1. Startseite
  2. Politik

Hartz IV und Gesundheit: Drei gesunde Mahlzeiten für fünf Euro bitte

Erstellt:

Von: Alexander Eser-Ruperti

Kommentare

Lebensmittelpreise steigen ebenso wie Gas- und Strompreise, im Gegensatz zum Hartz-IV-Regelsatz. Ist eine gesunde Lebensführung mit dem ALG-II überhaupt möglich?

Berlin – Die Lebenshaltungskosten steigen nahezu ungebremst, ganz im Gegensatz zu den Regelsätzen bei Hartz IV: Zum Jahreswechsel hat sich der Hartz-IV-Regelsatz um drei Euro erhöht. Neben verschiedenen Sozialverbänden forderte zuletzt auch die Linke die Anhebung der Sätze zum Inflationsausgleich – und scheiterte. Doch was bedeutet das für die Gesundheit, ist eine gesunde Lebensführung mit dem ALG-II überhaupt möglich? Geht es etwa nach dem Gegenkandidaten von Frank-Walter Steinmeier bei der Bundespräsidentenwahl 2022, Gerhard Trabert, ist die Antwort eindeutig.

ALG-II: Hartz-IV-Empfänger haben etwa fünf Euro, um von ihrem Hartz-IV-Satz trotz steigender Lebensmittelpreise gesund zu leben

Lebensmittelpreise steigen deutlich, davon sind vor allem einkommensschwache Haushalte betroffen. Besonders Empfängerinnen und Empfänger der Grundsicherung stehen vor der Frage, wie sich ein gesundes Leben bei der geringen Höhe ihres Hartz-IV-Satzes gewährleisten lässt. Das Ifo-Institut rechnet mit einem Preisanstieg bei Nahrungsmitteln von sieben Prozent in diesem Jahr. Im Rahmen des Hartz-IV-Satzes sind 34,7 Prozent für Essen vorgesehen, bei einem Regelsatz von 449 Euro macht das etwa 5,19 Euro pro Tag – das bietet keinen Spielraum. Gesundes Essen und Hartz IV scheinen vor diesem Hintergrund unvereinbar.

Verschiedenes Obst und Gemüse liegt nebeneinander. Hartz IV: Eine gesunde Ernährungsweise ist für Empfänger des ALG-II finanziell nicht zu leisten. (Symbolbild)
Hartz IV: Eine gesunde Ernährungsweise ist für Empfänger des ALG-II finanziell nicht zu leisten. (Symbolbild) © Christin Klose/dpa

Zuletzt hatte auch der Sozialverband VdK die umgehende Erhöhung der Regelsätze gefordert. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte die Präsidentin des VdK, Verena Bentele: „Die knapp fünf Euro für Lebensmittel reichen hinten und vorne nicht. Die Mehrwertsteuer auf frische und gesunde Lebensmittel muss gesenkt werden, um Menschen mit niedrigen Einkommen und Familien finanziell zu entlasten“. Ein Erwachsener hat derzeit etwa 5,19 Euro täglich zur Verfügung – für ein fünfjähriges Kind liegt der Wert noch deutlich darunter. Inwieweit das für drei gesunde Mahlzeiten reichen kann, ist mehr als fraglich.

Hartz IV: Armut und Gesundheitsprobleme gehen laut Gerhard Trabert Hand in Hand

Auch der Gegenkandidat zu Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei der Bundespräsidentenwahl 2022, Gerhard Trabert, hat dazu im Gespräch mit kreiszeitung.de eine klare Meinung. Für ihn gehen Armut und Gesundheitsprobleme Hand in Hand, nicht nur im Bereich Ernährung. Mit Blick auf die Pandemie sagt er: „Wenn man unter Corona-Bedingungen in einer engen Wohnung lebt, ist das ein Risikofaktor, genau wie wenn ich auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen bin. Wenn ich wenig Geld zur Verfügung habe, lebe ich zudem fast immer in Wohnungen, die einer erhöhten Lärm- und Luftschmutzbelastung ausgesetzt sind.“

Trabert stößt sich besonders über Vorurteile und Entkontextualisierung Außenstehender bei Hartz IV: „Ich höre immer wieder zu wenig Bewegung, schlechte Ernährung, Rauchen, Trinken: Ich möchte niemanden aus der Eigenverantwortung entlassen, aber auch dieses Risikoverhalten muss man im Kontext der Lebenssituation sehen. Arm zu sein ist Stress, auch psychischer Stress. Wenn ich zudem als Erwachsener etwa 5,20 Euro zur Verfügung habe, dann kann ich mich nicht gesund ernähren. Darauf hat auch das Institut für Ernährungswissenschaften immer wieder hingewiesen“. Bei der derzeitigen Hartz-IV-Höhe ist gesund zu leben unmöglich.

Hartz IV: Forderungen nach höheren Regelsätzen beim ALG-II verhallen bisher ungehört

Die Forderungen nach Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze 2022 kommen aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft: vom VdK, dem DGB, oder aber der Linkspartei. Auch der Generalsekretär der SPD, Kevin Kühnert, forderte zuletzt beim Hartz-IV-Satz nachzubessern. Bisher verhallen die Forderungen auch unter der Ampel-Koalition, die im Bürgergeld nach wie vor den großen Wurf sieht.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!

Auch unter dem Label „Bürgergeld“ plant die Ampel keine Erhöhung der Sätze beim ALG-II. Für Empfänger der Grundsicherung bedeutet das, dass ihre finanziellen Mittel in Anbetracht steigender Preise für ein gesundes Leben noch weniger ausreichen werden, als ohnehin schon. Die Armut wächst und damit sinken die Chancen von Grundsicherungsempfängern auf eine gesunde Lebensführung – auch wenn Hartz IV dann Bürgergeld heißt.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare