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Flammen über Nord Stream 1 gesichtet: Verbrennt Russland überschüssiges Gas?

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Von: Felix Durach

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Durch Nord Stream 1 fließen nur noch 20 Prozent der ursprünglichen Gasmengen. Doch Berichte lassen nun aufhorchen: Muss Russland überschüssiges Gas verbrennen?

Moskau – Europa ächzt unter der Gas-Krise. Auch nach den Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream 1 wird nur eingeschränkt Gas in die Bundesrepublik geliefert. Zunächst lieferte Moskau 40 Prozent der ursprünglichen Pipelinekapazität wie schon vor der Wartung. Wenige Tage nach der Wartung regelte der Kreml die Versorgung jedoch auf 20 Prozent der normalen Kapazität herunter.

Gas-Krise: Gazprom drossel Lieferungen - Wirbel um benötige Turbine

Was folgte, war eine regelrechte Farce um die Gründe für die Drosselungen, die auch weiterhin andauert. Moskau beruft sich auf das Fehlen einer notwendigen Gasturbine, die den Betrieb einschränken würde. Eben diese Turbine wurde mittlerweile aus Kanada nach Deutschland geliefert, hängt nun jedoch in Mülheim an der Ruhr fest. Der Kreml bekräftigt, dass die Einfuhr der Turbine nach Russland aufgrund der verhängten Sanktionen nicht möglich sei. Bundeskanzler Olaf Scholz machte sich am Mittwoch selbst ein Bild von der Turbine. „Die Reduzierung der Gaslieferungen über Nord Stream 1 (...) hat keinerlei technische Gründe“, erklärte der Kanzler im Anschluss deutlich.

Neue Eskalation bei Gas-Lieferungen - verbrennt Russland überschüssiges Gas?

In der ohnehin schon aufgeheizten Debatte über russische Gaslieferungen könnten nun eine weitere Eskalationsstufe drohen. Denn wie bekannt wurde, sind seit über einem Monat auf dem Gelände der Verdichterstation in Portovaya, wo die Ostseepipeline beginnt, mächtige Flammen zu sehen. Davon berichtete zuerst die finnische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt yle. Den Berichten zufolge seien die Flammen so groß, dass man sie auch ohne Probleme von finnischer Seite aus beobachten könne. Mehrere Bewohner der Grenzregion bestätigten demnach die Sichtung.

Auch auf Twitter finden sich mehrere Beiträge, die das vermeintliche Feuer über der Anlage zeigen. Die Echtheit der Bilder lässt sich aktuell jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Satelliten-Daten zeigen: Seit Gas-Drosselung - immer wieder Feuer auf Gazprom-Gelände

Einen weiteren Hinweis auf die Feuer geben jedoch auch die Daten des Fire Information for Resource Managment Systems (FIRMS) der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Diese zeigen, dass vom 17. Juni dieses Jahres an jeden Tag Feuer auf dem Gelände der Verdichterstation gebrannt haben. Das berichtete auch die Welt. FIRMS liefert, mit Hilfe von Satellitenbildern, nahezu in Echtzeit Daten über aktive Feuer auf der ganzen Welt. Aufhorchen lässt dabei vor allem der Zeitpunkt, ab dem die Flammen erstmals gesichtet wurden.

Der Start der Feuer deckt sich fast auf den Tag genau mit der Drosslung russischer Gas-Lieferungen über Nord Stream 1 auf 40 Prozent. Die Drosselung wurde am 15. Juni verkündet und zum 16. Juni umgesetzt. Seitdem meldet das System täglich größere Feuer auf dem Gebiet der Anlage. Anzahl und Umfang der Feuer variieren jedoch von Tag zu Tag.

Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1.
Verbrennt Russland Gas an der Ostseepipeline Nord Stream 1? (Symbolbild) © Stefan Sauer/dpa

Flammen über einer Verdichterstation sind erstmal nichts Ungewöhnliches. An den Stationen wird das Gas komprimiert und in die Pipeline eingeleitet. Sollte es zu technischen Problemen oder Störungen kommen, kann Gas direkt vor Ort verbrannt und somit der Gasdruck konstant gehalten werden. Die gleiche Vorgehensweise kann angewendet werden, wenn der Lieferant nicht die komplette Menge an vorhandenem Gas liefern oder der Empfänger nicht die volle Menge empfangen kann.

Gas-Krise: Wie stark leidet Russland selbst unter gedrosselten Liefermengen?

Sollten die Feuer also tatsächlich auf das kontrollierte Verbrennen von russischem Gas zurückzuführen sein, würde das weiter Aufschluss über die aktuelle Situation in Russland geben. Die Umstände würden suggerieren, dass für Russland ebenfalls finanzielle Nachteile aus der Drosselung der Gaslieferungen entstehen. Sollte Gazprom das überflüssige Gas, das nicht mehr nach Deutschland geliefert wird, nicht an andere Interessenten verkaufen können, wäre das direkte Verbrennen der Gaslieferungen an der Verdichterstation in Portovaya eine mögliche Lösung.

Wenn die Drosselung der Gaslieferungen demnach tatsächlich auf das Fehlen der in Deutschland gelagerten Turbine zurückzuführen ist, würde Moskau durch eine Verhinderung der Lieferung ebenfalls deutliche Verluste in Kauf nehmen. (fd)

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