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Gasumlage noch nicht drin: Stadtwerke ziehen Gaspreise massiv an

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Von: Fabian Raddatz

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Energieversorger in NRW erhöhen die Preise. Beim Blick auf die Abrechnung dürfte sich also manch einer erschrecken.
Energieversorger in NRW erhöhen die Preise. Beim Blick auf die Abrechnung dürfte sich also manch einer erschrecken. © Patrick Pleul/dpa

Nachdem der Versorger Rheinenergie seine Preise mehr als verdoppelt hat, ziehen nun viele Stadtwerke nach. Und dann folgt auch noch die Gas-Umlage.

Berlin – Zum 1. Oktober sollen die Preise für Erdgas um mehr als 116 Prozent steigen. Mit dieser Nachricht schockte der Kölner Energieversorger Rheinenergie seine Kunden. Vertriebsvorstand Achim Südmeier rechtfertigte die massive Erhöhung im Podcast Handelsblatt Green: „Wir haben auf der Gaseinkaufsseite Mehraufwendungen von über 700 Millionen Euro.“ Diese müsse man nun an die Kunden weitergeben.

Rheinenergie waren die ersten, nun ziehen zahlreiche Stadtwerke nach. Auch Kunden der Energieversorgung Oberhausen (33 Prozent) sowie Stadtwerke Wuppertal (50 Prozent Erhöhung) werden bald deutlich stärker zur Kasse gebeten, berichtet das Handelsblatt und zitiert den Energie-Experten Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale in NRW: „Es gibt eine größere Preiserhöhungswelle. Es werden definitiv noch viele Stadtwerke nachziehen.“

Viele Stadtwerke ziehen jetzt die Gaspreise an: Gasumlage noch nicht mit einberechnet

Einige Gaslieferanten haben nämlich in der Vergangenheit bereits ihre Preise angepasst. So kündigten etwa die Stadtwerke München eine Preiserhöhung an – die dritte innerhalb eines Jahres. Und auch in Wuppertal geht man von einer mehrfachen Steigerung im Jahr 2022 aus. Und auch bei EWE in Oldenburg werden Strom und Gas deutlich teurer.

Bereits jetzt haben es die Preiserhöhungen in sich, dabei ist die staatliche Gasumlage noch gar nicht inbegriffen. Das Handelsblatt rechnet vor: Rheinenergie-Kunden mit einem Durchschnittshaushalt (15.000 bis 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch) müssen mit 2500 bis 3000 Euro Mehrkosten im Jahr rechnen.

Gasumlage könnte zu erheblichen Mehrkosten für Gaskunden führen

Die Umlage soll ab Anfang Oktober greifen und Gasversorgern wie Uniper zugute kommen, die zu hohen Preisen Ersatz für ausbleibende, günstigere Gasmengen aus Russland kaufen müssen. Sie können diese Mehrkosten aber bisher nicht weitergeben, dies soll über die Umlage geschehen. Uniper war in finanzielle Turbulenzen geraten, der Bund hatte ein milliardenschweres Rettungspaket beschlossen.

Die Höhe der Umlage wird laut Ministerium vom sogenannten Marktgebietsverantwortlichen am 15. August mitgeteilt – das ist die Trading Hub Europe (THE), ein Zusammenschluss von Netzgesellschaften. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte eine Spanne von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde genannt. Das könnte zu erheblichen Mehrkosten für die Gaskunden führen. Unklar ist nach wie vor, ob auf die Umlage auch eine Mehrwertsteuer fällig werden wird.

Preissteigerungen und Gasumlage: Millionen Deutsche betroffen

Millionen Deutsche sind von den massiven Preiserhöhungen für Energie betroffen. So heizen rund 20 Millionen Haushalte in Deutschland ihre Wohnungen und Häuser mit einer Gasheizung – fast die Hälfte aller Haushalte. Die Gasumlage hat enorme Auswirkungen auf Familien, Paare und Singles.

Für Menschen, die mit Öl heizen, sehen die Prognosen noch düsterer aus. Sie müssen bei 110 Quadratmetern mit Kostensteigerungen von fast 870 Euro rechnen, so die Süddeutsche. Insgesamt würden Verbraucher bei dieser Wohnungsgröße für 2022 stolze 2300 Euro fürs Heizen zahlen.

Dieses Plus an Kosten wird auch die Energiepauschale von über 300 Euro für Arbeitnehmer, die mit den September-Gehältern ausgezahlt werden soll, nur in kleinem Umfang auffangen können.

Rheinenergie-Vertriebsvorstand: Preisdimensionen, die vorher unvorstellbar waren

Rheinenergie-Vertriebsvorstand Südmeier zum Handelsblatt: „Die Preise lagen 2021 noch bei 23 Euro. Ein Jahr später sind sie bei 107 Euro.“ Das seien Preisdimensionen, die vorher unvorstellbar waren, so Südmeier. Eine Megawattstunde Erdgas für den Monat September werde an der niederländischen TTF-Börse derzeit für 193 Euro gehandelt.

Südmeier: „Wir liegen bei einem Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von 20.000 kWh pro Jahr aktuell bei 1750 Euro im Schnitt. Im nächsten Jahr sind das mit der Erhöhung 3832 Euro. Das sind signifikante Steigerungen.“

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