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Klartext an neues Duo: Lang und Nouripour sollen Grünen-Profil schärfen

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Von: Felix Busjaeger

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Erneuerung nach der Bundestagswahl: Bei den Grünen stehen beim digitalen Parteitag viele Veränderungen an. Es geht nicht nur um die Nachfolge von Habeck und Baerbock.

Berlin – Die Grünen haben es geschafft: Nach der Bundestagswahl sitzen Annalena Baerbock und Robert Habeck an der Spitze wichtiger Ministerien und haben viele Grünen-Politiker aus der Partei mit in die Regierungsarbeit gezogen. Nur geht es an die Nachfolge an der Grünen-Parteispitze. Die neuen Vorsitzenden der Grünen dürften mit großer Wahrscheinlichkeit die 28-jährige Ricarda Lang und der 46-jährige Omid Nouripour werden. Vor der Angehörigen des linken Parteiflügels und dem Realo stehen im Falle ihrer Wahl große Aufgaben: Durch den Einzug einiger Grüner in die Ministerien müssen unter anderem die Geschäftsstelle aufgebaut und neue Strukturen für die stark wachsende Partei gefunden werden.

Politische Partei:Bündnis 90/Die Grünen
Gründung:13. Januar 1980, Karlsruhe
Hauptsitz:Berlin
Parteiführung:Annalena Baerbock, Robert Habeck

Parteitag der Grünen: Anne Kura lobt Ricarda Lang und Omid Nourpour

„Ich freue mich sehr, dass Ricarda Lang und Omid Nouripour unsere neuen Bundesvorsitzenden werden möchten. Beide kennen die Partei gut und sie sind mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Profilen ein überzeugendes Team“, sagte die niedersächsische Landesvorsitzende der Grünen, Anne Kura, gegenüber kreiszeitung.de. Nach 16 Jahren in der Opposition habe die Partei jetzt im Bund eine neue Rolle: Als Regierungspartei auf Augenhöhe könne sie Ziele zum Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit umsetzen. Derweil urteilt die Sprecherin der Grünen Jugend, Sarah Lee Heinrich, dass Hartz IV fast Erpressung gleichkommen würde.

Ricarda Lang und Omid Nouripour (beide Bündnis 90/Die Grünen) vor dem Logo ihrer Partei
Ricarda Lang und Omid Nouripour sollen bei den Grünen für einen Umbruch sorgen. (kreiszeitung.de-Montage) © Michael Kappeler/Kay Nietfeld/Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Für die Grünen würde es nun darum gehen, die hohen Erwartungen zu erfüllen, so Kura. „Die neuen Bundesvorsitzenden haben die Aufgabe, als Bindeglied zwischen Mitgliedern, Ministerinnen und Ministern sowie Bundestagsfraktion die Partei zu stärken und den Dialog mit Akteurinnen aus der Gesellschaft weiterzuführen.“ Es werde außerdem wichtig sein, die Grünen Positionen sichtbar zu machen und Kompromisse in der Regierung ehrlich und transparent zu kommunizieren. „Es ist gut, dass die beiden angekündigt haben, den Bundestagswahlkampf auszuwerten und auf eine gute Beteiligung der Mitglieder unserer stark gewachsenen Partei zu setzen“, sagte Kura zu kreiszeitung.de.

Leon Alam: Baerbock und Habeck haben grandiosen Job gemacht

Auch Kuras Hamburger Kollege, der stellvertretende Landesvorsitzende Leon Alam, sagte kreiszeitung.de: „Annalena Baerbock und Robert Habeck haben einen grandiosen Job gemacht und unsere Partei nach 16 Jahren Opposition wieder in die Bundesregierung geführt.“ Die Fußstapfen seien groß und es gebe viel zu tun: Zunächst würden die neuen Vorsitzenden den Wahlkampf auswerten und schauen müssen, was erfolgreich war und was die Partei beim nächsten Mal besser machen könnte. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sprach der scheidende Bundesgeschäftsführer Michael Kellner von einer großen Gestaltungslust in seiner Partei, die es nun zu nutzen gelte.

Grüne nach Bundestagswahl: neue Bedeutung als Regierungspartei verdeutlichen

In diesem Zusammenhang erläuterte Alam gegenüber kreiszeitung.de, dass nun die Strukturen in der Parteizentrale an das rasante Mitgliederwachstum und die neue Bedeutung als Regierungspartei angepasst werden müssten. „Das wichtigste Ziel aber ist, dass wir auf allen Ebenen und mit vereinten Kräften – in den Regierungen, Fraktionen und Parteigliederungen – gute Arbeit leisten und als Grüne dazu beitragen können, die riesigen Herausforderungen unserer Zeit in den Griff zu bekommen.“ Der Hamburger Politiker bezog sich dabei auf diverse Themengebiete: etwa die Pandemie, die Klimakrise oder die Außenpolitik.

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„Vor dem neuen Bundesvorstand liegen große Aufgaben. Ich traue Ricarda Lang und Omid Nouripour zu, dass sie gute und erfolgreiche Parteivorsitzende werden“, so Alam. Beide seien erfahrene Politiker, die unterschiedliche Perspektiven und Lebenserfahrungen mitbringen und sich sowohl politisch als auch menschlich sehr gut ergänzen würden.

Parteitag 2022: Grüne stimmen über neuen Vorstand ab – Ricarda Lang vor der Wahl an Corona erkrankt

Aufgrund der großen Einigkeit bei den Grünen, die sich auch für Steinmeier als Bundespräsidenten starkmachen, wird derzeit erwartet, dass der digitale Parteitag, der am Freitag startet, wenig Kontroversen hervorbringt. Wenn am Samstag der neue Grünen-Vorstand gewählt wird, könnte allerdings ein Fehltritt des alten Bundesvorstands, dem auch Ricarda Lang angehört, zur Sprache kommen: Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit wegen Corona-Bonuszahlungen. Zum Verhängnis für die Kandidatin wird dies allerdings wahrscheinlich nicht werden. „Das ist ja bereits länger bekannt und die Boni wurden zurückgezahlt. Jetzt wird es noch mal von der Staatsanwaltschaft durchleuchtet, mit der wir vollumfänglich kooperieren“, bewertete Lang den Vorgang.

Lang, die sich auch für eine Reform der Jobcenter ausspricht und die vor dem Parteitag an Corona erkrankt ist, zeigte sich zudem sicher, dass vom Parteitag ein „Signal der Geschlossenheit“ ausgehen werde. „Trotzdem ist klar: Wir werden auch weiterhin lebendige inhaltliche Debatten führen. Das macht unsere Partei aus“, sagte sie der dpa. Große Debatten wurden in der Partei auch nach der vergangenen Bundestagswahl über die Besetzung der Kabinettsposten geführt. Während es zwischenzeitlich zwischen dem linken Parteiflügel und den Realos kräftig krachte, scheinen inzwischen aber die Wogen geglättet worden zu sein. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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