Ergebnisse der Volkszählung

Weniger Deutsche als bislang angenommen

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Deutschland-Fans im Juli 2010 in Berlin auf der Fanmeile zur Fußball-Weltmeisterschaft.

Berlin - Lange galt als sicher: In Deutschland leben 81,8 Millionen Menschen. Doch die erste Volkszählung seit zwei Jahrzehnten ergab: Es sind deutlich weniger. Und: Frauen sind klar in der Überzahl.

Deutschland hat weniger Einwohner als bislang angenommen: Aktuell leben rund 80,2 Millionen Menschen in der Bundesrepublik. Das ergab der Zensus 2011, den das Statistische Bundesamt am Freitag in Berlin vorstellte. Bislang waren die Statistiker von 81,8 Millionen Einwohnern ausgegangen.

Die Bevölkerung war zuletzt im Jahr 1987 in der damaligen Bundesrepublik sowie 1981 in der DDR gezählt worden. Auf der Grundlage der damaligen Ergebnisse wurden die Daten fortgeschrieben und im Laufe der Zeit immer ungenauer. Die erste Volkszählung in Deutschland seit mehr als zwei Jahrzehnten kommt nunmehr auf exakt 80 219 695 Menschen.

Nach den neuesten Zahlen stammt mittlerweile fast jeder Fünfte aus einer Zuwandererfamilie: 15,0 Millionen Einwohner des Landes haben einen sogenannten Migrationshintergrund. Viele von ihnen haben aber die deutsche Staatsbürgerschaft: Unter den 80,2 Millionen Einwohnern finden sich nämlich nur knapp 6,2 Millionen Ausländer - eine Quote von 7,7 Prozent. Zudem sind die Frauen in Deutschland klar in der Überzahl: Gut 41 Millionen weiblichen Einwohnern stehen lediglich etwas mehr als 39 Millionen Männer gegenüber.

Zensus 2011 - das sind die wichtigsten Ergebnisse

Für die erste Volkszählung in Deutschland seit mehr als 20 Jahren haben die Statistiker eine Unmenge von Daten gesammelt. Das sind die wichtigsten Ergebnisse: © dpa
In Deut schland leben 80 219 695 Menschen. Bislang waren die Statistiker von 81 729 155 Einwohnern ausgegangen. Die neuen Zahlen ergeben daher ein Minus von 1,8 Prozent. © picture-alliance/ dpa
Vor allem die Zahl der Ausländer ist deutlich niedriger als gedacht: Statt 7,25 Millionen leben in der Bundesrepublik lediglich 6,17 Millionen Menschen mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft. © picture alliance / dpa
Neben den Stadtstaaten Berlin (-5,2%) und Hamburg (-4,6%) weist Baden-Württemberg den deutlichsten Einwohnerverlust (-2,5%) auf. In Rheinland-Pfalz liegt das Minus hingegen nur bei 0,2 Prozent. © picture alliance / dpa
Berlin hat rein rechnerisch die meisten Einwohner verloren: Anstelle der vermuteten 3,47 Millionen Menschen leben in der Hauptstadt lediglich 3,29 Millionen - ein Minus von 5,2 Prozent. Das größte prozentuale Minus (-8,5%) weist allerdings Aachen auf. © picture-alliance/ dpa
Manche Städte sind auch größer als erwartet: Vor allem Bielefeld (+3724 auf 326 870) und Bergisch Gladbach (+3118 auf 108 878) ragen dabei heraus. © dpa
Zum Zeitpunkt der Erhebung gab es in Deutschland 39,99 Millionen Erwerbstätige und 2,14 Millionen Erwerbslose. Die Arbeitslosenquote betrug damit 5,1 Prozent. © picture alliance / dpa
Etwa 15,02 Millionen Einwohner kommen aus einer Zuwandererfamilie. Während in Hamburg 27,5 Prozent der Menschen einen sogenannten Migrationshintergrund haben, sind es in Thüringen nur 3,3 Prozent. Die Stadt mit der deutschlandweit höchsten Quote ist das hessische Offenbach mit 48,9 Prozent. © picture alliance / dpa
Die meisten Zuwanderer stammen aus der Türkei. Mit 17,3 Prozent aller Migranten stellen sie die größte Gruppe. Dahinter folgen Zuwanderer aus Polen (13,1%), Russland (8,7%), Kasachstan (8,2%) und Italien (5,3%). © picture alliance / dpa
Frauen sind in Deutschland klar in der Überzahl: 41,07 Millionen weiblichen Einwohnern stehen lediglich 39,15 Millionen Männer gegenüber. Besonders deutlich zeigt sich der Vorsprung der Frauen in der Gruppe der über 75-Jährigen. © picture alliance / dpa
In der Bundesrepublik gibt es 40,8 Millionen Wohnungen - etwa eine halbe Million mehr als bislang erwartet. 4,4 Prozent davon stehen leer - vor allem in Ostdeutschland. Spitzenreiter ist Chemnitz mit einer Leerstandsquote von 13,7 Prozent. © picture-alliance/ dpa
Eine Mehrheit wohnt weiterhin zur Miete. Die Eigentümerquote kletterte in den vergangenen Jahren auf 45,8 Prozent - allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden: Im Saarland befinden sich 62,8 Prozent der Wohnungen im Besitz der Bewohner, in Berlin sind es lediglich 15,6 Prozent. © dpa

Die Datenerhebung für den neuen Zensus hatte im Jahr 2011 begonnen. Im Unterschied zu einer klassischen Volkszählung wurde dafür nur ein Drittel der Bevölkerung befragt - persönlich oder schriftlich. Weitere Daten wurden aus den Melderegistern der Kommunen, dem Register der Arbeitsagentur und anderen Quellen zusammengetragen.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisierte jedoch, dass in Kliniken, Haftanstalten und Altersheimen personenbezogene Daten erhoben wurden. „In diesen sogenannten Sonderbereichen hätte man keine namentliche Zählung durchführen sollen“, sagte Schaar der Online-Ausgabe der Tageszeitung „taz“. Bei einigen dieser Bereiche könne schon eine Zuordnung die Betroffenen stigmatisieren, etwa Häftlinge oder psychisch Kranke.

Die Europäische Union schreibt vor, dass bestimmte Daten erhoben werden müssen. Die nächste Volkszählung ist deshalb schon fest eingeplant - für das Jahr 2021.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Inwzischen bestellen 75 Prozent der Deutschen Waren übers Internet. Ganz vorne mit dabei sind die Bücher. Hier wird ein Paket des Internethändlers Amazon von der Sängerin Annett Louisan ausgeliefert. © dpa
52 Prozent der Deutschen kaufen Bücher, Zeitschriften und Zeitungen im Netz. © dpa
Die Deutschen investieren in ihre Gesundheit. 17 Prozent mehr Geld gaben sie 2008 für Medikamente und Therapien aus. © dpa
12 Prozent der Nutzer spekulieren im Netz mit Aktien. © dpa
Ebenfalls 12 Prozent informieren sich über Versicherungen und schließen diese auch im Internet ab. © dpa
Seit 2001 geben die Bundesbürger 51 Prozent mehr Geld aus für Telefon und Internet. © dpa
Schon 2008 waren die Ausgaben für den privaten Konsum um 0,4 Prozent gestiegen. © dpa
Männer sind die aktiveren Einkäufer im Web. 76 Prozent der Männer und 73 Prozent der Frauen kaufen lieber online statt sich an der Kasse anzustellen. © dpa
Ökonomen glauben, dank der Abwrackprämie sei der Konsum im ersten Halbjahr 2009 noch einmal um 0,65 Prozent gestiegen. © dpa
36 Prozent der Menschen über 55 Jahre, die sogenannten Silver Surfer, nutzen das Web. © dpa
Auch elektronische Artikel wie die Playstation liegen immer öfter im virtuellen Warenkorb. © dpa
Um 20,5 Prozent sind die Ausgaben für Zigaretten und Alkohol gesunken. © dpa
48 Prozent bestellen Spielzeug, Möbel und Kleidung im Internet. © dpa
Statistiker vermuten, die Steuern auf Alkopops könnten dazu geführt haben, dass weniger dafür ausgegeben wird. © dpa

dpa

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