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Gas-Verschwendung: Habeck soll Deutsche zum Sparen zwingen

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Von: Jens Kiffmeier

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Deutschland muss Energie sparen – mehr als andere EU-Länder. Doch in der Gaskrise passiert wenig. Der Ruf nach gesetzlichen Vorgaben wird laut. Spanien ist weiter.

Berlin – Schluss mit der Freiwilligkeit: Wegen zu hoher Verschwendung beim Gasverbrauch haben Umweltverbände ein härteres Durchgreifen gefordert. Nach dem Vorbild von Spanien soll Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) jetzt staatliche Vorgaben zum Energiesparen erlassen. Die Bundesregierung müsse unbedingt nachziehen und dem zügellosen Umgang mit dem Energieverbrauch „ein Ende bereiten“, sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Sascha Müller-Kraenner, dem Redaktionsnetzwerk Deutschlands (RND). Tatsächlich ist der Handlungsdruck in Deutschland besonders groß.

Gaskrise in Deutschland: Gas sparen per Gesetz – Deutschland soll Vorbild von Spanien folgen

Seit Beginn des Ukraine-Konflikts stecken Deutschland und Europa in der Gaskrise. Nachdem Russland aus Protest gegen die Sanktionen der Europäischen Union (EU) die Lieferung von Gas massiv gedrosselt hat, steht den Verbrauchern ein teurer Winter bevor. Als Vorsorge für die kalten Monate hatte Spanien zu Wochenbeginn deswegen ein Paket mit drastischen Einsparmaßnahmen beschlossen: So darf in öffentlichen Gebäuden wie Geschäften, Büros oder in Bahnhöfen im Winter nur noch auf maximal 19 Grad geheizt werden. Im Sommer dürfen Klimaanlagen die Raumtemperatur nicht auf unter 27 Grad senken. Die Beleuchtung muss bei Nichtnutzung ausgeschaltet werden, was auch für Schaufenster gilt.

Soll die Deutschen zum Gassparen zwingen: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), der hier vor einer Gas-Pipeline zu sehen ist.
Soll die Deutschen zum Gassparen zwingen: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). © Soeren Stache/dpa

In der deutschen Politik scheut man diese Verordnung noch. Doch bei den Umweltverbänden wird der Ruf immer lauter, es dem spanischen Vorbild gleichzutun. Der spanische Ansatz verspreche den größten Nutzen und die größte Akzeptanz für die Bevölkerung, sagte Greenpeace-Vorstand Martin Kaiser dem RND. Habeck sollte unbedingt den Aspekt der Freiwilligkeit aus dem Energiesicherheitspaket streichen und die „verpflichtende Umsetzung im öffentlichen und industriellen Bereich“ vorantreiben.

Gaskrise: Deutschland muss stärker Gas sparen als andere EU-Länder

Angesichts einer drohenden massiven Gasknappheit hatte der Bundeswirtschaftsminister zuletzt zum Energiesparen aufgerufen. Ob das jedoch reicht, bleibt abzuwarten. Denn im Vergleich muss Deutschland, das 40 Prozent seiner Energie aus Russland bezieht, seinen absoluten Gasverbrauch so stark reduzieren wie kein anderes EU-Land. Nach einer von der Nachrichtenagentur dpa veröffentlichten Berechnung müssen die Deutschen von August bis März gut 10 Milliarden Kubikmeter Gas weniger verbrauchen, um das Einsparziel der EU von 15 Prozent zu erreichen.

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Auf diese Zielmarke hatten sich die EU-Länder in ihrem Notfallplan geeinigt. Der Plan sieht vor, den nationalen Konsum im Zeitraum vom 1. August 2022 bis zum 31. März 2023 freiwillig um 15 Prozent zu senken, im Vergleich zum Durchschnittsverbrauch des gleichen Zeitraums in den vergangenen fünf Jahren. Weil Deutschland als größte Industrienation am meisten verbraucht, fällt der Einsparanteil entsprechend hoch aus. Insgesamt muss die EU den Verbrauch um zirka 45 Milliarden Kubikmeter reduzieren, somit entfällt auf Deutschland ein Anteil von fast einem Viertel. Auch Frankreich, die Niederlande und Italien müssen viel beisteuern.

Gaskrise in Deutschland: Auch ohne Sparzwang-Verordnung sieht Habeck die Deutschen auf gutem Weg

Während Wirtschaftsminister Habeck Deutschland auf einem guten Weg sieht, fordert die Industrie mehr Tempo von der Bundesregierung. Allerdings geht es dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) dabei weniger um das Ausschalten von Beleuchtung oder dem Beheizen von Gebäuden: Die Unternehmen wollen einen schnellen Wechsel von Gas auf andere Energieträger. Deutschland habe hier nicht genügend Geschwindigkeit, kritisierte BDI-Präsident Siegfried Russwurm laut der dpa und forderte zugleich ein Wiederanlaufen von Kohlekraftwerken.

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