UN: Wir leben in einer Ära der Vertreibung

Und nun? Ein Bootsflüchtling sitzt ratlos an der französisch-italienischen Grenze bei Menton. Foto: Sebastien Nogier
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Und nun? Ein Bootsflüchtling sitzt ratlos an der französisch-italienischen Grenze bei Menton. Foto: Sebastien Nogier
Ein Flüchtlingsjunge aus Burundi hat Schutz unter einem Moskitonetz gesucht. Foto: Dai Kurokawa
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Ein Flüchtlingsjunge aus Burundi hat Schutz unter einem Moskitonetz gesucht. Foto: Dai Kurokawa
Flüchtlinge in einem Schlauchboot vor der italienische Insel Lampedusa. Foto: Darrin Zammit Lupi/MOAS.EU
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Flüchtlinge in einem Schlauchboot vor der italienische Insel Lampedusa. Foto: Darrin Zammit Lupi/MOAS.EU
Zunkunft ungewiss: Noch immer campieren gestrandete Flüchtlinge an der Mittelmeerküste von Ventimiglia an der italienisch-französischen Grenze. Foto: Luca Zennaro
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Zunkunft ungewiss: Noch immer campieren gestrandete Flüchtlinge an der Mittelmeerküste von Ventimiglia an der italienisch-französischen Grenze. Foto: Luca Zennaro
Ein erschöpfter Flüchtling schläft zwischen Felsen in Italien. Foto: Luca Zennaro
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Ein erschöpfter Flüchtling schläft zwischen Felsen in Italien. Foto: Luca Zennaro
Die Zahl der Asylsuchenden steigt weiterhin an. Foto: Patrick Pleul/Archiv
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Die Zahl der Asylsuchenden steigt weiterhin an. Foto: Patrick Pleul/Archiv
Seit Wochen spielt sich in Südostasien ein ähnliches Flüchtlingsdrama ab wie im Mittelmeer. Foto: Myanmar Information Ministry
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Seit Wochen spielt sich in Südostasien ein ähnliches Flüchtlingsdrama ab wie im Mittelmeer. Foto: Myanmar Information Ministry
Die Bundeswehr beteiligt sich im Mittelmeer mit zwei Schiffen an der Seenotrettung. Die Soldaten haben nach Bergungsaktionen bereits mehrere Schleuserboote versenkt. Foto: Bundeswehr/PAO Mittelmeer
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Die Bundeswehr beteiligt sich im Mittelmeer mit zwei Schiffen an der Seenotrettung. Die Soldaten haben nach Bergungsaktionen bereits mehrere Schleuserboote versenkt. Foto: Bundeswehr/PAO Mittelmeer

Die Tragödien im Mittelmeer zeigen den Europäern die Verzweiflung der von Not und Gewalt bedrängten Menschen. Dabei kommt nur ein Bruchteil der Flüchtlinge in Europa an. Weltweit nimmt die Tragödie erschreckende Ausmaße an.

Genf (dpa) - Reiche Länder tragen nach Darstellung der Vereinten Nationen in der Flüchtlingspolitik eine wesentlich geringere Last als ärmere Länder. Knapp neun von zehn Flüchtlingen (86 Prozent) befanden sich 2014 in Ländern, die als wirtschaftlich weniger entwickelt gelten.

Das teilt das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in seinem Jahresbericht mit. Die Welt werde Zeuge eines "unkontrollierten Abgleitens in eine Ära, in der das Ausmaß der globalen Vertreibung sowie die nötige Antwort alles Bisherige in den Schatten stellen", sagte UN-Flüchtlingskommissar António Guterres.

Die meisten Flüchtlinge hat demnach die Türkei aufgenommen (1,59 Millionen). Es folgen Pakistan, Libanon, der Iran, Äthiopien und Jordanien. Dabei beherberge der Libanon im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Flüchtlinge in seinen Grenzen. Hier kämen 232 Flüchtlinge auf 1000 Einwohner.

Die Zahl der weltweiten Flüchtlinge nahm von 2013 auf 2014 um mehr als acht Millionen zu. Dies sei die höchste jemals im Laufe eines Jahres dokumentierte Steigerung, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk mit. Insgesamt verließen fast 60 Millionen Menschen ihre Heimatorte oder gar ihre Heimatländer aus Angst und Not. Jeder zweite Flüchtling sei ein Kind. Brennpunkte von Gewalt und Elend seien vor allem Syrien, Afghanistan, der Irak und Somalia.

Die internationale Gemeinschaft steht der Entwicklung aus Sicht des UNHCR viel zu passiv gegenüber. "Es ist erschreckend, dass einerseits diejenigen, die Konflikte beginnen, mehr und mehr straffrei davonkommen und dass andererseits die internationale Gemeinschaft unfähig scheint, gemeinsam Kriege zu beenden und Frieden zu schaffen", sagte Guterres. In den vergangenen fünf Jahren seien mindestens 15 regionale Konflikte ausgebrochen oder wieder aufgeflammt.

Fast 20 Millionen Menschen sind laut UN ins Ausland geflüchtet, 38 Millionen in ihrer Heimat unterwegs auf Schutzsuche, 1,8 Millionen haben einen Asylantrag gestellt. Beim Asyl seien Deutschland und Schweden die bevorzugten Zielländer.

Die Ausweglosigkeit werde auch durch die geringe Zahl derjenigen unterstrichen, die sich wieder in ihre Heimat zurückwagten. Mit knapp 127 000 sei diese Zahl so niedrig wie seit 31 Jahren nicht mehr. Jahrzehntelange Instabilität in einzelnen Ländern bedeute, dass Menschen immer häufiger und länger als Flüchtlinge mit ungewisser Zukunft an den Rändern der Gesellschaft leben müssten.

Jeden Tag verlassen laut UN durchschnittlich 42 500 Menschen ihr Zuhause, um Verfolgung und Gewalt zu entgehen. Neben dem Nahen und Mittleren Osten sei die Lage gerade auch in Afrika schlimm. Konflikte in der Zentralafrikanischen Republik, im Südsudan, Somalia, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo und anderen Staaten haben laut UNHCR 15 Millionen Afrikaner zur Flucht in Nachbarländer oder andere Gegenden ihrer Heimat veranlasst.

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