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Habecks AKW-Plan erntet harsche Kritik: „Schlechteste aller Lösungen“

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Von: Anika Zuschke

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Wasserdampf steigt aus dem Kühlturm des Atomkraftwerks (AKW) Isar 2 und Wirtschaftsweise Veronika Grimm.
Der neue AKW-Plan von Habeck stößt auf herbe Kritik – Wirtschaftsweise Veronika Grimm hält ihn für die „eigentlich schlechteste aller Lösungen“. (kreiszeitung.de-Montage) © Armin Weigel/dpa/Sven Simon/Imago

Der AKW-Plan von Robert Habeck stieß schnell auf herbe Kritik. Experten sind der Meinung, dass ein Bereithalten der AKWs unnötig und zu teuer ist.

Berlin – Wirtschaftsminister Robert Habeck hat vor wenigen Tagen den Plan vorgebracht, zwei Atomkraftwerke als Notreserve bereitzuhalten – um die kritische Stromversorgung im Winter absichern zu können. Doch hat dieser Vorschlag in der Politik und auch bei Atom-Experten sofort eine hitzige Debatte ausgelöst: Sie kritisieren den Plan vor allem als unnötig kostenintensiv. Außerdem sei die Energieversorgung auch ohne Atomkraft gesichert, so die Experten.

AKW Laufzeit nach Habeck: Laut Stresstest sollen zwei AKWs bis April 2023 zur Verfügung stehen

Der lang erwartete dritte Stresstest deutscher Stromnetze ist zu dem Ergebnis gekommen, dass weitere Maßnahmen notwendig seien, um die Stromversorgung in Deutschland für den Winter zu sichern. Dem Test zufolge könnten „stundenweise krisenhafte Situationen im Stromsystem im Winter 22/23 nicht vollständig ausgeschlossen werden“, so das Wirtschaftsministerium. Als Folge daraus wird empfohlen, zwei der verbleibenden drei Atomkraftwerke in der Notreserve zu halten.

Die Kernkraftwerke Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim in Baden-Württemberg sollen also „bis Mitte April 2023 noch zur Verfügung stehen“, wie Habeck laut dem Spiegel verkündete – anstatt wie geplant Ende des Jahres 2022 abgeschaltet zu werden. Das dritte verbliebene Kraftwerk Emsland soll wie geplant zum Ende des Jahres vom Netz genommen werden – was CDU-Chef Friedrich Merz jedoch für einen Fehler hält. Auch der Vorschlag von Habeck zur Bereithaltung der AKWs stößt indes von vielen Seiten auf herbe Kritik.

Habeck AKW News: Plan des Ministers ist „schlechteste aller Lösungen“ – wegen zu hoher Kosten

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hält die Idee, Kraftwerke in Bereitschaft zu halten, aber nicht laufen zu lassen, für die „schlechteste aller Lösungen“. Im ZDF-heute journal erklärte sie ihren Standpunkt wie folgt: „Man hat die Kosten der Bereithaltung, man muss das Personal bezahlen, man muss die Versorger entschädigen für diese Bereitstellung. Aber es wird keine günstige Energie produziert, die ja einen positiven Einfluss auf den Strompreis hätte.“

Grimm zufolge müssten deswegen stattdessen aktuell verfügbare Kraftwerke an den Markt gebracht werden, „um eben das Stromangebot auszuweiten“. Mit einem größeren Stromangebot könne dann auch der Preis gedrückt werden.

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„Aufwändig und teuer“ – ist der Plan zur Laufzeitverlängerung der AKWs in Deutschland

Energie-Ökonomin Claudia Kemfert pflegt eine vergleichbare Meinung. Auch sie merkt im Gespräch mit der Rheinischen Post an, dass Atomkraftwerke sicherheitstechnisch überprüft und Personal sowie Brennelemente vorgehalten werden müssten. „Dies ist aufwändig und teuer. Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis“, so die Energie-Expertin.

Atom-Expertin Anna Veronika Wendland hat zu der Kostenfrage konkrete Zahlen parat. Sie rechnet laut der Bild mit einem Aufwand von mindestens 250.000 Euro – pro Tag. Ein Kraftwerk würde demnach etwa 240 Megawattstunden im Standby-Modus ziehen. „Wenn, wie derzeit, die Megawattstunde 1000 Euro kostet, kommt man auf 240.000 Euro pro Kraftwerk und Tag – andere Kosten, beispielsweise fürs Personal, kommen da noch dazu“, so Wendland. Auch ihr Fazit lautet deswegen: „Das steht in keinem Verhältnis zum Aufwand.“

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat laut Focus noch keine genaue Summe genannt, bezeichnete die Kosten wohl aber als „überschaubar“. Die Ausgaben für den AKW-Aufwand sollen den Betreibern offenbar vom Staat erstattet werden, Bild zufolge voraussichtlich mit Steuergeldern.

Habeck und die Atomkraft: Diskussion um Plan zur AKW-Laufzeit wird bei Generaldebatte fortgesetzt

Abgesehen von der aufwendigen Kostenfrage ist ein Bereithalten der beiden Atomkraftwerke wohl auch gar nicht nötig. „Die Energieversorgung in Deutschland ist gesichert, auch ohne Atomkraft“, statuierte Claudia Kemfert im Gespräch mit der Rheinischen Post. Mögliche Versorgungsengpässe würden ihr zufolge nicht durch das deutsche Netz, sondern vor allem durch marode Atomkraftwerke in Frankreich verursacht werden.

„Atomkraftwerke sind für die Netzreserve ungeeignet, da sie nicht mal eben an- und ausgeschaltet werden können“, schließt die Energie-Ökonomin. Auch die FDP zeigte sich von den Habeck-Plänen verärgert – die Partei fordert hingegen eine Laufzeitverlängerung aller drei Atomkraftwerke. Die Entscheidung um eine Bereithaltung der AKWs wird bei der Generaldebatte am Mittwoch, 7. September 2022, vom Bundestag noch einmal heiß diskutiert.

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