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Habeck ruft zum Energiesparen auf – werden Wohnungen bald merklich kälter?

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Von: Anika Zuschke

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Eine Frau dreht am Thermostat einer Heizung und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, der seinen Daumen nach oben hält.
Habeck ruft die Deutschen dazu auf, Energie zu sparen: „Jede Kilowattstunde hilft.“ (kreiszeitung.de-Montage) © Hauke-Christian Dittrich/Kay Nietfeld/dpa

Gazprom reduziert erneut die Gaslieferungen nach Deutschland. Deswegen ruft Habeck zum Energiesparen auf. Mietwohnungen könnten bald kälter werden.

Berlin – Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat die Deutschen erneut zum Energiesparen aufgerufen. In einem am Mittwochabend, 15. Juni 2022, über Twitter verbreiteten Video dankte der Politiker der Bevölkerung und den Unternehmen für ihre bisherigen Bemühungen, appellierte aber gleichzeitig: „Es ist jetzt der Zeitpunkt, das [Energiesparen] zu tun. Jede Kilowattstunde hilft in dieser Situation.“ Grund für den Aufruf war die erneute Drosselung von Gasliefermengen durch den russischen Gazprom-Konzern.

In die Energiespar-Diskussion schaltete sich jetzt auch die Bundesnetzagentur ein. Der Agentur-Chef möchte sparen, wo es geht und in dem Zuge auch den Druck auf private Haushalte erhöhen. Sogar Mieter müssen sich demnach bald auf kältere Wohnungen einstellen.

Habeck ruft Deutsche zum Energiesparen auf – Gazprom reduziert erneut die Gaslieferungen

Das weltweit größte Erdgasförderunternehmen Gazprom hat am Mittwoch, 15. Juni 2022, wieder die Gasliefermengen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland reduziert. Von der Nacht zu Donnerstag an sollen demnach täglich nur noch maximal 67 Millionen Kubikmeter durch die Leitung gepumpt werden, hatte Gazprom laut Süddeutscher Zeitung angekündigt.

Schon am Dienstag hat das Unternehmen eine Reduktion des bislang geplanten Tagesvolumens von 167 Millionen um rund 40 Prozent auf 100 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag verkündet. Die neuerliche Reduktion auf 67 Millionen Kubikmeter bedeutet eine Drosselung um rund 60 Prozent innerhalb von zwei Tagen.

Robert Habeck meint: „Wir müssen wachsam sein“ – die Lage sei ernst

Infolgedessen rief Habeck erneut zum Energiesparen auf, die Situation sei ernst – gefährde die Versorgungssicherheit in Deutschland aber nicht. Trotzdem mahnte der Grünen-Politiker laut Deutscher Presse-Agentur (dpa): „Wir müssen wachsam sein. Wir müssen konzentriert weiterarbeiten. Vor allem dürfen wir uns nicht spalten lassen. Denn das ist das, was Putin vorhat.“

Das russische Staatsunternehmen begründet den Schritt der Gasreduktion mit Verzögerungen bei Reparaturarbeiten – doch Habeck vermutet, dass eine politische Entscheidung dahinter steckt: „Die Begründung der russischen Seite ist schlicht vorgeschoben. Es ist offenkundig die Strategie, zu verunsichern und die Preise hochzutreiben“, äußerte der Bundeswirtschaftsminister der Süddeutschen Zeitung zufolge.

Diese Strategie zeigt aber deutlich Wirkung: Unter anderem wegen der bisherigen Einschränkungen haben sich die Energiepreise in Deutschland merklich erhöht. Denn insgesamt fließt weniger Gas von Russland nach Europa. Nord Stream 1 ist für die Bundesrepublik die Hauptversorgungsleitung mit russischem Gas. Um sich unabhängiger von russischem Gas zu machen, treibt Habeck auch zunehmend den Ausbau der Windkraft voran.

Präsident der Bundesnetzagentur will Mindestheiztemperatur für Vermieter senken

Dem Aufruf zum Energiesparen von Bundeswirtschaftsminister Habeck schließt sich auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, an. Er möchte den Druck zum Energiesparen auf private Haushalte und Unternehmen aber zusätzlich erhöhen – und hat im Zuge dessen schon konkrete Idee: „Im Mietrecht gibt es Vorgaben, wonach der Vermieter die Heizungsanlage während der Heizperiode so einstellen muss, dass eine Mindesttemperatur zwischen 20 und 22 Grad Celsius erreicht wird. Der Staat könnte die Heiz-Vorgaben für Vermieter zeitweise senken. Darüber diskutieren wir mit der Politik“, so Müller gegenüber der Rheinischen Post. Es sei wichtig, so viel Gas zu sparen wie möglich, um über den nächsten Winter zu kommen.

Auch Unternehmen sollen anhand von Prämien dazu motiviert werden, mehr Gas zu sparen: „Wir möchten Mechanismen etablieren, um Unternehmen, die freiwillig Gaskontingente abtreten, mit einer Prämie zu belohnen. Es ist immer besser, wenn Anpassungen über Preise geschehen als über dirigistische Vorgaben“, ergänzt Müller.

„Gaspreise haben sich vervierfacht – Schockwellen werden durchs Land gehen“ – Rufe nach mehr Hilfe von der Politik werden laut

Zusätzlich warnt der Präsident der Bundesnetzagentur vor weiter steigenden Gaspreisen und hohen Nachzahlungen: „Schon jetzt haben sich die Gaspreise für private Haushalte gegenüber der Vorkriegs-Zeit vervielfacht. Für Mieter kann es eine böse Überraschung geben, wenn hohe Nachzahlungen fällig werden. Das können schnell mehr als tausend Euro sein, da werden Schockwellen durch das Land gehen. Banken werden ihre Geschäfte mit Ratenkrediten hochfahren, angeschlagenen Firmen droht die Insolvenz.“

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Ob die Energiepauschale in Höhe von 300 Euro für alle Erwerbstätigen, die im Zuge des Entlastungspakets 2022 beschlossen wurde, da viel ausrichten wird, ist fraglich. Deswegen erwartet der Mieterbund auch zusätzliche Unterstützung von der Politik: „Statt Einmalzahlungen benötigen wir eine dauerhafte Entlastung bei Heizkosten, mindestens für die Zeit der Energiekrise“, forderte Melanie Weber-Moritz, Bundesdirektorin des Deutschen Mieterbundes, gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Jeder Deutsche soll laut Habeck Beitrag zum Energiesparen leisten – und 10 Prozent des Verbrauchs einsparen

Geht es nach Robert Habeck, sollte jeder Deutsche nun also seinen Beitrag zum Energiesparen leisten. Ihm zufolge würde es dabei schon reichen, wenn Privathaushalte und die Industrie zehn Prozent ihres Verbrauchs einsparen würden – dann könnte Deutschland wohl sogar einem kompletten Lieferboykott Moskaus standhalten.

Das scheint tatsächlich weniger schwer zu sein, als vielleicht angenommen: „Ein Grad weniger Temperatur in der Wohnung, zwei Minuten weniger unter der Dusche und ein kritischer Blick auf die Heizungspumpe am Ende der Heizperiode, und ich bin schon recht nahe am Zehn-Prozent-Ziel“, erläutert Martin Brandis, Energieexperte vom Verbraucherzentrale Bundesverband, laut dem Spiegel.

Energiesparen im Haushalt: Einfache Tricks können Energieverbrauch deutlich reduzieren

Darüber hinaus gibt es noch weitere, unkomplizierte Wege, den eigenen Energieverbrauch herunterzuschrauben – und damit ist nicht die etwa absurde Idee gemeint, Rentner zum Energie sparen auf Mallorca überwintern zu lassen. Ein durchschnittlicher Haushalt könnte den Stromverbrauch um etwa acht Prozent reduzieren, wenn man alle Geräte vom Netz trennt, die im Stand-by-Modus weiterlaufen, sobald sie ausgeschaltet sind. Auch ein Waschmaschinengang mit voller Trommel statt zwei mit jeweils halber Ladung läuft laut Spiegel auf fast 30 Prozent Ersparnis hinaus – gleiches gilt für die Spülmaschine.

Danach zu urteilen, könnten Privathaushalte bereits mit moderaten Anpassungen im Haushalt einen nennenswerten Beitrag zum Energiesparen leisten.

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