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Gaskrise in Deutschland: Verbraucher leiden – der Staat kassiert

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Von: Anika Zuschke

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Euroscheine im Hintergrund und im Vordergrund eine Gaszuleitung mit Gasdruckanzeige eines gasbetriebene Blockheizkraftwerks.
Während Verbraucher unter der Gaskrise in Deutschland extrem leiden, kassiert der Staat enorme Steuereinnahmen. (kreiszeitung.de-Montage) © Arne Dedert/dpa/ULMER Pressebildagentur/Imago

Aufgrund der Gaskrise in Deutschland bangen viele Verbraucher vor kommenden Gasrechnungen – während der Staat Steuereinnahmen in Milliardenhöhe kassiert.

Berlin – Die Gaskrise in Deutschland zerrt an den Nerven von Verbrauchern, Unternehmen und auch der Politik. Denn infolge des Ukraine-Kriegs hat Russland die Gaslieferungen in die Bundesrepublik stark gedrosselt – was zu Preisexplosionen von Erdgas und Strom und zu einer beständigen Angst vor einem Gasnotstand im Winter führte. Während Verbraucher extrem unter den neuen Gaspreisen leiden und teilweise schon nicht mehr wissen, wie sie ihre Rechnungen ohne finanzielle Hilfe bezahlen sollen, kassiert der Staat dicke ab – denn die Gaskrise beschert der Regierung Steuereinnahmen in Milliardenhöhe.

Gaskrise in Deutschland: Gaspreise explodieren – das wirkt sich auch auf die Steuereinnahmen aus

Im Jahr 2021 lag der Preis für eine Kilowattstunde Gas im Schnitt bei 6,56 Cent – im ersten Halbjahr 2022 stiegen die durchschnittlichen Kosten dem Verbraucherportal „Verivox“ zufolge auf 13,67 Cent pro Kilowattstunde, berichtet der Spiegel. Da Gas mit einer Umsatzsteuer von 19 Prozent belegt wird, wirken sich diese Kostensteigerungen natürlich auch auf die Einnahmen des Staates aus.

Während Verbraucher im vergangenen Jahr für Gas also rund 3,3 Milliarden Euro in die Staatskasse einzahlen mussten, würde es sich bei gleichem Gasverbrauch 2022 um Mehrwertsteuereinnahmen von etwa 6,9 Milliarden Euro handeln – das läuft auf ein Plus von 3,6 Milliarden Euro hinaus.

Ab Oktober kommt die Gasumlage – lässt Gaspreise für Verbraucher erneut steigen

Dazu kommt ab Oktober nun auch noch die neue Gasumlage, die Verbraucher vor zusätzliche Mehrkosten stellt – welche unter Umständen ebenfalls versteuert werden. Ob eine Mehrwertsteuer für die Gasumlage erhoben wird, steht allerdings noch nicht fest. Bislang wehrt sich die Ampel inklusive Finanzminister Christian Lindner vehement dagegen.

Die finale Höhe der Gasumlage wurde zwar noch nicht festgelegt, doch sprach Wirtschaftsminister Robert Habeck von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde, die dadurch mehr für die Verbraucher anfallen könnten. Wie der Spiegel berichtet, würde das laut Verivox auf bis zu 2,9 Milliarden Euro zusätzliche Steuereinnahmen hinauslaufen.

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Wegen Gaskrise in Deutschland werden Millionen Haushalte ihre Heizkosten nicht zahlen können

Was die Gasumlage inklusive Mehrwertsteuer konkret für einzelne Haushalte in Deutschland bedeuten könnte, hat der Focus beim Bund der Steuerzahler nachgefragt. Demnach würden auf einen durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalt mit einem Gasverbrauch von 12.000 Kilowattstunden pro Jahr je nach tatsächlicher Höhe der Gasumlage bis zu 600 Euro Mehrkosten zukommen.

Mit einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent liefen diese Kosten auf zusätzliche 114 Euro im Jahr hinaus, die Verbraucher aufgrund der Gasumlage in die Staatskasse einzahlen müssten. Dem Bund der Steuerzahler zufolge ist das eine nicht hinnehmbare Mehrbelastung der Bürger: „Die Umlage sollte nur so hoch ausfallen, wie dringend nötig. Zudem darf der Staat nicht daran verdienen – deshalb sollte keine Mehrwertsteuer auf die Umlage erhoben werden“, heißt es von dem Verein laut Focus.

Schon jetzt befürchtet der Deutsche Mieterbund, dass Millionen Haushalte ihre Heizkosten wegen der explodieren Gaspreise in Zukunft nicht bezahlen können. „Das sind verdammt viele Menschen“, sagte Verbandspräsident Lukas Siebenkotten dem Tagesspiegel. Betroffen seien vor allem Verbraucher, die knapp oberhalb staatlicher Hilfsleistungen liegen.

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