Polarisierende Persönlichkeiten

Hass im Internet: Politiker und Experten als Ziel für Hetze

Karl Lauterbach wurde es und auch Christian Drosten: Opfer von Hass. Das Phänomen ist nicht neu und trifft besonders Personen mit polarisierenden Meinungen.

Berlin – Karl Lauterbach polarisiert: Der SPD-Gesundheitspolitiker könnte bald vor einem weiteren Karrieresprung stehen und in einer möglichen Ampel-Koalition aus SDP, Grüne und FDP als schillernde Figur in das Gesundheitsministerium einziehen. Als Nachfolger von Jens Spahn (CDU) könnte Lauterbach der neue Gesundheitsminister werden. Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Im Fall des Gesundheitsexperten spiegelt sich dieser als Hassbotschaften, Beleidigungen und Morddrohungen wider.

Deutscher Politiker: Karl Lauterbach
Berufe:Mediziner, Gesundheitsökonom
Geboren: 21. Februar 1963 (Alter 58 Jahre), Düren
Partei: Sozialdemokratische Partei Deutschlands

Hass gegen Politiker: Karl Lauterbach erhält Morddrohungen

Während der Corona-Pandemie entwickelte sich der SPD-Mann zum häufigen Gast in diversen Talksshows und hatte schnell den Ruf weg, dass er den Deutschen quasi das Leben verbieten will. Die Reaktionen waren zuhauf bei Twitter zu sehen – besonders die negativen. Aber auch in der wirklichen Welt sah sich der Politiker den Anfeindungen der Menschen ausgesetzt* und bekam neben unfreundlicher Fanpost auch Drohbriefe in sein Büro im Bundestag geschickt.

Nicht nur der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach wird aber Ziel von Hassnachrichten*: Viele Abgeordnete des Bundestages, aber auch andere Politikerinnen und Politiker sowie ehrenamtlich Engagierte wurden Hass und Hetze abgekommen, sagte eine Sprecherin der Grünen-Fraktion gegenüber kreiszeitung.de. „Es ist besorgniserregend, wenn versucht wird, insbesondere mit Desinformation die Gesellschaft zu spalten und mit Drohungen engagierte Menschen massiv einzuschüchtern.“ Für die Grünen sei klar: „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir werden uns aber auch nicht an Hass und Hetze gewöhnen. Hass – egal ob im Netz oder sonst wo – muss begegnet werden mit Gegenrede, mit rechtsstaatlichen Mitteln und mit Plattformen, die stärker gegen Hass vorgehen.“

Hass und Hetze im Internet: kein neues Phänomen

Dass Politiker oder Personen der Öffentlichkeit Opfer von Hass werden, ist kein neues Phänomen. Doch durch die Zunahme an sozialen Netzwerken und der Möglichkeit von anonymen Profilen sehen sie sich einer völlig anderen Form der Verunglimpfung ausgesetzt. Zwar kann der Hass im Internet auch Privatpersonen treffen, aber Politiker mit starken Meinungen sind prädestiniert für Anfeindungen.

Karl Lauterbach (SPD) und der Virologe Christian Drosten sind beliebte Ziele für Hasskommentare im Internet. (kreiszeitung.de-Montage)

In einer nicht repräsentativen Umfrage der Fachzeitung „Nature“ wurden etwa 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Thema befragt, mit einem erschütternden Ergebnis: Gut die Hälfte der Befragten gab an, manchmal, in der Regel oder immer nach Medienauftritten Troll-Kommentare oder persönliche Angriffe erlebt zu haben. In 47 Fällen wurde demnach sogar eine Morddrohung ausgesprochen, sechs Wissenschaftler gaben an, körperlich attackiert worden zu sein. Gehackte Accounts, aggressive Mails wurden ebenfalls gemeldet.

Hass gegen Experten: Drosten maskiert sich in der Öffentlichkeit

Auch wenn die Umfrage nicht wissenschaftlich begleitet wurde, machen die Erkenntnisse deutlich: Das Leben von Expertinnen und Experten ist insbesondere in Zeiten von Corona nicht einfacher geworden. In der Fachwelt wird zudem befürchtet, dass Hassbotschaften die Arbeit von Wissenschaftlern negativ beeinflussen können und gar zu Rückzug und Selbstzensur führen könnten.

Die „Nature“-Umfrage war zwar international angelegt, aber auch Experten in Deutschland bekommen regelmäßig zu spüren, dass ihre Position in der Öffentlichkeit Hass schüren kann. Prominentestes Beispiel: Virologe Christian Drosten. Er berichtete vor knapp einem Jahr von seinen Erfahrungen. Es sei ihm „ziemlich unangenehm“, beim Einkaufen angestarrt zu werden. Manchmal greift er in solchen Fällen auf Sonnenbrille und Mütze zurück. Beim Thema Hass wählt er einen einfachen Umgang – wenngleich es eigentlich besorgniserregend ist, dass er so handeln muss: „Alles, was ich da machen kann, ist, das möglichst auszuklammern.“

Hass begegnen: Renate Künast trotzt Widersachern

Einen rigorosen Umgang mit Hasskommentaren pflegt hingegen Renate Künast (Grüne): Neben Klagen gegen ihre Widersacher wählt die Politikerin auch mal den Weg der direkten Konfrontation: So sucht sie ihre Gegner an der Haustür auf und verwickelt sie in ein Gespräch. Während des Wahlkampfes zur Bundestagswahl 2021 kritisierte sie die Art und Weise, wie die Kanzlerkandidaten im Internet angegriffen werden. Besonders Grüne-Chefin Annalena Baerbock geriet häufiger ins Visier von Verunglimpfungen.

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Im Interview mit kreiszeitung.de forderte Künast zudem eine bessere Unterstützung für die Opfer- und Frauenberatungsstellen. Gleichzeitig kritisierte sie, dass die CDU Pläne in solche Richtungen blockierte und dementsprechend den Kampf gegen Online-Hetze und Hass nicht aufrichtig ernst nehmen würde.

Hetze gegen Lauterbach: SPD-Politiker reagiert mit Humor

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wählt manchmal einen anderen Umgang: In Zuge der massiven Hasswellen gegen seine Person hat er in der ZDF-Sendung „heute show“ humorvoll auf die Hassnachrichten reagiert. So antwortete er auf die Anschuldigung, dass er ein Mutant sei: „Da kann ich nur sagen: Wenn ich ein Mutant wäre, wäre ich ansteckend und das einzige, das bei mir noch ansteckend geblieben wäre, wäre dann der Humor, den ich mir auch in dieser Phase nicht nehmen lasse.“

Auch wenn der Humor trüben kann, ist die Botschaft dahinter klar: Kante zeigen, weitermachen und dem Hass keine Chance bieten. „Ich habe nicht vor, mich einschüchtern zu lassen. Diese Menschen werden mich nicht zum Schweigen bringen“, sagte Lauterbach im Gespräch mit dem „RND“. Denn auch das zeigte die Umfrage: Neben Hass und Hetze berichtet ein großer Teil der Umfrageteilnehmer von positiven Resonanzen und von einer Bekräftigung für ihre Arbeit. * kreiszeitung.de, hna.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/Michael Kappeler/Bodo Marks/Boris Johnson/Twitter/dpa

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