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Inflation in Deutschland: Familien leiden besonders stark

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Die Inflation in Deutschland wächst, doch nicht alle sind gleichermaßen betroffen. Insbesondere Familien verlieren viel. Doch warum? Eine Übersicht.

Berlin – Die Inflation in Deutschland wächst, das bekommen alle zu spüren. Alle – doch nicht alle in gleichem Maße: Unterschiedliche Bevölkerungsgruppen sind in unterschiedlichem Maße betroffen. Dass nicht ausgerechnet Superreiche besonders unter Preisanstiegen leiden, überrascht wohl nur die wenigsten. Neben Menschen mit geringem Einkommen allgemein leiden unter der Inflation 2022 vor allem ärmere Familien mit Kindern besonders. Die Inflation polarisiert weiter.

Inflation Deutschland trifft besonders arme Menschen und Familien mit Kindern

Die großen Leidtragenden der Inflation in Deutschland sind Familien mit Kindern und geringem Einkommen. Der Spiegel berichtet, dass Familien mit Kindern allgemein etwa doppelt so stark von steigenden Energiepreisen betroffen sind, wie Alleinstehende. Das hat dem Bericht zufolge vor allem damit zu tun, wie Familien und Alleinstehende konsumieren. Wenig überraschend: Menschen mit geringem Einkommen trifft die Inflation 2022 besonders stark – sie fielen schon im Zuge der Corona-Pandemie durch das Raster, während einige wenige gigantische Profite mit der Corona-Krise generierten.

Eine Hand hält eine Geldbörse und zieht mit den Fingern ein leeres Fach auf.
Besonders ärmere Familien mit Kindern trifft die aktuelle Inflation besonders STARK (Symbolbild) © K. Schmitt/imago

Ähnlich wie die Pandemie verstärkt die aktuelle Inflation also ganz offensichtlich die ohnehin vorhandenen gesellschaftlichen Polarisierungseffekte massiv. Besonders an Alleinstehenden mit hohen Einkünften geht die Inflation verhältnismäßig glimpflich vorbei. Untersuchungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hatten ergeben, dass bei ärmeren Familien besonders Nahrung und Energie einen großen Teil der Ausgaben ausmachen – die Güter, die sich besonders verteuern. Auch das IMK verweist auf aktuell besonders ausgeprägte Polarisierungseffekte.

Inflation 2022: Alleinlebende Menschen im Schnitt weniger betroffen von der Inflation in Deutschland

Ganz allgemein waren alleinstehende Menschen unterdurchschnittlich betroffen, Alleinerziehende und Familien mit mehr als einem Kind und einem Einkommen im mittleren Bereich hingegen etwas stärker. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten laut Spiegel jeweils repräsentative, haushaltstypische Warenkörbe untersucht. Für Familien mit geringem Einkommen wurde im Vergleich zum Vormonat daraus ein Preisanstieg von 8,9 Prozent errechnet, so der Spiegel. Alleinstehende mit hohem Einkommen trifft die Inflation 2022 ohnehin kaum existenziell, doch auch rechnerisch weniger – um lediglich 6,5 Prozent. Alle anderen Haushaltsformen und Personen oder Personengruppen bewegten sich dazwischen. Generell lag die Inflationsrate in Deutschland im Mai bei 7,9 Prozent – in der Türkei ist die Lage noch schlimmer: Die Inflation beträgt dort um die 70 Prozent.

Die Forschenden erklärten der Zeitung, die Unterschiede lägen unter anderem darin begründet, dass die besonders verteuerten Güter bei Familien mit zwei Kindern und geringem Einkommen etwa 6,6 Prozentpunkte der 8,9 prozentigen Inflationsrate, die für sie errechnet wurde, ausmachten. Dabei geht es um Energie, Kraftstoff und Nahrung. Bei reichen Alleinstehenden, die ohnehin nur eine haushaltsspezifische Inflation von 6,5 Prozent aufweisen, machten diese Positionen lediglich 3,5 Prozent aus. Einmal mehr sind primär diejenigen leidtragend, die ohnehin wenig haben.

Inflation in Deutschland und Entlastungspakete: Forderung nach Entlastungen für wirklich Betroffene

Mit Blick auf die Inflation in Deutschland wurden zuletzt immer wieder Forderungen laut, Entlastungen besser an die Betroffenen anzupassen. In der Analyse des Entlastungspakets 2022 sehen Kritiker in dieser Hinsicht Verbesserungsbedarf, der Tankrabatt etwa gilt vielen höchstens als Entlastung der Industrie. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte erst kürzlich, er „sehe ganz grundsätzlich keine Spielräume, Menschen zu entlasten, die ein sehr hohes Einkommen haben“.

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Heil betonte in diesem Zuge „Wir müssen die Folgen der Preisentwicklung gezielt für die Menschen abfedern, für die sie wirklich eine existenzielle Bedrohung ist“. Finanzminister Christian Lindner (FDP) pocht derweil vor allem auf die Einhaltung der Schuldenbremse. Lindner hatte zuletzt mehr Überstunden gefordert und einen Kriegssoli abgelehnt, zum Entsetzen vieler Beobachter. Es bleibt abzuwarten, worauf sich die Ampel einigt, wen sie mit ihren nächsten Maßnahmen wirklich entlastet – und in welchem Maß.

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