Wulff-Affäre: Gabriel fordert "Neuanfang"

Berlin - Bislang hatte sich die SPD bei Christian Wulff zurückgehalten. Doch nach weiteren Enthüllungen über den Bundespräsidenten hält SPD-Chef Sigmar Gabriel Wulff für untragbar.

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Die SPD hält Bundespräsident Christian Wulff für schwer angeschlagen. „Das, was in den letzten 60 Jahren einen Bundespräsidenten ausgemacht hat, repräsentiert er nicht mehr und wird er auch nicht mehr repräsentieren“, sagte der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Nötig sei ein „Neuanfang“. Die „Bild“-Zeitung erhob unterdessen neue Vorwürfe gegen Wulff. Mehrere Zeitungen veröffentlichten ihre Schriftwechsel mit Wulffs Anwalt Gernot Lehr.

Gabriel erklärte, das Amt des Staatsoberhaupts sei „in einem Maß beschädigt, das man sich nicht vorstellen konnte.“ Er kritisierte, dass Wulff die Sache anscheinend „aussitzen“ wolle. „Und die Kanzlerin schaut zu.“

Sie waren die Chefs der SPD

Seit Gründung der Bundesrepublik hatte die SPD ein gutes Dutzend Parteivorsitzende. Erfolgreiche und weniger erfolgreiche. © dpa
Manche prägten die älteste deutsche Partei viele Jahre lang. Für andere wurde das Amt zum Schleudersitz. Ein Rückblick. © dpa
Kurt Schumacher (1895-1952) war maßgeblich an der Neugründung der SPD 1945 beteiligt und wurde 1946 zu ihrem ersten Vorsitzenden gewählt. 1949 zog er nach der Wahlniederlage als Oppositionsführer in den Deutschen Bundestag. Er starb am 20. August 1952 im Alter von 57 Jahren. © dpa
Elf Jahre lang war Erich Ollenhauer ab 1952 Vorsitzender der SPD. Der am 27. März 1901 geborene Maurersohn war zwei Mal Kanzlerkandidat gegen Konrad Adenauer - zur Regierungsverantwortung reichte es nie. Ollenhauer starb am 14. Dezember 1963. © dpa
Willy Brandt: Der SPD-Übervater übernahm den Parteivorsitz am 16. Februar 1964. Von 1969 bis 1974 war Brandt Bundeskanzler. Er blieb Parteivoritzender bis 1987. Am 23. März 1987 trat Brandt vom Parteivorsitz zurück. Er hatte Margarita Mathiopoulos als kommende Parteisprecherin präsentiert. Aus den Reihen der SPD hagelte es Kritik. Auf dem außerordentlichen Parteitag am 14. Juni 1987 wurde  Brandt zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit gewählt. © dpa
Hans-Jochen Vogel wurde am 14. Juni 1987 zum SPD-Chef gewählt. Er amtierte bis zum 29. Mai 1991. Vogel war Münchner Oberbürgermeister, später Bundesbau- und Justizminister, Regierender Bürgermeister in Berlin,  Fraktionschef und Kanzlerkandidat (scheiterte 1983 gegen Helmut Kohl). Auf dem Bundesparteitag 1991 kandidierte Vogel aus Altersgründen nicht mehr. © dpa
Björn Engholm wurde am 29. Mai 1991 zum Parteivorsitzenden gewählt. Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein (1988 bis 1993) galt als Hoffnungsträger der SPD. Viele trauten ihm zu, Helmut Kohl bei der Bundestagswahl 1994 als Kanzler abzulösen. Zu dem Duell kam es nie. Engholm trat am 3. Mai 1993 von allen Ämtern zurück. Er hatte vor dem Untersuchungsausschuss zur „Barschel-Affäre“ gelogen. © dpa
Nach dem Rücktritt von Björn Engholm übernahm Johannes Rau von 5. Mai bis zum 23. Juni 1993 kommissarisch den SPD-Vorsitz. Rau war Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (1978 bis 1998), Kanzlerkandidat (1987) und später Bundespräsident (1999 bis 2004). © dpa
Rudolf Scharping wurde am 25. Juni 1993 zum SPD-Vorsitzenden gewählt. Bei der Bundestagswahl 1994 verlor der Ministerpräsident von Rheinland Pfalz (1991 bis 1994) gegen Kanzler Helmut Kohl. Auf dem Mannheimer Parteitag im November 1995 unterlag Scharping in einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz dem Ministerpräsidenten des Saarlandes, Oskar Lafontaine. © dpa
Oskar Lafontaine stellte sich am 16. November 1995 gegen Rudolf Scharping zur Wahl als Parteichef und gewann. Lafontaine war von 1985 bis 1998 Ministerpräsident des Saarlades und ab 1998 Bundesfinanzminister. 1999 schmiss er im Streit mit Gerhard Schröder alle Ämter hin. 2005 trat Lafontaine in die spätere Linkspartei ein. Heute ist er einer der beiden Parteichefs der Linken (mit Lothar Bisky). © dpa
Gerhard Schröder übernahm am 12. März 1999 nach Lafontaines Rücktritt kommissarisch den Parteivorsitz. Am 12. April wurde er zum SPD-Chef gewählt. Er legte das Amt am 21. März 2004 nieder. Es wird angenommen, dass er damit den Popularitätsverlust der SPD infolge der Agenda 2010 aufhalten wollte. © dpa
Franz Müntefering, amtierender SPD-Fraktionschef, wurde am 21. März 2004 zum Parteichef gewählt. Nach der Bundestagswahl 2005 schlug Müntefering den bisherigen SPD-Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel als künftigen Generalsekretär vor. Das wurde von der Parteilinken Andrea Nahles verhindert. Daraufhin kündigte Müntefering am 31. Oktober 2005 an, nicht mehr als Parteichef  zu kandidieren. © dpa
Matthias Platzeck wurde am 15. November 2005 zum Nachfolger von Franz Müntefering als SPD-Vorsitzender gewählt. Der Ministerpräsident von Brandenburg (seit 2002) trat bereits am 10. April 2006 aus gesundheitlichen Gründen zurück. © dpa
Kurt Beck übernahm das Amt des SPD-Vorsitzenden kommissarisch. Am 14. Mai 2006 wurde der Ministerpräsident von Rheinland Pfalz (seit 1994) zum SPD-Chef gewählt. Am 7. September 2008 schmiss er hin. Denn Frank-Walter Steinmeier wurde SPD-Kanzerkandidat. Und zwar bevor Beck ihn als solchen verkünden konnte. Der Ministerpräsident erklärte dazu, dass er sich „aufgrund gezielter Falschinformationen“ zur Kanzlerkandidatur Steinmeiers durch die Presse nicht in der Lage sehe, das Amt weiterhin mit der „notwendigen Autorität auszuüben“. © dpa
Frank-Walter Steinmeier übernahm den SPD-Vorsitz vorübergehend am 7. September 2008 nach dem Rücktritt von Kurt Beck. Der Bundesaußenminister amtierte nur wenige Wochen bis zum 18. Oktober 2008. © dpa
Franz Müntefering kehrte im Spätsommer 2008, wenige Wochen nach dem Tod seiner Frau, in die Spitzenpolitik zurück. Er wollte die SPD im Vorfeld der anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen unterstützen. Am 18. Oktober 2008 wurde Münte als Nachfolger von Kurt Beck wieder zum SPD-Chef gewählt. Nach der verlorenen Bundestagswahl trat Müntefering (nicht zu 100 Prozent freiwillig) zurück. © dpa
Sigmar Gabriel ist seit dem 13. November der neue SPD-Vorsitzende. Er war Ministerpräsident von Niedersachsen (1999 bis 2003) und seit 2005 Bundesumweltminister. Zwischen 2003 und 2005 war er SPD-Beauftragter für Popkultur und Popdiskurs. Das brachte ihm den Spitznamen „Siggi Pop“ ein - als Anspielung auf Rock-Legende Iggy Pop. © dpa

Der Münchner Oberbürgermeister und designierte SPD-Spitzenkandidat für die bayerische Landtagswahl 2013, Christian Ude,findet Wulffs Vorgehensweise in der Kredit- und Medienaffäre inakzeptabel. Er warb dafür, die Bürger künftig direkt das Staatsoberhaupt wählen zu lassen. Auf diese Weise könne man dem „demolierten Amt mehr Autorität denn je verschaffen“, schrieb Ude in einem Beitrag für den „Münchner Merkur“.

Scheels Ehefrau fordert Rücktritt

Der einstige SPD-Chef Björn Engholm forderte von Wulff die Aussage: „Ich packe meine Koffer.“ Der Präsident solle „mit Anstand, Klarheit, Offenheit und unter Darlegung aller Gründe und Vorgänge sagen: Ich komme in dieses Amt, das von der Legitimation und Zustimmung der Bevölkerung lebt, nie wieder rein“.

Auch die Frau von Alt-Bundespräsident Walter Scheel, Barbara Scheel, riet Wulff zum Rücktritt. Amt und Person seien beschädigt. Es sei „eine Frage der Zeit, dass ein Amtsinhaber mit Würde die Konsequenzen zieht und geht“, sagte Scheel dem SWR in Basel.

Wulff-Interview: So reagieren Parteien und Medien

Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Sigmar Gabriel, SPD-Vorsitzender: “Angela Merkel muss eine ehrliche Neubewertung der Fähigkeit von Herrn Wulff in diesem Amt vornehmen. Das ist keine Causa Wulff mehr, das ist eine Causa Merkel." © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Merkel habe bei der Wahl Wulffs parteipolitische Interessen über die Interessen des Landes zurückgestellt. Sie sei dafür verantwortlich, dass zum zweiten Mal ein Bundespräsident ihrer Wahl große Schwierigkeiten im Amt habe, sagte Gabriel. © dpa
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat Bundespräsident Christian Wulff aufgefordert, „nun Vertrauen zurückgewinnen, denn das ist leider verloren gegangen“. Im Gespräch mit der „Ostsee-Zeitung“ (Freitag) kritisierte die stellvertretende FDP-Vorsitzende das Staatsoberhaupt indirekt wegen seines Umgangs mit der „Bild“-Zeitung. © dpa
„Gerade Oppositionspolitiker sollten sich gut überlegen, ob sie bewusst in Kauf nehmen, durch ein Weiterdrehen dieses Themas einen Kratzer in den Lack des Amtes des Bundespräsidenten zu bringen.“ (CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt im Interview mit Phoenix) © dpa
„Der Präsident stellt sich selber als Opfer dar. Man hat ja fast den Eindruck, man müsste Amnesty International einschalten und auffordern, sich für Herrn Wulff einzusetzen.“ (SPD-Rechtsexperte Sebastian Edathy zu N24) © dpa
„Wulff hat nur über seine Gefühle geredet, aber keine der Fragen beantwortet, die das Land beschäftigen. Niemand weiß, wie oft und wofür sich dieser Präsident noch wird entschuldigen müssen.“ (Grünen-Fraktionschefin Renate Künast in der „Bild“) © dpa
„Das Land hat besseres verdient als einen Kreditschnäppchen jagenden Präsidenten, der unliebsame Berichterstattung per Drohanruf unterbinden will.“ (Der stellvertretende Linke-Fraktionsvorsitzende Ulrich Maurer) © dpa
„Er hat ja nicht mir auf die Mailbox gesprochen. Ich möchte hinzufügen, Gott sei Dank. Aber das heißt, ich kann das jetzt auch nicht entscheiden, welche Variante jetzt die richtige ist.“ (SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles im Deutschlandfunk) © dpa
„Also auch als Schwabe bin ich bereit, sechs sehr gute badische Weißweine und sechs sehr gute württembergische Rotweine darauf zu setzen, dass Christian Wulff in den nächsten Jahren ein sehr guter Präsident Deutschlands bleibt.“ (EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) im SWR) © dpa
„Wenn Frau Merkel ein Interesse hat, dieses scheinheilige Schauspiel zu beenden, dann sollte sie Christian Wulff davon überzeugen, der Veröffentlichung zuzustimmen.“ (SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann) © dpa
„Ich fürchte, dass wir da noch einige Zeit dran zu kauen haben. Uns allen ist das ja nicht besonders angenehm, aber wir müssen doch die Fakten zur Kenntnis nehmen und können nicht einfach darüber hinweggehen, sondern müssen den Bundespräsidenten an dem nehmen, was er sagt, vor allen Dingen auch, was er nicht sagt.“ (Grünen-Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele im Deutschlandfunk) © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil: “Das war kein Befreiungsschlag und wird die Debatte nicht beenden.“ Heil betonte, es gebe weiter offene Fragen. Zu klären sei etwa, ob Wulff den Ansprüchen gerecht werde, die die Menschen zu Recht an einen Bundespräsidenten stellten. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Horst Seehofer (CSU-Vorsitzender) sagte, seine Partei respektiere “natürlich“, dass Wulff trotz der neuen Vorwürfe im Zusammenhang mit der Kreditaffäre im Amt bleiben will. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt: “Die CSU hat großes Vertrauen in den Bundespräsidenten und in seine Amtsführung.“ Wulff habe “zu allen offenen Fragen ausführlich persönlich Stellung genommen“ und “auch sein Bedauern über getroffene Fehlentscheidungen zum Ausdruck gebracht. Ich finde, das ist sehr zu respektieren.“ © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Sie appelliere “nun an die Vertreter aller demokratischen Parteien, das höchste Amt in unserem Staat, das Amt des Bundespräsidenten nicht zu beschädigen“, so Hasselfeldt. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe: “Ich bin sicher, dass Christian Wulff damit erfolgreich Vertrauen in der Bevölkerung zurückgewinnen wird. Es ist gut, dass Christian Wulff sich noch einmal geäußert hat. Es war richtig, dass er sich den kritischen Fragen gestellt und für weitere Aufklärung gesorgt hat.“ © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Sachsen-Anhalts CDU-Fraktionschef André Schröder: „Die nächsten Tage werden zeigen, ob beide Signale ausreichen, eine angemessene Amtsführung zu ermöglichen.“ © dpa
Sein Handeln in den vergangenen Wochen habe das Amt und das Land beschädigt: “Bundespräsident Wulff muss jetzt selbst mit sich ausmachen, welche Konsequenzen er zieht. Jetzt kommt es auf seinen Charakter an.“ Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Linke-Vorsitzende Gesine Lötzsch sieht “noch immer viele Fragen offen“. Sie warf dem Bundespräsidenten vor, er habe “ein gestörtes Verhältnis zur Presse, zur Wahrheit und zum Geld“. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Das Interview sei kein Befreiungsschlag gewesen, erklärte Lötzsch weiter. Noch immer verfolge der Bundespräsident eine Taktik des Aussitzens und des Verharrens. Sein Handeln in den vergangenen Wochen habe das Amt und das Land beschädigt: “Bundespräsident Wulff muss jetzt selbst mit sich ausmachen, welche Konsequenzen er zieht. Jetzt kommt es auf seinen Charakter an.“ © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Merkel könne mit der Erklärung Wulffs nicht zufrieden sein, sagte Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke. “Wir erwarten, dass sie dazu Stellung nimmt.“ Der Auftritt zeige, dass Wulff die Vorwürfe gegen ihn im Kern nicht verstanden habe. “Ich hätte mehr Rückgrat erwartet und verstehe nicht, dass er sich in dieser Situation als Opfer widriger Umstände darzustellen versucht“, sagte Lemke. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Eine Entschuldigung für sein grundsätzliches Fehlverhalten gegenüber den Medien habe gefehlt. Die zentralen Fragen um die Kredite für sein Haus seien weiter unbeantwortet. “Die verloren gegangene Glaubwürdigkeit und Autorität im Amt wird Christian Wulff auf diese Art und Weise nicht zurückgewinnen." © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Die Ankündigung Wulffs, die Antworten auf die Journalistenanfragen an ihn für alle zugänglich im Internet zu veröffentlichen, sei “ein starkes Zeichen der Offenheit und Transparenz“, erklärte Gröhe. “Dies sollten auch seine Kritiker anerkennen. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki (Schleswig-Holstein): „Der Bundespräsident hat jetzt zu allen Vorwürfen klar Stellung bezogen. Ich respektiere seine Darstellung der Ereignisse, und das sollten alle anderen auch.“Hinzu komme, dass sich Wulff für seinen Anruf beim Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Kai Diekmann, entschuldigt und dieser die Entschuldigung auch angenommen habe. „Damit ist die Sache in meinen Augen aus der Welt geräumt“, meinte Kubicki. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Er glaube, dass Wulff seinen Fehler zutiefst bereue - „niemand von uns ist gefeit vor Fehltritten, vor allem, wenn es um den Schutz der eigenen Familie und von sehr engen Freunden geht. Ich unterstreiche ausdrücklich, dass auch Politiker in höchsten Ämtern Freundschaften haben, unterhalten und pflegen sollten“, erklärte der FDP-Politiker. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Die “Südwest Presse“ in Ulm kommentierte: “Ohne die schützende Hand Angela Merkels gäbe es den Bundespräsidenten Christian Wulff nicht mehr.“ Zu desaströs sei das Echo auf das Krisenmanagement eines Staatsoberhaupts, das schon die Nerven verliere, wo zwar seine persönliche Integrität zur Debatte steht, aber keineswegs das Schicksal der Nation. Auch nach dem TV-Interview werde der Chor der Kritiker, Zweifler und Spötter nicht verstummen. “Zumal man damit rechnen müsse, dass es weitere Anlässe für Wulff geben könnte, vergangenes Fehlverhalten zu bedauern“, hieß es. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Die “Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ bezeichnete Wulffs Verhalten als “zum Fremdschämen“. Er sei, aus eigenem Verschulden, nicht einmal ein “halber Spitzenstaatsbeamter“. Die Kanzlerin habe nach dem gescheiterten Seiteneinsteiger Köhler einen Politprofi gesucht, einen, auf den Verlass sein würde. Gerade von Wulff habe sie geglaubt, Unfallfreiheit erwarten zu können. “Ein Irrtum“, schrieb die Zeitung. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Wulff sei “ein Präsident Laokoon - einer, der sich in seinen Widersprüchen verwickelt hat“, schrieb die “Süddeutsche Zeitung“ in München. Er sei ein Präsident, der sich in seiner Schwäche an seinem Amt festhalte, weil ihm das Amt den Halt gibt, den er ansonsten nicht habe. Wulff sei der erste Bundespräsident, der sich selbst begnadige, hieß es. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
“Ein Bundespräsident kann sich nicht leisten, was Wulff sich wohl in einem Anfall von Panik geleistet hat“, urteilte die “Westdeutsche Zeitung“ in Düsseldorf. Also sei er abermals in die Offensive gegangen. Gebracht habe es nichts außer der Erkenntnis, dass Wulff um sein Amt kämpfe wie ein Löwe. Kanzlerin Angela Merkel stünde als Verliererin da. Also mache der Bundespräsident weiter. “Doch eine gute Amtszeit wird ihm nicht mehr vergönnt sein“, schrieb die Zeitung. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
“Die Winkelhuberei, mit der Wulff ein privates Finanzengagement verteidigte, das in seinem Amt eben nur privat nicht mehr war, passte nicht zum Amt“, kommentierte die “Welt“ in Berlin. Fraglos hätten auch andere in dieser Affäre Fehler gemacht. Fraglos aber sei der Bundespräsident derjenige, der Deutschland auch in solcher Zeit am meisten den Maßstab vorleben müsse. © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
Die “Berliner Zeitung“ sieht den Ruf des Bundespräsidenten stark beschädigt. “Sein Thema müsste die Glaubwürdigkeit sein, mit der die Politik die Lösung dieser Probleme angeht“, schrieb die Zeitung. Wie aber solle das einer tun, der seine eigene Glaubwürdigkeit so beschädigt habe? Dem das private Schnäppchen wichtiger gewesen sei als die Distanz zu fragwürdigen Beziehungen? © dpa
Wulff-Interview: So reagieren die Parteien
“Für diesen Präsidenten ist das Amt mindestens drei Nummern zu groß“, kritisierte die “Märkische Oderzeitung“ in Frankfurt (Oder) hart. Einfluss und Ansehen ließen sich nur durch Vertrauen erreichen. Genau das Vertrauen auf seine Worte habe Wulff auch mit dem Fernsehauftritt nicht wiedergewonnen. Dieser Bundespräsident bleibe weitgehend sprachlos. “Dadurch bleibt das oberste Verfassungsorgan nur noch dem Spott seiner Bürger ausgesetzt.“ © dpa

Erneut kritisierte der Brandenburger CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz den Bundespräsidenten. „So ist es nicht mehr zu ertragen“, sagte er im Deutschlandfunk. Dagegen wies der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in Niedersachsen, Björn Thümler, Rücktrittsforderungen zurück. Er sagte im ZDF-„Morgenmagazin“, Wulff werde Präsident bleiben. Auch seine Umfragewerte würden wieder steigen. Laut ZDF-Politbarometer halten nur noch 34 Prozent der Bürger Wulff für glaubwürdig, 61 Prozent sehen es nicht mehr so.

Zeitungen veröffentlichen Fragenkataloge

Der Vorstandschef der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, bezeichnete die Affäre als andauernde „Selbstdemontage“ Wulffs. Diese mache ihn sprachlos, sagte Döpfner auf dem Neujahrsempfang der „Berliner Morgenpost“.Wulff soll mit einem Anruf bei Döpfner versucht haben, Einfluss auf die Berichterstattung in den Zeitungen des Verlags, insbesondere in der „Bild“-Zeitung, zu nehmen.

Am Freitag erhob die Zeitung neue Vorwürfe gegen Wulff. Dabei geht es um eine Urlaubsreise in die USA im April 2007. Wulff, seine Ehefrau Bettina und deren Sohn sollen dabei ein Upgrade von der Economy-Class in die Business-Class erhalten haben. Es erscheine unplausibel, dass Wulff die dafür angeblich eingesetzten zahlreichen Bonusmeilen tatsächlich sammeln konnte. Zudem habe Wulffs Anwalt Lehr den Vorgang erst bestritten und dann doch bestätigt.

Mehrere Zeitungen veröffentlichten inzwischen Fragen an Lehr und dessen Antworten. So wurden etwa die Fragen von Redakteuren der „Welt“ und „Welt am Sonntag“ mitsamt der Antworten ins Internet gestellt. Auch die Zeitungen des DuMont-Verlages, „Berliner Zeitung“, „Frankfurter Rundschau“, „Kölner Stadtanzeiger“ und „Mitteldeutsche Zeitung“, dokumentierten Schriftwechsel mit Lehr.

Die „taz“ dagegen stellte Fragen an „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann. Dabei geht es unter anderem darum, wie und wann die Nachricht, die Wulff auf Diekmanns Mailbox hinterlassen hatte, an Journalisten anderer Zeitungen weitergegeben wurde. Diekmann versprach laut „taz“, die Fragen innerhalb der gesetzten Frist bis Montag um 16.00 Uhr zu beantworten.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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