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9-Euro-Ticket für Bus und Bahn: Wird der ÖPNV danach noch teurer?

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Die Vorfreude vieler Menschen in Deutschland auf das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn ist groß. Doch was kommt danach? Es könnte teuer werden.

Berlin – Viele Menschen in Deutschland freuen sich auf den 01. Juni, denn dann kommt es: Das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn. In Zeiten steigender Preise kann mit dem 9-Euro-Ticket etwa günstig an die Nordsee oder in den Harz gefahren werden, doch nur für einen bestimmten Zeitraum. Das vergünstigte Monatsticket gilt nur in den Monaten Juni, Juli und August. Doch was kommt danach? Die Prognosen der Verkehrsunternehmen klingen nicht erbaulich.

Verkehrsunternehmen rechnen mit steigenden Preisen nach 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn

Erst kürzlich hatte auch in Bremen und Niedersachsen der Verkauf des 9-Euro-Tickets begonnen, die Nachfrage ist hoch. Nach Jahren der zumeist teuren Nutzung des Nahverkehrs könnte der ÖPNV für viele doch wieder attraktiver werden, das hofft zumindest die Politik. Vergessen werden darf dabei nicht, dass es sich bei dem Monatsticket nur um ein zeitlich begrenztes Angebot handelt, danach wird wohl eine Rückkehr in die bekannt teuren Tarife folgen. Nach Einschätzung der Verkehrsunternehmen sieht die Lage sogar noch schlechter aus: Sie rechnen nach dem 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn, das sich jetzt ebenfalls über den DB-Navigator kaufen lässt, mit steigenden Preisen.

Zu sehen: Ein Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn steht in einem Bahnhof. Verkehrsunternehmen fürchten, nach dem 9-Euro-Ticket könnte es teurer werden, als davor. (Symbolbild)
Verkehrsunternehmen fürchten, nach dem 9-Euro-Ticket könnte es teurer werden, als davor. (Symbolbild) © Moritz Frankenberg/dpa/Archivbild

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) glaubt, die Preise könnten nach dem 9-Euro-Ticket wegen fehlender Ausgleichszahlungen des Bundes etwa für höhere Spritpreise steigen. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann: „Wir werden mittelfristig die fehlenden Gelder auf die Fahrpreise umschlagen müssen oder das Angebot einschränken.“ Wortmann führte fort „Die Ticketpreise werden also weiter steigen - nicht direkt zum 1. September, aber in den nächsten Preisrunden. Leider kommen wir dann in die Situation, dass Menschen, die ohnehin schon belastet sind, für ihre Fahrten mehr bezahlen müssen.“

9-Euro-Ticket für Bus und Bahn: VDV-Präsident glaubt nicht an langfristigen Erfolg des Monatstickets

VDV-Präsident Ingo Wortmann glaubt selbst nicht daran, dass immer mehr Menschen durch das ab 01. Juni gültige 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn zum langfristigen Umstieg auf den ÖPNV bewegt werden können. Trotzdem, erklärte Wortmann, sehe er das Monatsticket „durchaus positiv“. Seine Hoffnungen an die längerfristigen Auswirkungen des Angebots sind dennoch nicht groß. Er sagt: „Alle bisherigen Erfahrungen mit besonders günstigem ÖPNV zeigen: Zuerst muss das Angebot stimmen, der Preis ist zweitrangig.“

An diesem Punkt gehen die Einschätzungen der Experten auseinander. Diskutabel ist tatsächlich, wie wahrscheinlich es ist, Menschen mit einem auf drei Monate befristeten Angebot zum langfristigen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. Insbesondere vor dem Hintergrund der Äußerungen Wortmanns ist das fraglich: Ein Umstieg mit der Perspektive, nach drei Monaten sogar noch mehr zu zahlen als zuvor, dürfte für viele nur wenig attraktiv klingen.

9-Euro-Ticket für Bus und Bahn: Unklarheiten auch im Geltungszeitraum des Fahrscheins für den ÖPNV

Unklarheiten gibt es nicht nur bei der Frage, wie es nach dem 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn im ÖPNV preislich weitergeht. Auch für den Geltungszeitraum des vergünstigten Monatstickets gibt es noch Fragen, die Verwirrung um das 9-Euro-Ticket ist groß. Grund dafür ist, dass der eigentlich für den gesamten ÖPNV gültige Fahrschein in einigen Regionalzügen nicht gelten wird.

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Dabei geht es um IC-Streckenabschnitte, auf denen andere Tickets für den Nahverkehr Gültigkeit besitzen. Die Bahn schrieb hierzu: „Das 9-Euro-Ticket ist nicht in Zügen, die durch die DB Fernverkehr AG betrieben werden (z.B. IC, EC, ICE), gültig, auch dann nicht, wenn andere Nahverkehrsfahrkarten in Fernverkehrszügen gelten.“ Auch mit dem 9-Euro-Ticket gilt es, Kostenfallen zu vermeiden. Die Sorge ist groß, dass die Kosten vor allem nach Beendigung des 9-Euro-Tickets wieder steigen – damit wäre weder den Menschen, noch der Verkehrswende geholfen.

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