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9-Euro-Ticket: Minister würgt Ruf nach Verlängerung ab

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Von: Jens Kiffmeier

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Boom bei der Bahn: Das 9-Euro-Ticket aus dem Entlastungspaket 2022 sorgt für volle Busse und Züge. Doch eine Verlängerung lehnt Minister Wissing ab.

Berlin – Nach dem Sommer ist Schluss: Das 9-Euro-Ticket aus dem Entlastungspaket 2022 soll nach drei Monaten nicht weitergeführt werden. Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat ein Machtwort gesprochen und die vielfach geforderte Verlängerung ausgeschlossen. „Dauerhaft ist das nicht möglich“, stellte der Liberale in einem Interview mit RTL klar und begründete die Absage mit den hohen Kosten von über einer Milliarde Euro pro Monat. Doch ob er mit dieser Position durchkommt? In Bund und Ländern wird der Ruf nach einem Ausbau der Rabattaktion auf ein 365-Euro-Ticket immer lauter.

Entlastungspaket 2022: 9-Euro-Ticket länger kaufen? Verkehrsminister Volker Wissing lehnt Idee ab

Seit dem 1. Juni können die Deutschen das 9-Euro-Ticket an allen Schaltern und Automaten der Bahn kaufen. Es ist zentraler Bestandteil vom Entlastungspaket 2022, mit dem die Ampel-Koalition von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Deutschen von den hohen Energiepreisen bei Benzin, Diesel, Öl und Gas befreien will. Das 9-Euro-Ticket berechtigt bundesweit zur Fahrt in allen Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) und kann jeweils für die Monate Juni, Juli sowie August erworben werden. Doch dann soll Schluss sein.

Lehnt eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets im Entlastungspaket 20022 ab: Verkehrsminister Volker Wissing (FDP).
Lehnt eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets im Entlastungspaket 20022 ab: Verkehrsminister Volker Wissing (FDP). © Fabian Sommer/Michael Kappeler/dpa

Seit Einführung erleben die Verkehrsbetriebe durchaus einen kleinen Boom. Vor allem an den Wochenenden und Feiertagen sind die Züge voll, was mitunter für genervtes Zugpersonal sorgt. Wissing zog aber eine positive Zwischenbilanz:  „Ich freue mich, dass die Maßnahme so gut ankommt und so gut angenommen wird“, sagte der Minister. Das 9-Euro-Ticket hätte durchaus in Bund und Ländern die Erwartungen vieler übertroffen. 

9-Euro-Ticket: Ruf nach Verlängerung der Maßnahme im Entlastungspaket 2022 wird laut – 365-Tage-Ticket als Alternative vorgeschlagen

Wegen der hohen Nachfrage tauchen aber immer mehr Forderungen auf, wonach das 9-Euro-Ticket trotz hoher Kosten bis zum Jahresende verlängert werden soll. So brachte die Linksfraktion im Bundestag bereits einen eigenen Antrag ein, um mit einem Ausbau der Aktion auf ein 365-Euro-Ticket das Bahnfahren das ganze Jahr über billig zu machen. Dadurch könnten die Deutschen jeden Tag für einen Euro Bus und Bahn benutzen. In München gibt es diese Fahrkarte bereits für Schüler und Auszubildende. In Bremen fordert die SPD ebenfalls schon ein 365-Euro-Ticket. Als Kompromiss schlugen die Verbraucherzentralen ein 29-Euro-Ticket vor.

Für die Befürworter dieser Ideen führt kein Weg an einer Verlängerung oder an einem Ausbau des 9-Euro-Tickets vorbei. Man könne die Deutschen nicht mit der Billigaktion anlocken und dann nach drei Monaten wieder ins Auto steigen lassen, lautet die Argumentation. Angesichts dauerhaft hoher Energiepreise könne man nur von einer echten Verkehrswende sprechen, wenn man den öffentlichen Nahverkehr auch dauerhaft attraktiv und kostengünstig halte, heißt es.

Entlastungspaket: 9-Euro-Ticket wird evaluiert – Mehr Geld für Bus und Bahn im Nahverkehr (ÖPNV) geplant

Doch im Verkehrsministerium ist man noch skeptisch. So scheut Wissing konkrete Zusagen. Vor einer Verlängerung des 9-Euro-Tickets bis Dezember müsse die Aktion evaluiert werden, stellte der Minister klar. Er räumte aber ein, dass der öffentliche Nahverkehr in Deutschland gestärkt werden müsse. Dies will er aber nicht über die Ticketpreise regeln. Zusätzliches Geld soll nach dem Plan des Liberalen vor allem erst einmal in die Infrastruktur fließen. Ziel müsse es sein, das Schienennetz auszubauen und genügend Züge und Busse bereitzustellen, um dauerhaft eine attraktive Alternative zum Auto zu bieten, sagte Wissing.

9-Euro-Ticket kaufen – so ist das möglich

Seit dem 1. Juni können die Deutschen das 9-Euro-Ticket kaufen. Erhältlich ist es online, in den Apps, an den Automaten oder am Schalter aller Verkehrsbetriebe. Das Ticket berechtigt einen Monat lang bundesweit zu Fahrten in allen Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV), nur der Fernverkehr ist ausgeschlossen. Die Aktion dauert von Anfang Juni bis Ende August.

Ob Wissing diesen Plan umsetzen kann, bleibt abzuwarten. Unabhängig von den vielen Wünschen der Opposition muss sich der Verkehrsminister auch einem harten Verteilungskampf innerhalb der Regierung stellen. Mittlerweile gehen die Experten nicht davon aus, dass die Energiepreise so schnell wieder sinken werden. Am Mittwoch schwor Finanzminister Christian Lindner (FDP) die Deutschen bereits auf eine drei- bis fünfjährige Wirtschaftskrise ein. Zwar würden die Bundesbürgerinnen und Bundesbürger bereits jetzt den Kostendruck an den Tankstellen und im Supermarkt merken, doch die Inflation werde die Preise noch weiter erhöhen, warnte er.

Neues Entlastungspaket: Ampel-Koalition ringt um weiteren Ausgleich für hohe Energiepreise

Mit zwei Entlastungspaketen hat die Politik bereits gegengesteuert. Neben dem 9-Euro-Ticket wurde auch ein Tankrabatt, eine Energiekostenpauschale von 300 Euro, ein Kinderbonus sowie ein Hartz-IV-Zuschuss auf den Weg gebracht. Doch das reicht alles nicht – diese Erkenntnis sickert mehr und mehr durch. Als Erster hat deswegen SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich bereits ein neues Entlastungspaket ins Spiel gebracht.

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Bei FDP und Grünen teilt man die Einschätzung, dass weitere Finanzhilfen nötig sein werden. Doch die finanziellen Spielräume sind ausgeschöpft, warnte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bereits. Man könne nicht mehr mit der Gießkanne allen Deutschen eine Erleichterung von den Energie- und Lebensmittelkosten verschaffen. Ein neues Entlastungspaket müsse Maßnahmen enthalten, die sozial gestaffelt werden. Sprich: Ärmere Rentner oder Hartz-IV-Empfänger bekommen Hilfen, einkommensstarke Haushalte gehen leer aus. Vor diesem Hintergrund ist es kaum vorstellbar, dass die Bundesregierung allen Deutschen ein verlängertes 9-Euro-Ticket oder ein 365-Euro-Ticket spendiert.

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