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Entlastungspaket Nummer 3: Wer profitiert am meisten von den Hilfen – und wer kaum?

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Von: Anika Zuschke

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Eine Familie spaziert in einem Park und 100-Euro-Scheine
Entlastungspaket 3: Familien mit zwei Kindern, deren Einkommen bei 31.200 Euro liegt, werden mit der Höchstsumme von 1582 Euro entlastet. © Jens Kalaene/dpa/imago/Montage

Das 3. Entlastungspaket wurde von der Bundesregierung beschlossen. Aber wer profitiert überhaupt davon – und wer kommt zu kurz? Eine Übersicht.

Berlin – Entlastungspaket Nummer 3 wurde am Sonntag, 4. September 2022, endlich beschlossen – und sorgte sofort für eine Menge Aufregung. Denn wie auch bei den ersten beiden Entlastungspaketen kam schnell die Frage auf: Werden die finanziellen Hilfen fair verteilt – und wer profitiert davon am meisten? Nach anhaltender Kritik, dass Menschen mit kleinem Einkommen, Rentner und Studenten am wenigsten von den bisherigen Entlastungen hatten, sahnen Geringverdiener beim 3. Entlastungspaket schließlich am meisten ab.

Doch kommt die Mittelschicht dafür deutlich zu kurz – vor allem im Vergleich zu Topverdienern. „Von Christian Lindners Inflationsausgleichsgesetz haben Porschefahrer viel mehr als Paketboten“, bilanzierte Armutsforscher Christoph Butterwegge auf Anfrage von kreiszeitung.de die Ergebnisse des dritten Entlastungspakets.

Tabelle zu Entlastungspaket 3 zeigt: Wer von den Hilfen profitiert – und wer nicht

„Die Kombination aus Steuerentlastungen und Direktzahlungen im Entlastungspaket ist fair und sozial ausgewogen“, schrieb hingegen Justizminister Marco Buschmann auf Twitter und teilte im Zuge dessen vorläufige Berechnungen dazu, welche Gruppen am meisten von dem 3. Entlastungspaket haben werden.

Buschmann zufolge „profitieren am meisten Familien mit Einkommen um die 31.000 Euro [...], die auch besonders hart getroffen sind“, so der Minister auf Twitter. Tatsächlich werden Familien mit zwei Kindern, deren Einkommen bei 31.200 Euro liegt, mit der Höchstsumme von 1582 Euro entlastet. Grund für das hohe Plus ist dabei der zusätzliche Heizkostenzuschuss von 740 Euro, von dem Familien mit höherem Einkommen nicht profitieren.

So erhalten Familien mit der gleichen Anzahl an Kindern und einem Einkommen von 56.004 Euro finanzielle Unterstützung in Höhe von 988 Euro und eine Familie mit einem Einkommen von knapp über 66.000 Euro erhält 1032 Euro Entlastungen. In dem Fall ziehen besserverdienende Familien also offensichtlich etwas mehr aus dem dritten Entlastungspaket als Familien mit mittlerem Einkommen, was vor allem an einer höheren steuerlichen Entlastung liegt.

Familien und Arbeitnehmer-Singles in der Mittelschicht profitieren am wenigsten vom 3. Entlastungspaket

Bei Singles verhält es sich ähnlich: Den vorläufigen Berechnungen zufolge erhält ein Single mit 15.600 Euro Einkommen in den nächsten rund eineinhalb Jahren finanzielle Hilfen in Höhe von satten 870 Euro – wobei besonders die geplante Ausweitung des Wohngeldes zum Jahr 2023 mit 684 Euro extra ins Gewicht fällt. Von dieser Entlastung profitieren Singles mit einem höheren Einkommen nicht.

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Dementsprechend wird ein Single mit einem Einkommen von 28.800 Euro im Zuge des dritten Entlastungspaketes mit lediglich 267 Euro finanziell unterstützt, während ein Single mit 156.000 Euro Einkommen aufgrund deutlich höherer steuerlicher Entlastungen von 646 Euro extra profitiert. Auch hier wird ersichtlich, dass Topverdiener bei Entlastungspaket 3 eindeutig mehr absahnen als Bürger der Mittelschicht.

Wer bekommt drittes Entlastungspaket? Studenten und Rentner kassieren neue Energiepauschale

Empfänger der Grundsicherung sowie Rentner und Studenten liegen im Vergleich dazu im mittleren Bereich der vom Entlastungspaket Profitierenden. So erhalten Bezieher vom neuen Bürgergeld laut Buschmanns Berechnungen insgesamt 752 Euro an finanziellen Hilfen. Studierenden werden Entlastungen von 755 Euro zuteil, während Rentner sich über 855 Euro freuen können. Dabei fällt insbesondere die neue Energiepauschale von 200 Euro für Studenten, beziehungsweise 300 Euro für Rentner, ins Gewicht.

Familie mit zwei Kindern – 31.200 Euro Einkommen1582 Euro Entlastungen
Familie mit zwei Kindern – 56.004 Euro Einkommen988 Euro Entlastungen
Familie mit zwei Kindern – 66.072 Euro Einkommen1032 Euro Entlastungen
Single – 15.600 Euro Einkommen870 Euro Entlastungen
Single – 28.800 Euro Einkommen267 Euro Entlastungen
Single – 156.000 Euro Einkommen646 Euro Entlastungen
Empfänger von Bürgergeld – 5388 Euro Einkommen752 Euro Entlastungen
Studenten – kein Einkommen755 Euro Entlastungen
Rentner – 12.000 Euro Einkommen855 Euro Entlastungen

Geringverdiener profitieren von Entlastungspaket 3 am meisten – Mittelschicht am wenigsten

Alles in allem lässt sich zusammenfassen, dass Geringverdiener mit dem 3. Entlastungspaket auf die höchsten finanziellen Entlastungen hoffen können, während die Mittelschicht am wenigsten profitiert. Mit Blick auf die großzügige Unterstützung von Topverdienern stößt das Einigen übel auf.

Zwar sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen, da Entlastungen wie der Nachfolger des 9-Euro-Tickets noch nicht inkludiert wurden und es sich einem Regierungssprecher zufolge nur um vorläufige Berechnungen handelt, so das Handelsblatt. Doch sieht die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer schon jetzt ein Problem des Entlastungspaketes vor allem bei der „unteren Mittelschicht, die gerade so viel verdient, dass ihr die Erhöhung der Arbeitslosensätze und die Ausweitung des Wohngelds nichts bringt, die aber auch keine Ersparnisse zum Auffangen der steigenden Energiepreise hat“. Das erklärte Schnitzer dem Handelsblatt.

Energiekrise in Deutschland belastet Mittelschicht – 3. Entlastungspaket reicht nicht aus

Zusätzlich werden mittlere Einkommen laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auch noch doppelt so stark durch die explodierenden Energiepreise belastet wie obere. Die oberen Einkommensgruppen profitieren zudem deutlich stärker von der Anpassung des Einkommenssteuertarifs an die Inflation, wie die Tagesschau berichtet.

Lars Feld, Chefberater von Finanzminister Christian Lindner zufolge ist die Verteilung der Entlastungen und die Lage der unteren Mittelschicht aber kein so drängendes Problem. „Wir müssen uns endlich von der Illusion der Einzelfallgerechtigkeit lösen“, so Feld im Gespräch mit dem Handelsblatt. Wenn Teile der unteren Mittelschicht die Belastungen nicht tragen könnten, würden diese ohnehin in Hilfen wie das Wohngeld rutschen.

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