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Viele Banken ohne Geldautomaten: Bargeld nur noch im Supermarkt?

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Von: Elias Bartl, Alexander Eser-Ruperti

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Am Geldautomaten an der Ecke mal eben 20 Euro abheben? Für viele Bankkunden ist das entweder gar nicht mehr oder zumindest nicht mehr kostenlos möglich.
Am Geldautomaten an der Ecke mal eben 20 Euro abheben? Für viele Bankkunden ist das entweder gar nicht mehr oder zumindest nicht mehr kostenlos möglich. © Fabian Sommer/DPA

Schweden soll ab 2023 das erste komplett bargeldlose Land werden. Auch in Deutschland verzichten immer mehr Banken komplett auf eigene Geldautomaten.

Hanover – Angesichts der schwindenden Bedeutung des Bargelds im Alltagsleben machen sich die von Scheinen und Münzen abhängigen Wirtschaftszweige Zukunftssorgen. Der internationale Währungsverband ICA und die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste warnten in München, dass die Bargeldversorgung eines Tages zu teuer für Handel und Banken werden könnte, um noch eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten.

Die Folge und die großen Frage: Gibt es Bargeld bald nur noch im Supermarkt?

Bargeldbranche hat Zukunftssorgen: Immer weniger Bargeld im Handel

Auslöser dieser Sorgen sind Analysen der Bundesbank: Demnach wurden 2020 nur noch 61 Prozent aller Einkäufe im stationären Handel bar bezahlt. 2011 lag dieser Anteil noch bei 82 Prozent. Dessen ungeachtet ist die Menge des im Umlauf befindlichen Bargelds bisher weiter gestiegen – was von den Fachleuten so gedeutet wird, dass die Bürger große Summen horten und nicht ausgeben. Die Corona-Pandemie hat die Abkehr vom Bargeld nach den Worten von Michael Mewes, dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW), beschleunigt. Als Negativbeispiel dient der Bargeld-Branche Schweden, wo bargeldloses Bezahlen sehr viel weiter verbreitet ist als in Deutschland oder Österreich. Ab 2023 möchte Schweden als erstes Land komplett auf Bargeld im Handel verzichten.

EC-Karte vor dem Aus: Maestro-Kunden stehen vor Problemen und Kosten

Bei der deutschen EC-Karte stehen Maestro-Kunden perspektivisch vor Problemen und Kosten. Das hat mit dem Auslaufen einer Maestro-Funktion zu tun, die Girokarten bisher auch im Ausland nutzbar gemacht hatte. Viele Banken stellen ihr Angebot nun um, für einige ist das bereits Anlass zum etwas vorzeitigen Abgesang auf die altbewährte Karte.

Dennoch stimmt: Obwohl ihre Zeit noch nicht ganz abgelaufen ist, steht die EC-Karte zunehmend vor dem Aus. Bei der Sparkasse will man mit der sogenannten „Sparkassen-Card“ Abhilfe schaffen. Inzwischen sind viele deutsche Banken dazu übergegangen, Gebühren für EC-Karten zu erheben, was wiederum in einigen Fällen Kündigungen nach sich zieht. Die ING Deutschland etwa verlangt für die Girokarte seit März 2022 monatlich 99 Cent. Ein weiterer Nachteil der Girocard: Onlinezahlungen sind mit ihr bisher nicht möglich.

Onlinebanken verzichten auf Geldautomaten: Bargeld nur noch im Supermarkt

In Deutschland sprießen in den vergangenen Jahren immer mehr sogenannte Neo-Banken aus dem Boden. Meist verzichten die Online-Banken komplett auf eigene Filialen und Bankautomaten. Kunden die Bargeld benötigen, müssen sich dieses dann per App an der Supermarktkasse auszahlen lassen. Doch nicht nur die Online-Banken verzichten auf das Geschäft mit den Geldautomaten. Immer mehr klassische Banken verlangen mittlerweile eine Gebühr für das Abheben von Bargeld.

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In einer Erhebung des Online-Portals Verivox hat sich herausgestellt, dass nur sechs von zwölf untersuchten Banken noch eine kostenlose Bargeld-Abhebung anbieten. „Einige Banken legen einen Mindest-Abhebebetrag fest oder beschränken die Anzahl der kostenfreien Barabhebungen pro Monat“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer von Verivox Finanzvergleich, der Welt. Im Vergleich zum Jahr 2016 ist die Zahl der Bankfilialen um mehr als 30 Prozent zurückgegangen. Auch die Zahl der Geldautomaten ist in den vergangenen sechs Jahren deutlich gesunken – um fast 3800 Geräte auf zuletzt nur noch rund 55.000. 

Bargeld im Krisenfall: Bundesbank sieht sich gut vorbereitet auf „Blackout“

Die Bundesbank sieht sich für die Versorgung Deutschlands mit Bargeld im Krisenfall gut gerüstet. „Wir haben genügend Bargeld in den 31 Filialen gebunkert“, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Johannes Beermann am Dienstag, 22. November 2022, in Frankfurt. „Wir sind dort für fünf Tage gesichert.“ Darüber hinaus gebe es umfangreiche Reserven bei einigen regionalen Bargeldstützpunkten: „Die Bundesbank ist stets auszahlungsfähig.“ Nach Erfahrungen der Bundesbank steigt in Krisenzeiten die Nachfrage der Menschen nach Scheinen und Münzen. „Immer wenn es kritisch wird, dann gehen die Menschen in Deutschland aufs Bargeld“, berichtete Beermann mit Blick auf die Finanzkrise 2008 und jüngst die Corona-Krise.

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