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Gaskrise in Deutschland: Fluss durch Nord Stream 1 konstant – Weil warnt trotzdem

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Durch Nord Stream 1 fließt wieder Gas, wenn auch nicht so viel, wie möglich wäre. Die Themen Gasnotstand und Gaskrise in Deutschland sind noch nicht vom Tisch.

Hannover – Die Sorgen waren groß: Nach der Wartung von Nord Stream 1 könnte Russland die Gaszufuhr nicht wieder aufnehmen. Zumindest vorerst haben sich diese Befürchtungen nicht bewahrheitet, denn durch die Gaspipeline ist wieder ein konstanter Gaszufluss festzustellen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) warnt dennoch davor, sich nun in falscher Sicherheit zu wiegen – der Gasnotstand ist für ihn noch nicht vom Tisch. Auch beim Mieterbund sieht man angesichts der Gaskrise in Deutschland im Energiesparen das „Gebot der Stunde“.

Drohender Gasnotstand: Konstanter Zufluss durch Gas-Pipeline Nord Stream 1 registriert

Durch die Gas-Pipeline Nord Stream 1 fließt wieder Gas von Russland nach Deutschland. Vorerst atmet man in der Politik auf, wenn auch nur vorläufig – und vorsichtig. Zumindest kurzfristig dämpft die Wiederaufnahme die Sorge um den drohenden Gasnotstand. Aus verschiedenen Ecken werden dennoch bereits Stimmen laut, die vor einer falschen Sicherheit warnen, eine davon ist Stephan Weil (SPD). Derweil werden Gas-Lieferungen von etwa 40 Prozent der möglichen Auslastung registriert – dennoch droht weiter die Gaskrise in Deutschland.

Ministerpräsident Stephan Weil
Trotz der Wiederaufnahme von Nord Stream 1 warnt Niedersachsens Ministerpräsident davor, sich in „falscher Sicherheit“ zu wägen. (Archivbild) © Julian Stratenschulte/dpa/Bildarchiv

Nach Angaben der Betreibergesellschaft Nord Stream 1 AG vom Morgen des Freitags, den 22. Juli 2022, wurden von Donnerstag auf Freitag stündlich konstant 29,3 Gigawattstunden geliefert. Auf den Tag hochgerechnet entspricht das rund 700 Gigawattstunden und damit den zuvor genannten etwa 40 Prozent der möglichen Auslastung. Die Gaslieferungen liegen damit im gleichen Bereich wie vor den Wartungsarbeiten.

Gaskrise in Deutschland: Es fließt Gas durch Nord Stream 1, Stephan Weil (SPD) warnt trotzdem vor Gasnotstand

Wenngleich Russland durch Nord Stream 1 wieder Gas nach Deutschland liefert, zeigt sich der Ministerpräsident von Niedersachsen, Stephan Weil (SPD), skeptisch. Der SPD-Politiker warnt davor, dass nach wie vor zu jedem Zeitpunkt das Gas abgedreht werden könnte – eine dauerhafte Befürchtung während der Gaskrise in Deutschland. Das Thema Gasnotstand ist für Niedersachsens Regierungschef keineswegs vom Tisch. In einer Mitteilung hatte Stephan Weil erklärt, die Wiederaufnahme sei für die europäische Erdgasversorgung eine gute Nachricht, doch er warnte auch: „Wir dürfen aber keinesfalls den Fehler machen, uns nun über den Sommer hinweg in falscher Sicherheit zu wiegen.“

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Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuletzt erklärt, der staatliche Gaskonzern Gazprom werde seine Verpflichtungen „vollständig“ erfüllen. Russland hatte die Gaslieferungen nach Deutschland im Juni bereits um mehr als die Hälfte reduziert, als Begründung wurde das Fehlen einer Turbine von Siemens Energy genannt. In der Ampelkoalition unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) hält man das für vorgeschoben. Erst vor kurzem war dann die Pipeline wegen Wartungsarbeiten stillgelegt worden, was Sorgen vor einer ausbleibenden Wiederaufnahme genährt hatte. In Bezug auf die Turbine hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) seinerseits darauf gedrängt, die Lieferung doch noch zu ermöglichen.

Mieterbund zu drohendem Gasnotstand: Energiesparen „Gebot der Stunde“ wegen Gaskrise in Deutschland

Trotz der Wiederaufnahme von Nord Stream 1 betont man beim Mieterbund die Bedeutung des Energiesparens. Aus dem Verband heißt es gegenüber der dpa: „Energiesparen ist das Gebot der Stunde und betrifft alle: Eigentümer, Mieter und Industrie. Dabei darf aber natürlich nicht vergessen werden, dass zu kalte Wohnungen oder einfrierende Leitungen im Winter zu erheblichen Schäden am Haus und an der Gesundheit der Bewohner führen können. Berücksichtigen muss man daher in jedem Fall auch die haftungsrechtlichen Fragen für etwaige Schäden an den Gebäuden und an der Gesundheit ihrer Bewohner durch zu kalte Wohnungen im Winter.“

Wirtschaftsminister Robert Habeck hatte erst kürzlich ein neues Paket zum Energiesparen wegen der Gaskrise in Deutschland angekündigt. Darin geht es auch um Einsparung von Gas in Privatwohnungen. Habeck hatte zuletzt zudem die Priorisierung privater Haushalte bei der Versorgung mit Gas infrage gestellt. Die Äußerungen hatten vielerorts für Irritationen gesorgt und wiederholt die Frage aufgeworfen, wem im Fall eines tatsächlichen Gasnotstands zuerst das Gas abgedreht wird.

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