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Erst Knast, dann Flucht: Wagner-Söldner lassen Putin im Ukraine-Krieg hängen

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Von: Jens Kiffmeier

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Peinlich für die Privatarmee: Die Wagner-Gruppe rekrutiert ihre Söldner für den Ukraine-Krieg auch in Gefängnissen. Doch sechs Häftlinge sind getürmt.

Moskau – Verlockendes Angebot abgelehnt: Wegen der hohen Verluste im Ukraine-Krieg rekrutiert Russland seine Kämpfer auch in Gefängnissen. Für den Einsatz für das Vaterland winkt ihnen Straffreiheit. Doch einige Häftlinge haben den Deal jetzt abgekürzt. So sollen sechs Männer die erste Gelegenheit zur Flucht genutzt haben und aus einem Ausbildungszentrum der berüchtigten Wagner-Gruppe geflohen sein. Schwer bewaffnet sind sie jetzt untergetaucht. Der Vorfall zeigt, wie brüchig die Strategie von Russlands Präsident Wladimir Putin ist.

Ukraine-Krieg aktuell: Rekrutierte Häftlinge der Wagner-Söldner sind auf der Flucht

Eigentlich sollten die Männer, die wegen Drogenbesitz in Russland im Gefängnis saßen, in Kürze im Ukraine-Krieg für die Wagner-Privatarmee an die Front geschickt werden. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf den russischen Sender Tsargrad berichtet, wurden die Häftlinge in der Region Luhansk in einem Ausbildungszentrum für ihren Einsatz vorbereitet. Doch statt als Söldner um ihre Straffreiheit zu kämpfen, suchten sie einen anderen Ausweg. „Sie unterschrieben die Söldner-Verträge, um bei der ersten Gelegenheit mit ihren Waffen zu fliehen“, berichtete der TV-Sender.

Nicht alle wollen sind seiner Wagner-Söldnertruppe kämpfen: Jewgeni Prigoschin bestätigt die Flucht von rekrutierten Häftlingen.
Nicht alle wollen sind seiner Wagner-Söldnertruppe kämpfen: Jewgeni Prigoschin bestätigt die Flucht von rekrutierten Häftlingen. © Evgeniy Maloletka/ Sergei Ilnitsky/dpa/Montage

Dem Medienbericht zufolge handelt es sich um Männer aus Russland, Usbekistan und Kirgisistan. Mit Plakaten wird bereits öffentlich nach ihnen gefahndet. Der Chef der Wagner-Söldner, Jewgeni Prigoschin, bestätigte den Vorfall. Doch zugleich wiegelte der Söldner-Chef, der kürzlich selber ein Trainingslager besuchte und dabei ein skurriles Geschenk überreicht, auch ab. Man solle sich keine Sorgen machen, man habe die Situation unter Kontrolle, schrieb er auf seinem Telegram-Kanal.  An den Frontlinien in Luhansk und Donezk und auf dem Territorium Russlands würden sich „eine Menge Schurken“ aufhalten. Der eigene Sicherheitsdienst sowie die Nationalgarde würden die Deserteure mit Sicherheit aufspüren.

Wagner-Söldnertruppe: Jewgeni Prigoschin setzt seine Privatarmee an der Frontlinie im Ukraine-Krieg ein

Die Wagner-Gruppe ist für ihr brutales und skrupelloses Vorgehen berüchtigt. Aufgebaut wurde die Wagner Söldnertruppe von Prigoschin, der auch unter seinem Spitznamen „Putins Koch“ bekannt ist. Er gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten. Nachdem er bereits in früheren Jahren mit seinen Söldnern internationale Krisenherde aufgemischt hatte, steigt auch sein Einfluss im Ukraine-Krieg. So soll die Truppe vor allem an den hart umkämpften Frontabschnitten agieren und für eine Reihe von Kriegsverbrechen verantwortlich sein. Zuletzt wurde Prigoschin auch immer wieder als ein potenzieller Nachfolger im Falle von Putins Sturz gehandelt.

Die Wagner-Söldner und ihre Namensherkunft

Die Gruppe Wagner ist eine paramilitärische Einheit, die vom Chef Jewgenij Prigoschin gegründet worden ist. Russlands Söldner gelten seit ihrer Gründung im Jahr 2014 als Schattenarmee des Kremls sowie Wladimir Putins und sollen in zahlreichen Krisenregionen aktiv gewesen sein. Dabei kann die Gruppe Wagner auch in Zusammenhang mit Folter und Hinrichtungen gebracht werden. Die Namensherkunft des Militärunternehmens hat einen nationalsozialistischen Hintergrund. Die Truppe wurde angeblich nach dem Lieblingskomponisten Adolf Hitlers, Richard Wagner, benannt.

Jedoch hatte die Wagner-Truppe in den vergangenen Monaten zuletzt immer wieder hohe Verluste zu beklagen – so wie die russische Armee als Ganzes. Mit einer erfolgreichen Gegenoffensive hatten die ukrainischen Truppen die Angreifer in einigen Regionen der Ostukraine weit zurückgedrängt. Zwar stagnieren die Geländegewinne derzeit wegen des angebrochenen Winters, aber dennoch ist die Zahl der Opfer in dem Stellungskrieg unverändert hoch. Am Montag, 2. Januar 2023, meldete der ukrainische Generalstab wieder 720 getötete russische Soldatinnen und Soldaten.

Wagner-Gruppe im Ukraine-Krieg: Prigoschin rekrutiert zehntausende Kämpfer für seine Privatarmee

Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Doch hatte Russlands Kreml die Bemühungen erhöht, um die Verluste in den eigenen Reihen auszugleichen. So rekrutierte er über eine Teilmobilmachung mehr als 300.000 Reservisten für den Ukraine-Krieg. Außerdem startete Russland die Anwerbung in den Gefängnissen. Wie viele Häftlinge sich auf einen Deal einließen, ist unklar. Im September gingen einige russische Nichtregierungsorganisationen von zirka 10.000 Strafgefangenen aus. Doch bis zum Jahresende soll die Zahl bereits auf 40.000 angewachsen sein, hatte Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, John Kirby, Ende Dezember gemutmaßt.

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Ihnen allen soll die Freiheit nach sechs Monaten im Ukraine-Krieg angeboten worden sein. Außerdem wurden 100.000 Rubel versprochen. Doch dass allein das Geld als Lockmittel reicht, glaubt nicht einmal der Kreml. Vorsorglich hatte Putins Sicherheitsapparat zuletzt auch die Höhe der Strafen für Deserteure erhöht. Wer von der Front flieht, dem blüht neuerdings eine lebenslange Haftstrafe. Doch die sechs Rekruten der Wagner-Armee hat das nicht von der Flucht abgehalten. (jkf)

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