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Querdenker-Demos wachsen, doch die ersten flüchten vor Corona-Regeln ins Ausland

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Die Zahl der Impfgegner und Querdenker auf Corona-Demos wächst. Trotzdem ergreifen die ersten von ihnen die Flucht – nach Südamerika.

Berlin – Die Querdenker-Bewegung wächst, zuletzt war die Zahl der Teilnehmer auf Corona-Demos deutlich gestiegen. Auf den Veranstaltungen vermischen sich immer wieder Impfgegner, Verschwörungstheoretiker und Neonazis, um gemeinsam gegen die Corona-Regeln zu demonstrieren. Die AfD gilt mittlerweile als treibende Kraft bei der Radikalisierung von Querdenkern. Während die Szene augenscheinlich wächst, geben die ersten Querdenker auf. Sie ergreifen die Flucht, immer wieder auch nach Südamerika. In Paraguay gibt es jetzt ein vorwiegend deutschsprachiges Siedlerprojekt, das mit einer Mischung aus rechten Narrativen, Verschwörungstheorien und Freiheitspathos auf sich aufmerksam macht.

Querdenker und Impfgegner: Teilnehmerzahl von Corona-Demos und Spaziergängen gegen die Corona-Regeln nimmt zu – noch

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums haben sich am Montag bundesweit insgesamt 350.000 Menschen an Corona-Demos gegen die Corona-Regeln beteiligt. Auf Gegenveranstaltungen fanden sich den Angaben zufolge etwa 15.000 Demonstrierende ein. Die Zahlen zeugen von einem deutlichen Zuwachs in der Teilnehmerzahl, als Erstes hatte das ARD-Magazin Kontraste über den Anstieg berichtet. Bei Corona-Demos am zehnten Januar hatten sich nach Angaben des Bundesinnenministeriums noch etwa 260.000 Menschen eingefunden. „Wie ein Brandbeschleuniger“ wirkt bei den Protesten die AfD, welche die Proteste immer wieder anheizt. Die Mobilisierung in der Szene der Querdenker und Impfgegner wächst.

Ein Flugzeug bei der Landung. Die Zahl der Querdenker und Impfgegner auf Demonstrationen gegen die Corona-Regeln wächst, derweil geben die ersten auf – und wandern aus. (Symbolbild)
Die Zahl der Querdenker und Impfgegner auf Demonstrationen gegen die Corona-Regeln wächst, derweil geben die ersten auf – und wandern aus. (Symbolbild) © Boris Roessler/dpa/Symbolbild

Gegenüber Zeit Online erklärt der Rechtsextremismus-Experte des Vereins „Miteinander“ in Magdeburg, David Begrich, er gehe nicht von einer weiterhin deutlich ansteigenden Zahl an Teilnehmern aus. Begrich erwartet eigenen Aussagen zufolge eine „Plateauphase“. Laut dem Experten ist das Mobilisierungs-Spektrum der Szene nicht unbegrenzt und stößt in absehbarer Zeit an seine Grenzen. Derweil sorgt die Omikron-Variante für einen Mangel an gesunden Lehrern und Erziehern. In Niedersachsen sollen ab Februar neue Corona-Regeln gelten.

Paraguay: Querdenker zieht es von Corona-Demos nach Südamerika, auch Bulgarien ein Ziel

Schluss mit Corona-Demos – die ersten Querdenker geben auf und setzen sich ab, nach Südamerika. In einer der ärmsten Regionen Paraguays formiert sich ein Siedlungsprojekt aus vornehmlich Deutschen, Schweizern und Österreichern, die ihrer früheren Heimat den Rücken gekehrt haben. Viele von ihnen sind Gegner der Corona-Regeln und der Querdenker-Szene zuzurechnen, auf der Webseite des Projekts mischen sich rechte Erzählweisen mit verschwurbeltem Freiheits-Pathos. Das Projekt verspricht „Ein Leben in Freiheit“. Auf ihrem Youtube-Kanal teilt „El Paraíso Verde“ Disinformationen über die „nicht existente“ Corona-Pandemie.

Auf 1600 Hektar haben die Gründer sich eine Parallelwelt geschaffen. Seit Beginn der Pandemie gibt es einen deutlichen Zuzug an Verschwörungstheoretikern, Querdenkern und Impfgegnern. Nachdem es 2019 noch vier neue deutsche Bewohner gegeben hatte, gab es 2021 schon 101, wie der Guardian berichtet. Auch in anderen Regionen Paraguays sollen Impfgegner ansässig geworden sein, neben Südamerika soll es einige Querdenker zudem nach Bulgarien gezogen haben.

Rechte Narrative: „El Paraíso Verde“ als Zufluchtsort für rechte Querdenker und Impfgegner

Immer wieder wird auf Corona-Demos der Schulterschluss von Teilen der Querdenker-Bewegung und Impfgegner mit Neonazis und Rechtsradikalen offensichtlich. Zuletzt profitierte vor allem die AfD von der Radikalisierung der Querdenker. Eindeutig rechte Muster findet sich auch beim Projekt „El Paraíso Verde“. Die Macher des Projekts greifen auf ihrer eigenen Website auf altbekannte Narrative der rechten Szene zurück. Auf ihrem Online-Auftritt formulieren sie die suggestive Frage „Haben Sie genug von der Bevorzugung von integrations-unwilligen Wirtschaftsflüchtigen?“.

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Die Urheber sprechen auf der Seite darüber hinaus von „Überfremdung“ und „Verlust unserer Heimat, unserer Kultur und unserer Werte“, im gleichen Atemzug wird gegen „die Multi-Kulti-Wilkommenskultur“ gehetzt. El Paraíso Verde, ein Zufluchtsort für Querdenker und Rechte mitten in Südamerika. – es geht um weitaus mehr, als die Ablehnung von Corona-Regeln. Der Gründer Erwin Annau erklärte vor Mitgliedern des Paraguayer Parlaments 2017, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Nach Angaben des Guardian soll er zudem auf einer mittlerweile entfernten Webseite Zweifel an der Schuld der Nazis am Zweiten Weltkrieg geäußert haben. Jetzt leitet er ein Siedlungsprojekt mitten in Paraguay – auf einer einsamen Insel wäre er besser aufgehoben.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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