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Energiepauschale: Was bleibt nach der Gasumlage von den 300 Euro übrig?

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Von: Anika Zuschke

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Eine Energiekosten-Rechnung nach der Erhöhung der Gaskosten bei einem lokalen Gasversorger und ein Geldbeutel mit 300 Euro.
Durch die neue Gasumlage kommen auf Verbraucher hohe Mehrkosten zu – was bleibt dann noch von den 300 Euro Energiepauschale übrig? (kreiszeitung.de-Montage) © Political-Moments/Fotostand/Imago

Die Auszahlung der Energiepauschale erfolgt im September 2022. Doch wie viel bleibt davon überhaupt übrig, wenn die neue Gasumlage einberechnet wird?

Berlin – Schon seit Beginn des Ukraine-Kriegs steigen für Verbraucher in Deutschland die Lebenshaltungskosten – insbesondere die Preise für Strom und Gas nehmen stetig zu. Aus dem Grund hat die Regierung ein Entlastungspaket auf den Weg gebracht, das mitunter die Auszahlung der Energiepauschale in Höhe von 300 Euro im September verspricht. Doch nun kommt im Oktober erschwerend die neue Gasumlage hinzu, die mindestens einige Hundert Euro Mehrkosten pro Haushalt nach sich zieht. Wie viel bleibt dann überhaupt von der 300 Euro Energiepreispauschale (EPP) – die auch noch versteuert wird – übrig?

Wer hat Anspruch auf die Energiepauschale – und wie kommen Rentner an die 300 Euro?

Die Energiepauschale aus dem Entlastungspaket 2022 ist von der Politik für alle einkommensteuerpflichtigen Erwerbstätigen vorgesehen, die in den Steuerklassen 1 bis 5 eingeordnet sind, sowie für Gewerbetreibende und Selbständige. Zudem profitieren auch – entgegen erster Ankündigungen – Minijobber und sogenannte „kurzfristig Beschäftigte“ von der Energiepreispauschale (EPP).

Das läuft auf insgesamt etwa 44 Millionen Menschen in Deutschland hinaus. Wer jedoch zum Ärger von Sozialverbänden leer ausgeht, sind die Rentner. Denn da die meisten Menschen im Ruhestand nicht erwerbstätig und damit steuerpflichtig sind, fallen diese bei der Auszahlung der 300 Euro schlicht durchs Raster. Doch gibt es einen einfachen Trick, wie auch Rentner an die Einmalzahlung im September kommen.

Wie kommen Rentner an die Energiepauschale von 300 Euro?

Auch für Rentner gibt es die Möglichkeit, an die Energiepauschale von 300 Euro zu kommen. Dafür müssen sie beispielsweise als Minijobber nur einen Tag im Jahr 2022 arbeiten und das als „selbstständige Arbeit“ in der Steuererklärung angeben. Ein kurzes Arbeitsverhältnis in Privathaushalten als Gärtner, Pflegekraft oder Kinderbetreuer reicht dabei vollkommen aus. Anschließend zählen sie automatisch zu den Begünstigten der Energiepreispauschale (EPP).

Wann wird die 300 Euro Energiepauschale 2022 ausgezahlt?

Allen Erwerbstätigen wird die Energiepauschale derweil vom Arbeitgeber im September zusammen mit dem Gehalt ausgezahlt. Die Unternehmen können sich den Betrag anschließend vom Staat zurückholen. Bei kleineren Arbeitgebern, die ihre Lohnsteuer-Anmeldung vierteljährig oder jährlich abgeben, könnte die Energiepauschale laut Business Insider auch erst im Oktober überwiesen werden.

Selbstständige bekommen die Energiepreispauschale (EPP) indes gar nicht separat ausgezahlt, bei ihnen soll die Einkommensteuer-Vorauszahlung einmalig um den Betrag gesenkt werden.

Energiepreispauschale (EPP) ist nicht steuerfrei – 300 Euro müssen versteuert werden

Doch hat die Energiepauschale auch einen gewaltigen Haken: Diese unterliegt der Einkommenssteuer, weswegen bei den meisten Arbeitnehmern nur ein Bruchteil der 300 Euro am Ende tatsächlich auf dem Konto landet. Nur wer unter einer gewissen Einkommensgrenze liegt, darf die volle Energiepreispauschale behalten. Diese Grenze liegt im Jahr 2022 bei 10.347 Euro, für Verheiratete läuft der Freibetrag auf 20.694 Euro hinaus.

Alle anderen Arbeitnehmer müssen ihre 300 Euro Energiepauschale versteuern. Wie viel davon am Ende netto schließlich auf dem Konto bleibt, hängt dabei von dem Bruttojahreseinkommen ab, da die Steuerabgabe auf die Pauschale gestaffelt erfolgt. Berechnungen des Bundesfinanzministeriums zufolge bleiben bei den meisten Beziehern im Schnitt nur etwa 193 von den 300 Euro übrig, wie die Funke Mediengruppe berichtete. Die Summe bezieht sich dabei auf Vollzeitbeschäftigte mit einem durchschnittlichen Bruttojahresgehalt von 54.304 Euro.

Wer mehr verdient, muss infolgedessen auch mehr Geld bei der Versteuerung abgeben. Dem Bericht nach reicht die individuelle Spanne dabei von 0 Euro bis zur Höchstgrenze von 142 Euro.

300 Euro Energiepauschale versteuern: Was bleibt netto nach der Gasumlage von der Einmalzahlung übrig?

Im schlimmsten Falle bleiben von den 300 Euro Energiepauschale nach der Versteuerung also nur noch 158 Euro übrig – doch mit der neuen Gasumlage ab Oktober könnte auch diese Zusatzzahlung schneller als erwartet verschwinden. Zwar ist noch unklar, wie hoch die Gasumlage im Endeffekt ausfallen wird, doch ging Wirtschaftsminister Robert Habeck zuletzt von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde aus.

Was ist die neue Gasumlage?

Aufgrund der gedrosselten Gaslieferungen aus Russland müssen Gasimporteure Erdgas aus anderen Quellen teuer einkaufen. Diese Extra-Kosten dürfen sie im Zuge der Gasumlage ab Oktober an die Verbraucher weitergeben. Wie hoch die Belastungen bei Endverbrauchern ausfallen, hängt dabei von den Mehrkosten bei den Gasimporteuren ab. Die genaue Höhe ist derzeit noch unklar und wird sich voraussichtlich Mitte bis Ende August herausstellen.

Bei einer typischen Familie mit einem Jahresverbrauch von etwa 20.000 Kilowattstunden führt das laut dem Vergleichsportal „Verivox“ zu Mehrkosten von 357 bis 1190 Euro im Jahr, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Bei einem Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 5.000 Kilowattstunden würde die Gasumlage auf 89 bis 298 Euro Mehrkosten für den Verbraucher hinauslaufen.

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Ein typischer Pärchen-Haushalt würde ZDF zufolge mit 214 bis 714 Euro belastet – die Mehrwertsteuer ist darin enthalten, wobei noch nicht klar ist, ob diese tatsächlich für die Gasumlage beansprucht wird.

Verbraucher landen mit neuer Gasumlage trotz Energiepreispauschale im Minus

Geht man also vom besten Fall aus, dass der Verbraucher keine Steuern auf die Energiepauschale zahlen muss und bei ihm als Single-Haushalt mit einer Gasumlage von 1,5 Cent Mehrkosten von 89 Euro anfallen, bleiben netto 211 Euro von der 300 Euro Energiepreispauschale übrig. Ein Verbraucher in der höchsten Steuerklasse und mit einem umfassenderen Gasverbrauch würde bei einer Gasumlage von 5 Cent jedoch eindeutig im Minus landen. Dazu kommen noch marktgetriebene drastische Preissteigerungen, die nur schrittweise bei den Kunden ankommen.

Aus dem Grund fordern Politiker zunehmend neue finanzielle Hilfen für die Bürger. Denn der Heizkostenzuschuss 2022 sowie die Energiepreispauschale (EPP) reichen als Entlastungen bei den explodierenden Energiepreisen einfach nicht mehr aus.

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