne IT-System zusammengebrochen, anschließend waren auch die Programme betroffen. Der Sender habe eine sehr starke Firewall zur Abwehr vor unerlaubten Zugriffen, betonte Bigot im Radiosender RTL.

TV5 Monde ist ein international ausgerichteter Fernsehsender, der zum Großteil vom französischen Staat finanziert wird. Allerdings sind auch TV-Anstalten aus anderen französischsprachigen Staaten beteiligt, seine Programme sind in rund 200 Ländern zu empfangen. Am Mittwoch hatte der Sender einen neuen Kanal zur französischen Lebensart gestartet.

Französische Medien zeigten am Donnerstag Bilder der gehackten Facebook-Seite von TV5 Monde: Dort ist der Slogan „Je suIS IS“ („Ich bin IS“) zu sehen - eine Anspielung auf die Sympathiekundgebung „Je suis Charlie“ für die Opfer des blutigen Terrorangriffs auf die Redaktion des Satireblatts „Charlie Hebdo“ Anfang des Jahres.

Nach Berichten der französischen Nachrichtenagentur AFP waren auf der Facebook-Seite von TV5 Monde auch Drohungen gegen französische Soldaten zu lesen. Das „Cyber-Kalifat“ werde seinen „Cyber-Dschihad“ gegen die Feinde des IS fortsetzen, hieß es dort demnach.

Die IS-Terrormiliz ist in den vergangenen Wochen in Syrien und im Irak unter Druck geraten. Die Extremisten kontrollieren zwar in beiden Ländern noch immer große Gebiete, verloren aber zuletzt an Boden.

Terrorgruppe in Syrien: Das will der Islamische Staat

ISIS Irak
Die Kontrolle über die irakischen Großstädte Mossul und Tikrit sowie über Teile der nordirakischen Provinzen bringt die Dschihadisten der Terrororganisation ISIS ihrem Ziel der Gründung eines grenzübergreifenden islamischen Staates in der Region näher. © AFP
ISIS Irak
Der Name ISIS ist eine Abkürzung und steht für "Islamischer Staat im Irak und Syrien". © AFP
ISIS Irak
Die ISIS ist ein Kind des Irakkriegs (2003-2011) und wurde im syrischen Bürgerkrieg groß. Dass die ISIS nun wieder in den Irak zurückkehrt, ist auch ein Ergebnis gescheiterter Bemühungen um mehr Demokratie. © AFP
ISIS Irak
Etwas mehr als zehn Jahre nach dem Sturz von Saddam Hussein und den darauf folgenden Jahren des Aufstands und Terrors droht dem Irak ein Bürgerkrieg wie im benachbarten Syrien. © AFP
ISIS Irak
ISIS traue sich inzwischen "ambitionierte Operationen" wie die Verteidigung eingenommener Gebiete zu, sagt Michael Knights vom Institute for Near East Policy in Washington. © AFP
ISIS Irak
Die ISIS wolle einen "islamischen Staat", der Mossul, die Provinzen Salaheddin, Dijala und Anbar sowie Deir Essor und Rakka in Syrien einschließe, erläutert Asis Dschabr, Politikwissenschaftler von der Mustansirijah Universität in Bagdad. In Syrien erprobten die Dschihadisten ihre Kampfkraft. © AFP
ISIS Irak
Die ISIS entstand aus dem seit 2010 von Abu Bakr al-Bagdadi (Foto) geführten Islamischen Staat im Irak (ISI). Mitte 2012 entsandte al-Bagdadi Mitglieder in das Nachbarland Syrien, um dort die islamistische Al-Nusra-Front aufzubauen. Das gemeinsame Ziel war der Sturz von Machthaber Assad. © AFP
ISIS Irak
Politisch gab es Verwerfungen. Im April 2013 gab al-Bagdadi die Fusion von ISI und Al-Nusra-Front zur ISIS bekannt. © AFP
ISIS Irak
Doch die Al-Nusra-Front lehnte den Zusammenschluss ab. Beide Gruppen treten in Syrien weiter eigenständig auf. © AFP
ISIS Irak
Inzwischen rechnen Experten damit, dass die ISIL gefährlicher werden könne als das Terrornetzwerk Al-Kaida. © AFP
ISIS Irak
Die Emanzipierung wurde deutlich, als al-Bagdadi 2013 die Aufforderung von Al-Kaida-Chef Aiman al-Zawahiri ignorierte, dass sich ISIS auf den Irak konzentrieren und Al-Nusra Syrien überlassen solle. © AFP
ISIS Irak
Zur Verwirklichung ihres grenzüberschreitenden islamischen Emirats rekrutiert ISIS Kämpfer auch im Ausland. © AFP
ISIS Irak
ISIS zufolge kämpfen in ihren Reihen auch Deutsche, Briten, Franzosen und Dschihadisten aus anderen europäischen Ländern. © AFP
ISIS Irak
Charles Lister, Gaststipendiat am Brookings Doha Center in Katar, schätzt die Zahl der ISIS-Kämpfer auf 6000 bis 7000 in Syrien und 5000 bis 6000 im Irak. © AFP
ISIS Irak
Von allen ausländischen Kämpfern in Syrien seien etwa 80 Prozent im Dienste der ISIS, sagte Peter Neumann vom King's College in London. © AFP
ISIS Irak
Europäische und US-Sicherheitsexperten verfolgen die Vorgänge im Irak und in Syrien daher auch mit Sorge, weil sie einen Export des ISIL-Extremismus nach Europa oder die USA befürchten. © AFP
ISIS Irak
Die Arroganz, mit der die irakischen Truppen geführt werden, ebnete den Weg für die ISIS-Kämpfer. © AFP
ISIS Irak
800 000 irakische Soldaten versagenbeim ISIS-Vormarsch  vor vielleicht 10 000 Extremisten: Die sunnitischen Soldaten wollten laut Sicherheitsexperten ihren Kopf nicht für Ministerpräsident Nuri Al-Maliki hinhalten, die schiitischen Soldaten wurden in Bagdad zusammengezogen. © AFP
ISIS Irak
Auch Teile der sunnitischen Bevölkerung schauten dem Isis-Durchmarsch schweigend zu. © AFP
ISIS Irak
Die USA haben nach Einschätzung von Experten zwei Fehler gemacht: Sie marschierten wegen vermeintlicher Beweise für die Produktion von Massenvernichtungswaffen in den Irak ein - und zogen dann zu früh wieder ab. © AFP
ISIS Irak
So klar das Ziel war, Saddam Hussein zu stürzen - übrig blieb eine ethnisch und religiös zersplitterte Bevölkerung. © AFP
ISIS Irak
Auf die „Operation Iraqi Freedom“ folgte blutige Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten. Den erbte die hoffnungslos überforderte irakische Armee nach dem Abzug der US-Truppen 2011. © AFP
ISIS Irak
UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay hat sich besorgt über Berichte von willkürlichen Hinrichtungen im Zusammenhang mit dem Vorstoß der Dschihadisten im Irak gezeigt. © AFP
ISIS Irak
Pillay sei "extrem beuhruhigt" über die "dramatische Verschlechterung der Situation" in dem Land, sagte sein Sprecher in Genf. Es gebe Berichte über willkürliche Hinrichtungen und "außergerichtliche Tötungen". © AFP

Das will die Terrormiliz IS erreichen

Artikel: Das will der Islamische Staat

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Johnson muss um Brexit-Deal kämpfen

Johnson muss um Brexit-Deal kämpfen

So bekommen Welpen eine gute Kinderstube

So bekommen Welpen eine gute Kinderstube

Pence verhandelt mit Erdogan über Waffenruhe in Nordsyrien

Pence verhandelt mit Erdogan über Waffenruhe in Nordsyrien

Cricket und Moschee-Besuch: William und Kate in Lahore

Cricket und Moschee-Besuch: William und Kate in Lahore

Meistgelesene Artikel

Halle: Vater des Täters mit bedrückenden Worten - neue Details über sein Leben

Halle: Vater des Täters mit bedrückenden Worten - neue Details über sein Leben

Attacke bei Paris: Fünf Festnahmen nach Terroranschlag in Paris

Attacke bei Paris: Fünf Festnahmen nach Terroranschlag in Paris

Terrorfahrt oder Lkw-Ausraster? Brisante Details über Limburg-Verdächtigen aufgetaucht

Terrorfahrt oder Lkw-Ausraster? Brisante Details über Limburg-Verdächtigen aufgetaucht

Mit deutlicher Mehrheit: Bundestag lehnt Tempolimit auf deutschen Autobahnen ab

Mit deutlicher Mehrheit: Bundestag lehnt Tempolimit auf deutschen Autobahnen ab

Kommentare