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Energiekrise: Ist grüner Wasserstoff die Lösung für die Zukunft?

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Die Energiekrise in Deutschland wirft die Frage nach Zukunftstechnologien auf. Wie steht es um grünen Wasserstoff? Hoffnungen sind ebenso groß, wie Probleme.

Berlin – Im Zuge der Energiekrise in Deutschlands scheint man auch bei den Grünen beinahe zu vergessen, auf welche Grundsätze man bei Fragen der Energiewende einst insistierte. Plötzlich geht es um AKW-Streckbetriebe, zweifelhafte Gas-Deals mit Saudi-Arabien und ähnliches. Wie aber sieht die Zukunft aus? Die aktuelle Lage verdeutlicht den dringenden Bedarf an zukunftsfähigen, klimafreundlichen und bezahlbaren Alternativen bei Energie wie unter einem Brennglas. Sogenannter „grüner Wasserstoff“ ist für viele ein großer Hoffnungsträger. Hält er, was er verspricht? Theoretisch offenbar ja – wäre da nicht der eklatante Mangel an einer zuverlässigen Infrastruktur.

Grüner Wasserstoff: Herstellung soll der Energiewende helfen – die fast vergessen scheint

Dieser Tage erscheint die Tatsache, dass die Ampelkoalition unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) sich einst die Energiewende auf die Fahnen geschrieben hatte, nur noch als eine schwammige Erinnerung. Seitdem ist wenig Zeit vergangen, doch in der Politik hat sich dafür umso mehr getan: Nur noch selten ist die Rede vom Klima. Tatsächlich drängt sich die Frage nach zukunftsfähigen und bezahlbaren Energieträgern abseits fossiler Energie aktuell mehr auf, denn je – das zeigen auch die anhaltenden Proteste auf der Straße. Ein Hoffnungsträger in diesem Bereich ist der sogenannte „Grüne Wasserstoff“, von dem die meisten kaum wissen, was das überhaupt ist.

Wasserstoff
Vor allem grüner Wasserstoff - also solcher, der mit erneuerbaren Energien hergestellt wird - ist ein Hoffnungsträger der Energiewende. © Nicolas Armer/dpa

Andernorts genießt er indes bereits breiteres Interesse: Die Schweiz etwa hat sich vorgenommen, Vorreiter bei Grünem Wasserstoff zu werden. Seit 2020 gibt es im Verteilverkehr der Eidgenossen insgesamt 47 wasserstoffbetriebene Lkw. In der Alpenrepublik greift man auf Strom aus einem Offshore-Windbark in Dänemark zurück. Doch der Reihe nach: worum geht es bei grünem Wasserstoff genau, und – was ist das überhaupt? Auch bei der neuen Technologie gibt es einige Probleme. Der Club of Rome will zur Rettung des Planeten indes die reichsten 10 Prozent verstärkt zu Kasse bitten.

Grüner Wasserstoff: Nachteile durch mangelnden Strukturwandel – wie wird Grüner Wasserstoff hergestellt?

Es gibt viele offene Fragen zu grünem Wasserstoff, etwa „wie wird grüner Wasserstoff hergestellt?“ Die Antwort: Er entsteht mittels Elektrolyse unter Verwendung erneuerbaren Stroms. Dieser wird durch Wasser geleitet, wobei an einem Pol Wasserstoff entsteht, am anderen Sauerstoff. Grün ist der Wasserstoff am Ende nur, wenn der Strom zur Aufspaltung aus erneuerbaren Energien, wie Wind oder Sonne stammt. Während sich nicht nur in Deutschland viele Experten im Zuge der Energiewende einiges von ihm versprechen, hat auch grüner Wasserstoff Nachteile – diese sind allerdings nicht in ihm direkt angelegt, sondern in den zu seiner Herstellung benötigten erneuerbaren Energien.

Was ist grüner Wasserstoff?

-Grüner Wasserstoff entsteht durch die Aufspaltung von Wasser. Erneuerbarer Strom wird dabei durch das Wasser geleitet, an einem Pol entsteht in der Folge Wasserstoff, am anderen Sauerstoff.

-CO₂-frei ist der so entstandene Wasserstoff nur, wenn der Strom für die Aufspaltung aus erneuerbaren Energien stammt, etwa Windenergie oder Solarenergie.

-Problem: In Deutschland geht der Ausbau erneuerbarer Energien extrem schleppend voran.

Der Ausbau von erneuerbaren Energien entwickelt sich in Deutschland im Schneckentempo – ein großes Problem. Bei der Umwandlung von Strom zu Wasserstoff gehen indes etwa 30 Prozent Energie verloren. Auch in der Schweiz greift man bisher zum Teil noch auf einen dänischen Offshore-Windpark zurück. So groß die Hoffnungen in grünen Wasserstoff sind, so klar ist auch, dass er ohne, bisher ausbleibende, riesige strukturelle Anstrengungen auf kurze Sicht keine Lösung bieten kann. Die Bundesregierung schätzt laut WDR, in Deutschland könnten bis zum Jahr 2030 maximal 15 Prozent des Energiebedarfs durch selbst produzierten grünen Wasserstoff gedeckt werden. Deutschland bemüht sich deshalb auch um Verträge, mit anderen Ländern – etwa Kanada.

Grüner Wasserstoff: Deutschland und Kanada unterzeichnen Abkommen für Lieferungen ab 2025

Erst kürzlich hatten Deutschland und Kanada ihre Absicht erklärt, zu „Wasserstoff-Partnern“ zu werden. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und sein kanadisches Pendant unterzeichneten dazu in Stevenville eine Absichtserklärung. Ab 2025 sollen erste Lieferungen mit grünem Wasserstoff nach Deutschland kommen – das selber zur umfassenden Produktion nicht in der Lage ist. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sagte in diesem Rahmen, „die Invasion der Ukraine hat uns schneller auf den Pfad der Zukunft geführt, von der wir wussten, dass sie kommt. Eine Zukunft, in der wir nicht einfach nur unabhängig von russischem Öl und Gas sind, sondern unsere Abhängigkeit von Öl und Gas generell reduzieren.“

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Kanzler Olaf Scholz (SPD) erklärte bei dieser Gelegenheit seinerseits: „Wir müssen kurzfristig über LNG-Gas reden, aber langfristig liegt das wirkliche Potenzial in grünem Wasserstoff, aus den dünn besiedelten, windreichen atlantischen Provinzen.“ Ziel ist der Aufbau einer Lieferkette in weniger als zehn Jahren, ein ambitioniertes Unterfangen. Ein Hochfahren der strukturellen Bemühungen um erneuerbare Energien wäre auch in Deutschland selbst vonnöten, wenn man grünen Wasserstoff als Zukunftsperspektive ernst nimmt – bisher tut sich in dieser Hinsicht allerdings nur wenig.

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