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9-Euro-Ticket: Linke wollen Nahverkehr das ganze Jahr billig machen

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Von: Felix Busjaeger

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Zugverkehr
Zahlreiche Menschen, zum Teil mit Fahrrädern, steigen in einen Zug. Das 9-Euro-Ticket sorgt für großen Antrag im öffentlichen Nahverkehr © Monika Skolimowska/dpa

Das 9-Euro-Ticket reicht den Linken nicht. Um den Nahverkehr weiter attraktiv zu machen, fordern sie eine Verlängerung der Aktion und ein 365-Euro-Ticket.

Berlin – Das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn aus dem Entlastungspaket 2022 ist in aller Munde. Bundesweit nutzen Menschen das günstige Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr, um durch Deutschland zu reisen. Dass es mitunter voll werden kann, zeigte sich mancherorts bereits über Pfingsten: Teilweise waren die Züge so überfüllt, dass es zu massiven Verspätungen kam. Trotz aller Widrigkeiten stößt das 9-Euro-Ticket auf große Zustimmung und das Auslaufen der Aktion Ende August wird in der Politik teils kontrovers diskutiert. Wenn es nach der Linken geht, ist das 9-Euro-Ticket erst der Anfang für die Einführung eines günstigen Verkehrstickets für alle Bürger.

9-Euro-Ticket: Linke fordern Verlängerung und Jahresticket für 365 Euro

Während Deutschland weiter unter den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs leidet und die Inflation die Preise weiter in die Höhe treibt, sind einige Maßnahmen des Entlastungspakets 2022 der Bundesregierung von Olaf Scholz (SPD) gestartet, um den Menschen Unterstützung zu bieten. An der Zapfsäule soll den Vielfahrern ein Tankrabatt für Diesel und Benzin helfen – der Effekt ist jedoch vielerorts nicht stark ausgefallen und sorgt für Kritik. Die Linke sieht allerdings im 9-Euro-Ticket wohl einen guten Impuls für eine Verkehrswende und fordert, dass das günstige Ticket bis zum Ende des Jahres angeboten werden soll.

Danach soll das 9-Euro-Ticket in ein Jahresticket für 365 Euro übergehen. Der Plan klingt ambitioniert und stößt auf wenig Zustimmung bei den deutschen Landkreisen. Der Deutsche Landkreistag hält solche Vergünstigungen für nicht bezahlbar und plädiert stattdessen dafür, mehr Geld in Sanierung und Ausbau des ÖPNV zu stecken. Trotz dieser Bedenken sieht die Linke den Bedarf an günstigen Tickets. „Das Pfingstwochenende hat gezeigt, dass es einen Riesenbedarf an günstigen Ticketpreisen gibt“, sagte der Linken-Verkehrspolitiker Bernd Riexinger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

9-Euro-Ticket seit 1. Juni gültig: Linke-Politiker fordert neue Finanzierungsgrundlage für öffentlichen Nahverkehr

Laut Riexinger wäre es allerdings ein „Witz, wenn drei Monaten die Preise, auch wegen der hohen Energiekosten, überdurchschnittlich steigen“, und forderte zugleich die Bundesregierung aus SPD, FDP und Grüne auf, die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs auf eine neue Grundlage zu stellen. „Die Ampel muss hier liefern. Ich begrüße, dass der Städte- und Gemeindebund, Umweltorganisationen, Gewerkschaften, Sozialverbände sich für einen kostengünstigen ÖPNV aussprechen“, erklärte der Linken-Politiker weiter. Das 9-Euro-Ticket ist in Deutschland seit dem 1. Juni gültig und erfreut sich indes großer Beliebtheit.

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Konkrete Vorstellungen, wie die Zukunft des Nahverkehrs aussehen könnte, hat Riexinger auch: Ein 365-Euro-Jahresticket ergänzt durch kostenlose Tickets für Schüler, Auszubildende, Studenten sowie Haushalte mit geringem Einkommen sei „eine gute Idee als Anschlussmodell“, so der Politiker. Dem gegenüber steht allerdings eine große Finanzierungslücke, vor der auch der Landkreistag eindringlich warnt. Auf manchen Strecken ist das 9-Euro-Ticket indes nicht gültig.

Keine Verlängerung des 9-Euro-Tickets: Landkreistag warnt vor Investitionsstaus

Die Sorge des Spitzenverbands aller Landkreise ist dabei nicht unbegründet und gipfelt in der Ablehnung eines 9-Euro-Tickets bis zum Jahresende: Wie Landkreistagspräsident Reinhard Sager dem RND erklärte, seien die Landkreise durch Einnahmeverluste während der Corona-Pandemie und bestehende Investitionsstaus große Belastungen für Landkreise und Städte. Um den Nahverkehr zu stärken, würde derzeit schlicht die finanzielle Kraft fehlen. Diese würde durch „massiv rabattierte Tickets“ noch weiter geschwächt werden.

Nach den ersten Tagen mit dem 9-Euro-Ticket kamen die jeweiligen Verkehrsverbände indes zu gemischten Einschätzungen. Der Fahrgastverband Pro Bahn Hessen etwa sah nach den großen Auslastungen in Zügen am Pfingstwochenende in dem 9-Euro-Ticket eine Chance für die Zukunft. Doch es gab auch vermehrt negative Rückmeldungen. Nun bleibt abzuwarten, wie sich die kommenden Monate mit dem 9-Euro-Ticket gestalten – und wie die Politik auf das Fahrgastverhalten reagiert. Weitere Maßnahmen der Politik sind ein Bonus für Hartz IV, ein Kinderbonus und eine Energiepreispauschale von 300 Euro.

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