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Strompreise explodieren: Solar- und Windparks machen den Reibach

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Von: Jan Knötzsch

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Die Energiekrise ist längst da, der Gasnotstand droht. Die Preise für Strom und Gas steigen exorbitant. Nur die Erzeuger von Ökostrom reiben sich die Hände.

Berlin – Gas ist knapp, die Strompeise explodieren. So richtig wahrhaben wollte es lange Zeit keiner. Wird schon irgendwie an uns vorbeigehen und klappen. Oder wie es die Kölner sagen: „Et hätt‘ noch immer joot jejange“. Doch inzwischen ist das Thema allgegenwärtig, niemand kommt mehr so richtig drumherum, sondern fast jeder muss sich damit beschäftigen: Deutschland droht der Gasnotstand. Das Gas wird knapp und es geht ebnen nicht alles von alleine gut. Die Energiekrise ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Durch den drohenden Gasnotstand durch die Wartung von Nord Stream 1 stellen sich nicht wenige die Frage: Was droht eigentlich im Winter? Wird das Gas irgendwann rationiert?

Und auch dann wäre da ja im Zuge des drohenden Gasnotstands und der Energiekrise noch ein Thema: die steigenden Preise für Gas und Strom. Viele Bürgerinnen und Bürger halten bereits ganz eifrig Ausschau danach, welche Alternativen für Gasheizungen sich denn anbieten. Kurzum: Überall regieren, wenn man es bewusst ein wenig überspitzt formulieren will, Angst und Schrecken.

Nur eine Branche schaut sich das Ganze beruhigt an: die Erzeuger von Ökostrom.

Energiekrise und drohender Gasnotstand: Preise steigen – doch Ökostromerzeuger machen aktuell Milliardengewinne

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, der gerade am Coronavirus erkrankt ist, warnt schon seit Wochen davor, dass das Gas in Deutschland knapp wird und hat den Notfallplan Gas ins Leben gerufen. Noch ist es zwar so, dass in der Energiekrise in Deutschland Haushalte zu geschützten Verbrauchern zählen, die bis zuletzt mit Gas versorgt werden sollen. Auch dann, wenn der Gasnotstand eintritt? Dass die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland auch in diesem möglichen Szenario noch geschützt sind und nicht plötzlich ohne Gas dastehen, ist fraglos wünschenswert – ob diese Priorisierung der Haushalte in der Energiekrise aber immer Bestand haben wird, kann aktuell niemand versprechen.

Windräder und Strommasten auf einer Wiesenfläche.
Während die Verbraucher unter steigenden Energiekosten ächzen, dürfen Ökostromerzeuger jubeln. © Jochen Tack/imago

Die Dramatik der Lage in der Energiekrise zeigt sich vor allem beim Gaspreis, der in den zurückliegenden Monaten enorm angestiegen ist. Die nächste Nebenkostenabrechnung wird angesichts der Energiekrise in so manchem Haushalt mit einem eher mulmigen Gefühl in der Magengegend erwartet. Auch die Tatsache, dass wegen des drohenden Gasnotstands bereits die ersten Bäder dicht gemacht werden, taugt nicht unbedingt zur Beruhigung. Gleiches gilt für den Stand des Gasspeichers in Rehden, der nicht einmal zu einem Viertel gefüllt ist, und der in der Energiekrise auch weiterhin ein Sorgenkind bleiben wird, wie zuletzt der Chef des Bundesnetzagentur, Klaus Müller, feststellte.

Energiekrise: Deutschland zittert vorm Gasnotstand – Erzeuger von Ökostrom reiben sich die Hände

Wohl dem also, der in der Zeit, in der Gaspreise und auch Strompreise gleichermaßen steigen wie die Angst der Bevölkerung in Deutschland, auf Ökostrom setzt und zu den Erzeugern von Ökostrom zählt. Wie spiegel.de berichtet, beschert die Energiekrise den Erzeugern von Ökostrom aktuell unverhoffte Milliardengewinne. Dem Bericht zufolge sind Betreiber von Wind- und Solarparks, sowie Biogasanlagen und Wasserkraftwerken die großen Profiteure der jüngsten Preissprünge an der Leipziger Strombörse EEX. Und das verdeutlicht spiegel.de mit einem Blick auf das, worauf es ankommt – nicht nur, wenn Deutschland sich in der Energiekrise steckt und überdies vorm drohenden Gasnotstand zittert: mit einem Blick auf die Zahlen nämlich.

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An der Leipziger Strombörse EEX sei demnach der Terminkontrakt für Grundlaststrom zur Lieferung im nächsten Jahr zuletzt bis auf 369,38 Euro je Megawattstunde angestiegen. Das sind fast 37 Cent je Kilowattstunde (kWh). Macht 418 Prozent oder aber – anders gesagt – beinahe 30 Cent mehr als vor Jahresfrist. Laut des Vergleichsportals Verivox kostete eine Kilowattstunde für einen Durchschnittshaushalt im Juni 2022 exakt 39,68 Cent. Das ist gut ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Wie spiegel.de vorrechnet, kommen auf den derzeitigen Börsenpreis Abgaben und Netzentgelte, und man landet schnell auf 55 bis 60 Cent je kWh. Für eine Familie mit 4000 kWh Jahresverbrauch würde das bis zu 1200 Euro Mehrkosten im Vergleich zum Sommer 2021 bedeuten.

Energiekrise: Grünstromerzeuger genießen Schutz vor niedrigen Preisen, Stromverbraucher besitzen keinen vor hohen Preisen

Die in den Medien immer wieder kursierenden horrenden Mehrkosten wegen der Energiekrise und des in Deutschland unter Umständen drohenden Gasnotstands sind also nicht irgendwelche Hirngespinste von Menschen, die verunsichern wollen. Sie könnten durchaus schneller Realität werden, als es allen lieb ist. Aber warum steigen die Gas- und in diesem Fall vor allem die Strompreise eigentlich? Die drastische Verteuerung an der Strombörse ergibt sich daraus, dass die Brennstoffkosten für Gas- und Kohlekraftwerke steigen. Diese sind in der Regel die teuersten Kraftwerke. Und: Ihre Kosten bestimmen den Börsenpreis. Im Vergleich sind die Erzeugungskosten für Wind- oder Solarstrom weniger großen und intensiven Veränderungen ausgesetzt.

Windrad und Solaranlage an und neben einem Gebäude
Wer Wind- und Solarparks besitzt und Ökostrom erzeugt, der darf sich selbst in der Energiekrise als Gewinner feiern. © Jochen Tack/imago

Und das beschert, während die Energiekrise Deutschland heimsucht, nun den Grünstromanbieter, also denen, die auf Wind- und Solarenergie setzen, Zufallsgewinne. Die sogenannten „Windfall Profits“. Für Menschen, die in Zukunft enorm erhöhte Gas- und Strompreise zahlen müssen, noch ärgerlicher: Ökostromerzeuger profitieren von einer Sonderregelung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die sie einseitig bevorteilt. Von der gleitenden Marktprämie. Heißt: Betreiber von Wind- und Solaranlagen, die ihren Strom verkaufen, erhalten eine gesetzlich garantierte Mindestvergütung. Ist der Marktpreis niedrig, bekommen sie vom Staat die Differenz zur Mindestvergütung erstattet.

Ist hingegen der Marktpreis hoch, dann können die Produzenten die gesamten Gewinne für sich behalten. Bedeutet vereinfacht auf den Punkt gebracht: Grünstromerzeuger genießen Schutz vor niedrigen Preisen, Stromverbraucher besitzen keinen vor hohen Preisen.

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